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Corona-Zahlen steigen - bleibt der Sommer-Effekt dieses Jahr aus?

Experte erklärt, warum wir nicht auf die Inzidenz schauen sollten

Corona-Zahlen steigen - bleibt der Sommer-Effekt dieses Jahr aus?

 FOTOMONTAGE, Gefahrenschild mit Coronavirus-Symbol und Aufschrift Omikron BA.4 BA.5, Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 *** PHOTOMONTAGE, danger sign with coronavirus symbol and inscription Omikron BA 4 BA 5, Omikron variants BA 4 and BA 5
Die hohe Ansteckungsfähigkeit der Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 lassen den Sommereffekt verpuffen.
www.imago-images.de, IMAGO/Christian Ohde

von Ingo Jacobs

Sommer, Sonne – coronafreie Zeit? Obwohl Infektionen im Sommer in Regel sowieso niedrig sind, weil sich die Menschen eher an der frischen Luft bewegen, schrecken uns massiv steigende Infektionszahlen gerade aus unserem Sommermärchen auf. Aktuell liegt die vom Robert-Koch-Institut ermittelte Inzidenz bei 472,4 (Stand: 15. Juni). Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist sich deshalb sicher: Der Sommereffekt verpufft dieses Jahr – die Sommerwelle ist schon da. Müssen wir bald alle wieder Maske tragen und uns sogar isolieren? Medizin-Experte Dr. Christoph Specht sieht dazu keinerlei Anlass.

Drosten besorgt, Lauterbach rät zu Masken und Auffrisch-Impfungen

Durchgestanden ist die Corona-Pandemie wohl doch noch nicht: Die Infektionszahlen in Deutschland steigen wieder rasant an. Am vergangenen Donnerstag (9.6.) schon zeigte Top- Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sich diesbezüglich vor allem über eines besorgt: die steigenden Todesfälle in Portugal. Dort nämlich stiegen in Europa die Corona-Zahlen als Erstes wieder an.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist sich deshalb jetzt sicher: "Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden. Das bedeutet auch für die nächsten Wochen wenig Entspannung", sagte Lauterbach jetzt der "Rheinischen Post". Der bisher beobachtete Sommereffekt in der Pandemie verpuffe diesmal. Grund dafür sei unter anderem, dass die aktuell zirkulierende Virusvariante BA.5 sehr leicht übertragbar sei. Außerdem seien fast alle Vorsichtsmaßnahmen ausgelaufen, erläuterte Lauterbach der Zeitung.

Die EU-Behörde für Seuchenprävention (ECDC) sagt zwar, dass von den neuen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 offenbar zwar kein höheres Risiko einer schweren Erkrankung ausgehe. Aber sie sieht gleichzeitig die Gefahr, dass allein ein Anstieg der Fallzahlen aufgrund höherer Übertragungsraten zu höheren Zahlen in Kliniken und bei den Todesfällen führe.

Älteren und Vorerkrankten sollten sich daher nochmal impfen zu lassen, rät Lauterbach deswegen. Dies verhindere nicht unbedingt eine Infektion, aber es verhindere schwere Krankheitsverläufe. Zudem spricht der Gesundheitsminister sich auf seinem Twitter-Kanal weiterhin für das Tragen einer Mund-Nasenschutz-Maske aus.

Dr. Christoph Specht - Allgemeinmediziner und Medizinjournalist
Dr. Christoph Specht - Allgemeinmediziner und Medizinjournalist
Moritz Jansen, photoMo

Kein Vergleich zum Dezember 2021

Bleibt es bei diesen Ratschlägen – oder müssen wir uns wieder auf härtere Maßnahmen einstellen? Für Präventionsarzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht eine unnötige Angst: „Wir können ja die Infektionen gerne weiterhin zählen, aber wir dürfen die Inzidenz nicht als Maßstab nehmen“, sagt er uns. Denn: Wir sind jetzt in einer ganz anderen Situation als vor zwei Jahren. Damals bedeutete eine Infektion relativ oft einen schweren Krankheitsverlauf. „Auch der Corona-Expertenrat empfiehlt ja in seiner letzten Stellungnahme: ‘Weg von der 7-Tage-Inzidenz’“, erinnert der Experte.

Lese-Tipp: Covid-Experte wenig besorgt wegen BA.5

Denn die jetzt gezählten Infektionen seien überhaupt nicht vergleichbar mit den Zahlen aus beispielsweise dem Dezember 2021. „Wir testen extremst viel weniger, das ist jetzt so, als würde man Kilometer und Kilogramm vergleichen“, sagt er. Zudem bewege das Virus sich ja jetzt nicht mehr in einer immunnaiven Bevölkerung, die meisten Infizierten seien Geimpfte oder Genesene –oder gar beides. „Wir müssen eben gucken, wie es mit der Krankheitslast aussieht, wir müssen schauen, wie viele Menschen liegen deswegen auf Intensivstation“, sagt Specht.

Und selbst wenn auch dort die Zahlen wieder zunehmen, müsse geguckt werden: „In welchem Ausmaß nehmen sie zu, das ist aktuell auf einem ganz geringen Niveau“, so Specht, „und zweitens weisen die Divi-Zahlen erst einmal nur die PCR-positiv getesteten Menschen aus.“ Und das, ohne zu unterscheiden, ob sie wegen einer Infektion oder mit einer Infektion eingewiesen wurden.

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Härtere Maßnahmen in Sommer unwahrscheinlich

Medizinische Fachverbände und Organisationen haben deswegen schon mit Ende des Winters immer wieder angemahnt, dass die Maßnahmen von Eindämmung durch Kontaktreduzierung und ähnliches („containment“) auf den Schutz der Vulnerablen („protection“) umschwenken muss. Ein Schwenk, der mit dem Auslaufen der allermeisten Corona-Maßnahmen vollzogen wurde. Wie wahrscheinlich ist es dann, dass wieder auf stärkere Maßnahmen umgeschwenkt wird? „In diesem Sommer bestimmt nicht“, sagt der Medizinexperte, „aber im Winter werden die Masken in den Innenräumen bestimmt wieder kommen, die Diskussion haben wir ja jetzt schon.“

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