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Corona: Schützen Reinfektionen vor Long Covid? Lungenfacharzt Doc Esser klärt auf

Viele stecken sich öfter an

Corona: Schützen Reinfektionen nicht vor Long Covid? Lungenfacharzt Doc Esser klärt auf

Positiver Corona Test
Erhöhen Corona-Reinfektionen das Risiko für Folge-Erkrankungen und Long Covid? Doc Esser klärt auf,
iStockphoto

von Madeline Jäger

Waren Sie schon mehrfach infiziert? Wer sich schon mit dem Coronavirus angesteckt hat, für den ist zumindest die Aussicht auf eine Superimmunität in einem gewissen Zeitraum ein Lichtblick. Viele Corona-Genesene glauben, dass ihr Risiko für Folge-Erkrankungen mit jeder weiteren Ansteckung sinkt. Zumindest, wenn die Erkrankung harmlos verläuft. Doch stimmt das und was bedeuten Corona-Reinfektionen für das Long Covid-Risiko? Diese Frage hat eine aktuelle US-Studie untersucht, mit klarem Ergebnis. Die Resultate ordnet Lungenfacharzt Dr. Heinz-Wilhelm Esser, besser bekannt als „Doc Esser“ ein und erklärt sie im RTL-Gespräch.

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Corona-Reinfektion: Wird die Krankheit immer harmloser?

Spätestens seit die Omikron-Welle in Deutschland angekommen ist, wissen wir: Man kann sich trotz Impfung mit Corona infizieren und das auch mehrfach. Doch ist das auch ein Grund zur Sorge?

In einer aktuellen Studie haben sich Forscher diese Frage gestellt und sich das Risiko unterschiedlichster Folgeerkrankungen angesehen, je nachdem, wie oft Patienten mit Sars-CoV-2 infiziert waren. Das deutliche Ergebnis: Das Risiko, Schäden an Lunge und Herz davon zu tragen oder Long Covid-Symptome wie „Fatigue“ zu bekommen, steigt mit jeder weiteren Ansteckung.

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Corona-Reinfektionen: US-Forscher nehmen Risiko für Folge-Erkrankungen unter die Lupe

Unter „Fatigue“ verstehen Mediziner einen Ermüdungszustand, der sich nicht durch Ruhe oder Schlaf beenden lässt. Bei diesem Erschöpfungs-Symptom liegt extreme Müdigkeit oder Erschöpfung vor, die sich eigentlich erst nach einer längeren körperlichen oder geistigen Aktivität einstellt.

Das Forschungsteam rund um den Wissenschaftler Ziyad Al-Aly von der Washington University hat im Rahmen der Studie Daten der Krankenkasse der Veteranen der US-Armee ausgewertet. Dabei handelt es sich laut den Studien-Autoren um das größte US-Gesundheitssystem. Allerdings sind 90 Prozent der in den Datensätzen enthaltenen Versicherten Männer. Frauen sind in der Studie daher unterrepräsentiert.

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Ihre Erfahrung ist uns wichtig: Waren Sie schon mehrfach mit Corona infiziert?

Corona-Studie: US-Forscher mit großer Untersuchung von Reinfektionen

Die US-Forscher filterten innerhalb ihrer Studie insgesamt 257.427 Teilnehmer heraus, die eine bestätigte Corona-Infektion hatten.

  • 36.417 (12 Prozent) hatten zum zweiten Mal Covid-19
  • 2.263 (0,76 Prozent) zum dritten Mal
  • 246 (0,08 Prozent) sogar bereits vier Mal oder sogar noch öfter

Im Anschluss untersuchten die Wissenschaftler die Zahlen verschiedener Folgeerkrankungen in den sechs Monaten nach der Corona-Diagnose und verglichen die Daten mit der jeweiligen Häufigkeit in einer Gruppe von 5,4 Millionen nicht infizierten Menschen.

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Corona-Studienergebnis macht Bauchschmerzen: Mehrfach Infizierte mit doppelt so hohem Sterberisiko

Das Resultat: Gegenüber den nur einmal Infizierten verdoppelte sich das allgemeine Sterberisiko. Innerhalb der Gruppe betraf es die mindestens zweimal Infizierten (rund 23,8 von 1.000 Personen).

  • Das Risiko, in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden, stieg um das Dreifache (95,5 Personen pro 1.000)
  • Bei Reinfizierten: Schäden an Atemorganen oder dem Herz-Kreislauf-System traten doppelt so häufig auf

Es kam häufiger zu Diabetes-Diagnosen oder Fatigue, psychischen Problemen, Verdauungsstörungen oder anderen Post-Covid-Symptomen. Die amerikanische Studie sagt aus: Das Risiko stieg mit jeder Reinfektion, auch bei Geimpften. Doch wie sind die Ergebnisse laut Lungenfacharzt Doc Esser zu bewerten?

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Corona-Forschung: Erhöhen Reinfektionen das Long-Covid-Risiko? Doc Esser klärt auf

Doc Esser
Lungenfacharzt Doc Esser ordnet die aktuelle Studien-Lage zu den Folgen von Corona-Reinfektionen ein.
picture alliance

Doc Esser leitet im Remscheider Sana-Klinikum die Fachambulanz für Lungenerkrankte. Der bekannte TV-Arzt bestätigt im RTL-Gespräch, dass es in der medizinischen Forschung zu Reinfektionen aktuell zwei Meinungen gibt. „Zum einen gibt es die Experten, die davon ausgehen, dass eine Corona-Infektion bei einer Reinfektion deutlich harmloser verläuft und man sich kurzum keine größeren Sorgen machen muss. Doch es gibt auch die andere Fraktion, die sagt: Je häufiger man sich infiziert, desto höher ist auch das Risiko für ein Post-Covid-Syndrom und langfristige Organschäden an Herz und Lunge“, so Esser. Anhänger dieser zweiten Experten-Gruppe sei er auch selbst.

„Die Ursache für diesen Zusammenhang kennt bisher jedoch keiner wirklich. Doch eins ist klar: Das Risiko für ein Post-Covid-Syndrom erhöht sich zum Beispiel auch, wenn die Viruslast während der Infektion hoch war“, erklärt Doc Esser. Weitere Faktoren könnten dieses Risiko erhöhen.

„Patienten, die zum Beispiel das Epstein-Barr-Virus in sich tragen, oder zuckerkrank sind, haben ein erhöhtes Risiko ein Long Covid Syndrom zu entwickeln“, schildert Esser. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, welches zu den Herpesviren gehört. Es wird auch als Humanes Herpesvirus bezeichnet.

Doc Esser: „Wer häufiger an Covid erkrankt, hat höheres Risiko für Post-Covid-Symptome“

Doch wie sieht es unabhängig von weiteren Risikofaktoren mit Corona-Reinfektionen aus?

„Inwiefern die zweite oder dritte Corona-Infektion das Risiko für Long Covid erhöht, weiß aktuell noch niemand sicher – denn die genaue Ursache für die Folge-Erkrankungen ist noch unbekannt. Doch die großen Studien haben bisher nachgewiesen, wer häufiger an Covid erkrankt, hat ein erhöhtes Risiko für Post-Covid-Symptome und die Sterblichkeit ist erhöht“, so Esser weiter. Hierbei müsste jedoch immer genau geschaut werden, welche Gruppen untersucht wurden. Gesunde, Jüngere seien in der Regel seltener betroffen.