Auf der Suche nach dem Ende der Pandemie

Wann ist Deutschland durchgeimpft? Das sagen Experten

Wann werden in Deutschland endlich genug Bürger gegen das Coronavirus geimpft sein?
Wann werden in Deutschland endlich genug Bürger gegen das Coronavirus geimpft sein?
© imago images, Westend61

13. März 2021 - 10:36 Uhr

Kassenärztliche Bundesvereinigung wagt mutige Prognose

Es ist die Frage aller Fragen in der aktuellen Pandemielage: Wie lange wird es wohl noch dauern, bis in Deutschland genügend Menschen gegen das Coronavirus geimpft sind und endlich wieder mehr Normalität in unseren Alltag einkehren kann? Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wagte vor kurzem eine mutige Prognose: Bis zum 1. August könne es gelingen, einen Impfvollschutz der gesamten Bevölkerung zu erreichen – wenn genug Impfstoff da ist und die Kassenärzte ausreichend mit impfen. Wie realistisch ist dieses Datum? Das haben wir Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, sowie Prof. Dr. Christian Hesse, Leiter der Abteilung für Mathematische Statistik an der Universität Stuttgart, einschätzen lassen.

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Komplette Durchimpfung bis zum 1. August: Schaffen wir das?

Prof. Hesse hält die Impfprognose der KBV für ausgesprochen ambitioniert. "Es ist höchstwahrscheinlich nicht erreichbar", urteilt der Statistiker. "Das Impftempo der letzten Tage müsste bei den drei derzeit verfügbaren Impfstoffen, die alle zwei Impfungen erfordern, mehr als verdreifacht werden." Seiner Einschätzung nach stelle das jedoch eine zu große logistische Herausforderung dar. Gelänge es allerdings, das aktuelle Impftempo zu verdreifachen, wäre bis Anfang August zumindest die Herdenimmunität erreicht, so der Stuttgarter Wissenschaftler. Dafür sei eine Durchimpfungsquote von 60 bis 70 Prozent der Gesamtbevölkerung erforderlich.

Auch Dr. Georg-Christian Zinn geht nach aktuellem Stand nicht davon aus, dass das deutsche Impfwunder bis zum 1. August eintritt: "Nach den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate ist das sehr optimistisch", so der Hygieniker. "Ich traue den niedergelassenen Ärzten extrem viel zu, aber zwei Probleme gibt es dabei: Ist genug Impfstoff da? Und: Schlägt uns die Bürokratie kein Schnippchen?", so Dr. Zinn.

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Was brauchen die Hausärzte, um schnell losimpfen zu können?

Auch wenn Dr. Zinn einen "extremen Boost" des Impftempos durch die Hausärzte erwartet, der Start in den Praxen steht aus der Sicht des Mediziners bislang unter keinem guten Stern. Denn der administrative Aufwand, der hinter jeder Impfung stecke, sei fünfmal so hoch wie die Impfung selbst. "Wir müssen dringend die Administration und die Bürokratie ablegen!", fordert Dr. Zinn deshalb. Wenn das gelinge, könnten die Hausärzte "los impfen, was das Zeug hält", so der Hygiene-Arzt. "Das können die extrem gut. Ob das eine Tetanusimpfung ist, eine Masernimpfung oder 25 Millionen Grippeimpfungen im letzten Herbst." Oder eben viele Millionen Corona-Impfungen.

Doch genau da scheint es aktuell zu haken. Denn Kanzlerin Angela Merkel und die Länder-Chefs konnten sich vorher erstmal nicht einigen, wie das mit dem Impfen beim Hausarzt genau laufen soll. Die groß angekündigte Impf-Offensive der Hausärzte, die eigentlich bereits Ende März/Anfang April beginnen sollte, wurde somit erst einmal auf den 19. April verschoben.

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Wenn die Hausärzte-Impfungen also erst einmal schleppend starten und Anfang August damit ein zu sportliches Ziel ist, was ist denn dann eine realistische Zeitspanne bis zur Durchimpfung der Deutschen? Prof. Hesses Prognose: "Das kann bis Oktober erreicht werden". Voraussetzung dafür sei jedoch zum einen, dass Deutschland im April die zugesagten 36,7 Millionen Dosen des Impfstoffes von Johnson & Johnson erhalte, der den Vorteil habe, nur eine Impfung zu erfordern. "Und wenn zweitens das aktuelle Impftempo verdoppelt wird. Beides ist realistisch", so die Einschätzung des Statistikers.

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