Priorisierung für AstraZeneca aufgehoben

So kommen Sie jetzt schnell an einen Impftermin

In Zukunft darf sich jeder mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen lassen - unabhängig davon, ob man einer Risikogruppe angehört.
In Zukunft darf sich jeder mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen lassen - unabhängig davon, ob man einer Risikogruppe angehört.
© imago images/Jochen Eckel, Jochen Eckel via www.imago-images.de, www.imago-images.de

08. Mai 2021 - 10:57 Uhr

AstraZeneca-Impfstoff für alle

Bund und Länder kippen die Priorisierung bei der Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca. In Zukunft können sich alle – unabhängig von Alter und Vorerkrankungen – damit immunisieren lassen. Das teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach Beratungen mit seinen Länderkollegen mit. So soll das Impftempo vorangetrieben werden. Wir verraten Ihnen, was Sie jetzt über den Impfstoff wissen sollten und wie Sie schnell an einen Impftermin kommen.

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Das müssen Sie über den Impfstoff wissen

Nach AstraZeneca-Impfungen kam es nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts zu einer auffälligen Häufung sogenannter Sinusvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen und Blutungen. Nachdem zunächst unklar war, ob die Thrombosen mit den Impfungen im Zusammenhang stehen, fanden Forscher der Universität Greifswald heraus, dass ein Abwehrmechanismus des Körpers die Ursache für die Hirnthrombosen nach der AstraZeneca-Impfung sein könnte. Bund und Länder hatten deshalb beschlossen, AstraZeneca nur noch Menschen über 60 Jahren zu verabreichen. Neben den seltenen Fällen von Hirnthrombosen treten Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Schüttelfrost am häufigsten auf.

Trotz der seltenen Fälle von Hirnvenenthrombosen gibt die EMA bisher uneingeschränkt grünes Licht für den Wirkstoff. Die Vorteile des Schutzes vor Covid-19 seien höher zu bewerten als die möglichen Risiken. Laut neuen Daten schützt das Vakzin zu 76 Pozent vor einer Covid-19-Erkrankung. Bei über 65-Jährigen beträgt dieser Wert 85 Prozent. Und vor einem schweren Krankheitsverlauf soll die Impfung über alle Altersgruppen hinweg zu 100 Prozent schützen.

Lesetipp: Was die verschiedenen Impfstoffe können und wo die Unterschiede sind – eine Übersicht finden Sie hier.

Wer sich mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen lässt, erhält zwei Impfdosen im Abstand von mindestens vier Wochen. Wegen der höheren Wirksamkeit bei einer verzögerten zweiten Gabe rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO), damit bis zu zwölf Wochen zu warten. Dieser Abstand soll nun jedoch verkürzt werden, verkündete Gesundheitsminister Spahn heute.

Das hält ein Arzt von der Aufhebung der Priorisierung

Jürgen Zastrow ist leitender Impfarzt in Köln und bewertet es positiv, dass sich nun alle mit AstraZeneca immunisieren lassen können. Denn die Risiken könne man abschätzen, sagt er: "Die Hirnvenenthrombose ist eine extremst seltene Komplikation, von der wir in den ersten Monaten gar nichts wussten. Jetzt wissen wir das aber und können Menschen mit Kopfschmerzen adäquat behandeln."

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Hausärzte sind auf AstraZeneca-Impfstoff sitzengeblieben

Viele jubeln über die Möglichkeit, sich endlich impfen lassen zu können. Denn die Entscheidung öffnet für viele die Türen zu einem vorzeitigen Impftermin. Über die Möglichkeit, nun alle mit AstraZeneca zu impfen, werden sich auch viele Hausärzte freuen. Diese blieben zuletzt häufig auf dem Impfstoff sitzen. Ein Allgemeinmediziner aus Kirchlengern in Ostwestfalen wählte deswegen einen ungewöhnlichen Weg, diesen unter die Leute zu bringen: Er bot auf Ebay-Kleinanzeigen Impftermine für Ü-60-Jährige an. Mehrere Bundesländer hatten für den Impfstoff bereits im Vorfeld die Priorisierung aufgehoben. In Berlin kann man sich dafür einen Termin beim Hausarzt geben lassen. Ähnlich könnte das bald bundesweit aussehen.

Zeitnaher Impftermin: So klappt's

8,6 Millionen Deutsche sind schon vollständig geimpft (Stand 6. Mai). Wer den Piks jetzt ebenfalls so schnell wie möglich will, für den hat Michael Althammer, Leiter des Impfzentrums Bottrop, einen Tipp, wie er uns im RTL-Interview verrät: "Gehen Sie auf die Internetseite des Impfzentrums der jeweiligen Stadtverwaltung und informieren Sie sich dort. Da finden Sie mit Sicherheit genügend Informationen, wie Sie schnellstmöglich an einen Impftermin kommen."

Lesetipp: Alles rund um die geschickte Terminanfrage, die aktuelle Priorisierungsgruppe und Nachrücktermine speziell in Ihrer Region haben wir für Sie hier zusammengefasst – im Bundesländer-Überblick.

Seit Ostern dürfen auch Hausärzte gegen Corona impfen, seit Anfang Mai Fachärzte – allerdings stehen ihnen bisher nur begrenzt Dosen zur Verfügung. Die Telefone in den Arztpraxen stehen seitdem nicht still, die Anfragen häufen sich. Sollte man trotzdem hartnäckig nachfragen oder lieber abwarten? Hausarzt Dr. Thomas Assmann rät im RTL-Interview: "Sie sollten sich schon selber bemühen, um auf eine Liste zu kommen." Unser Tipp: Telefonieren Sie nicht nur den eigenen Hausarzt ab. Ziehen Sie auch in Erwägung, mehrere Arztpraxen zu kontaktieren. Damit Sie die Telefonleitungen nicht belegen, sollten Sie alternativ Mails schreiben. Wichtig dabei: Betonen Sie immer Ihre Bereitschaft, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen. Manche Arztpraxen haben außerdem auf Onlinebuchungs-Systeme umgestellt, auf denen Sie sich mit wenigen Klicks für einen Impftermin anmelden können.

Außerdem sollten Arbeitnehmer bei Ihrem Arbeitgeber nachhaken. Denn auch Betriebsärzte impfen bei großen Firmen bereits vereinzelt – so zum Beispiel in einem Modellprojekt bei VW. Spätestens ab der Woche vom 7. Juni sollen dann alle Betriebsärzte in die Impfstrategie einbezogen werden.

Empörung bei Twitter

Nicht jeder ist erfreut über diese Nachricht: Die Twitter-Gemeinde empört sich darüber, dass der Impfstoff für Personen unter 60 Jahren freigegeben wird, nur weil viele Ältere eine Impfung damit verweigern würden. Jüngere würden sich nämlich um jeden Preis impfen lassen – und dafür nun ein erhöhtes Risiko in Kauf nehmen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt das Vakzin aufgrund des erhöhten Hirnthrombose-Risikos für Ü-60-Jährige.

EBR

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