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Die Corona-Warn-App lebt!

Frau mit Mundschutzmaske, zeigt Smartphone mit Corona Warn-APP im grünen Bereich, Corona-Krise, Hauptbahnhof, Stuttgart
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17. August 2020 - 10:24 Uhr

von Andreas Kock

Einmal am Tag geht bei mir der Blick in die Corona-Warn-App. Denn nur wer per Hand die App öffnet, weiß sicher, dass sie sich auch aktualisiert. Meistens las ich etwas von Entwarnung, kein Risiko, alles grün unterlegt. Kaum gesehen, schon vergessen. Anders heute! Da stand: "Niedriges Risiko" und "1 Risiko-Begegnung mit niedrigem Risiko." Wie aufregend. Die App lebt! Doch was heißt das? Risiko mit niedrigem Risiko?

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Unterm Schwellenwert

Die Corona-App hat gewarnt.
Die Corona-App hat unseren Kollegen gewarnt.
© RTL

​Das fragten sich viele. Gleich drei Kollegen im Büro hatten dieselbe Botschaft erhalten. Auskunft gibt es beim Robert-Koch-Institut. In einer Information an Ärzte heißt es zur Status-Anzeige "Niedriges Risiko", "dass etwaige Risiko-Begegnungen nicht über dem definierten Schwellenwert lagen."

Die Schwellenwerte bei der Corona-Warn-App sind die Dauer und Distanz der Begegnung. Heißt in meinem Fall: Ich traf die Risikoperson weiter entfernt als 1,50 Meter oder weniger lang als 15 Minuten.

Interessant ist aber auch: Die Risikoperson wusste zum Zeitpunkt der Begegnung nichts von ihrer Corona-Infektion. Sie kann es eigentlich nur später erfahren und der Corona-Warn-App mitgeteilt haben.

Zwischen Riesen-Erfolg und sündhaft teurem Flop

Nach gerade 50 Tagen Entwicklung war die App Mitte Juni an den Start gegangen. Die Nachfrage war groß, ging gleich in die Millionen. Dann wurde es ruhiger. Derzeit wurde die App 17 Millionen Mal heruntergeladen.

Doch von Anfang an gab es Querelen. Das Melden von Positiv-Infektionen ging nur über Tan-Codes, die man über eine Hotline bestellen musste. Dann funktionierten die Aktualisierungen nicht, sowohl bei iPhone und Google-Geräten. Hinzu kamen die Kosten. SAP und Deutsche Telekom bekamen für das deutsche Prestige-Projekt 20 Millionen Euro.

Aber bedeuten 17 Millionen Downloads auch 17 Millionen Nutzer? Kaum, denn gemessen an den erfassten Corona-Neuinfektionen, sind die an die App gemeldeten Tans verschwindend gering. Das Technikportal Golem.de und die FAZ hatten jeweils im Juli und August nachgerechnet und kamen jeweils auf 4 Prozent. Ein magerer Anteil.

Warnt die Warn-App überhaupt?

Aber ja, sie warnt! Von Anfang an. Erste Screenshots von roten Warnhinweisen gab es schon im Juni bei Twitter. Vor kurzem berichteten Regional-Zeitungen im Berchtesgadener Land und im Kreis Segeberg von Tests, die nach Warnungen der Corona-App positiv ausfielen. Einzelfälle, sicher.

In der Summe könnten sie die App beflügeln. Das hoffen besonders die Entwickler von SAP und Telekom. Sie arbeiten an weiteren Verbesserungen. In Dresden wird die App auf hunderten Android-Smartphones beobachtet. Kein Betriebssystem läuft auf so vielen unterschiedlichen Geräten. Es gilt Fehler auszumerzen. Langfristig soll die App auch auf älteren Smartphones funktionieren.

Schön wäre es zudem, wenn Google für die Nutzung der Bluetooth-Schnittstelle keine Aktivierung der Standortdaten mehr verlangen würde. Das wünscht sich Friedhelm Greis von Golem.de. Wer empfindlich beim Datenschutz ist, könnte dann eher den Download wagen.

Jetzt Testergebnisse ins System bringen

Wer sie schon hat, sollte die App regelmäßig auf die neuste Version aktualisieren. Das ist zurzeit die Versionen "1.2.1" - sowohl für Android als auch für iOS. Das gleiche gilt für das Betriebssystem des Smartphones, immer das neuste Update aufspielen. Doch damit nicht genug, denn das Prinzip der Warn-App funktioniert nur übers Mitmachen.

"Es ist enorm wichtig, dass jetzt Testergebnisse in das System kommen", sagte Winfried Bauer, Co-Projektleiter von der Deutschen Telekom, zu RTL. "Werden die Ergebnisse in die App eingespielt, dann ergibt sich der Nutzen daraus."

Angeblich könne man das über die Labore gut erkennen. Fast die Hälfte können jetzt schon QR-Codes ausgeben, das lästige Telefonieren für die Tans kann langsam entfallen. Bei steigenden Infektionszahlen wird noch mehr Leben in die App kommen. Mehr Meldungen gehen dann die Nutzer. Wie heute bei mir. Niedriges Risiko. Zum Glück. Ich weiß, was auf dem Spiel steht, aber ich habe die Corona-App.

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