Schlimmer Conference-League-Trip für Union Berlin

Die Schande von Rotterdam

22. Oktober 2021 - 10:22 Uhr

Schlimme Szenen, wo man nur hinschaut

Ein Ausflug zum Vergessen! Sportlich war die Reise nach Rotterdam für Union Berlin eine Pleite, 1:3 verloren die Eisernen bei Feyenoord, sind nun Letzter in ihrer Gruppe in der Conference League. Viel schlimmer aber: Es gab wüste Auseinandersetzungen zwischen Union-Fans und der Polizei, es gab jede Menge Verletzte. Schon einen Tag zuvor wurden Berliner Verantwortliche in Rotterdam angegriffen. Ein Pyro-Inferno war da nur die Spitze des Eisberges.

Die Rückkehr der Fans bringt auch Probleme zurück

Zurecht war die Trauer groß, als der Fußball eineinhalb Jahre lang ohne Fans auskommen musste. Statt Stimmung gab es in den Stadien nur die Kommandos von Trainern und Spielern zu hören, die Tritte gegen den Ball waren zu vernehmen, hin und wieder ein Pfiff des Schiedsrichters – ansonsten: Stille.

Weil die Corona-Pandemie mitterweile eingedämmt wurde, sind Fans wieder in den Stadien dabei. Mit ihrer Rückkehr tauchen nun aber auch wieder Probleme auf, die es in den langen Monaten der Geisterspiele nicht gegeben hatte. Und rund um die Partie Feyenoord Rotterdamm gegen Union Berlin (3:1) in der Conference League gab es davon jede Menge.

Am Mittwoch gab es schon den ersten Skandal

Schon am Mittwoch wurde es extrem unschön. 60 heimische Hooligans zogen (teilweise in Polizeibegleitung) durch das Kneipenviertel, offenbar auf der Suche nach Union-Fans. Gegen 22 Uhr wurden sie fündig und griffen sofort an. Die Opfer: Eine 25-köpfige Delegation der Berliner um Club-Boss Dirk Zingler. "Es war fast surreal. Plötzlich haben sich diese Leute Masken übergezogen und uns angegriffen. Tische flogen durch die Gegend. Glas splitterte", sagte Union-Sprecher Christian Arbeit.

Erst nach einigen Minuten kam die Polizei dazu, löste die Situation auf. Es gab glücklicherweise keine Schwerverletzten, eine Union-Mitarbeiterin musste mit Kreislaufbeschwerden im Krankenhaus behandelt werden. Sie wurde nachts zurück ins Teamhotel gebracht. Die anderen Hooligan-Opfer wurden zuvor bereits von der Polizei sicher dorthin gebracht.

Feyenoord entschuldigte sich für die Vorkommnisse. "Der Verein distanziert sich in jeder Hinsicht von den Leuten, die sich zu dieser feigen Tat herabgelassen haben, und ist der Meinung, dass sich niemand, der Feyenoord und die Stadt auf so wahnsinnige Weise in ein negatives Licht rückt, als Anhänger bezeichnen kann oder darf. Feyenoord hofft auch, dass die Täter gefunden und für diesen schockierenden Fall von Gewalt in der Öffentlichkeit bestraft werden", twitterte der Club.

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Kontrolldesaster führt zu Gewaltszenen

Doch am Spieltag selbst wurde es nicht besser. Hunderte der 2.400 angereisten Union-Fans wurden von der Polizei vor dem Stadion festgehalten und am Eintritt gehindert. Sie sollen aufgrund des Sturms derart spät angereist worden sein, dass ihr Impfnachweis nicht mehr kontrolliert werden konnte. Es heißt aber auch, es sei zu wenig Personal für diese Kontrollen vor Ort gewesen, außerdem seien Ticket-Scanner defekt gewesen.

Die Situation eskaliert, es gibt Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Fans. Es gibt körperliche Angriffe gegen die Unioner, sogar ein Hund wird gegen sie eingesetzt und verletzt mehrere Personen. Laut "Deutschlandfunk" soll es sogar gezielte Attacken der Einsatzkräfte gegeben haben, auch auf die Köpfe der Berliner Anhänger.

"Katastrophale Einsatzsituation"

"Wir wissen um die schwierige Situation vor dem Gästeblock", twitterte der Verein aus der Arena und bestätigte einen "harten Polizei-Einsatz", bei dem mehrere Union-Anhänger verletzt wurden. "Wir waren mit mehreren Mitarbeitern vor Ort. Wir können die Situation bestätigen, wie sie geschildert wurde. Es ist eine aus unserer Sicht katastrophale Einsatzsituation, wenn mehrere hundert Menschen mit Eintrittskarten bis zur Halbzeitpause nicht im Stadion sind. Dann kann irgendetwas nicht stimmen", sagte Sprecher Arbeit.

Die Fan-Gemeinschaft "Eiserne Hilfe" postete Fotos in den sozialen Medien von verletzten Berlinern. Mindestens fünf Verletzten müssten im Krankenhaus behandelt werden, außerdem seien einige Unioner verhaftet und im Polizeiwagen geschlagen und bespuckt worden sein. Laut "Deutschlandfunk" sprachen Fanvertreter von gezielten Angriffen sogar auf die Köpfe der Fans. Auch ein Polizeihund sei eingesetzt worden und habe mehrere Personen verletzt. Die "Eiserne Hilfe" bat darum, Gedächtnisprotokolle anzufertigen.

Die Vorkommnisse dürften Konsequenzen haben

"Es gibt Bilder von zahlreichen Verletzten von einem offensichtlich sehr harten Polizeieinsatz. Das ist in der Gesamtheit einfach inakzeptabel. Wir werden darüber reden müssen, wie so etwas auf europäischen Niveau passieren kann. So etwas ist nicht hinnehmbar", kündigte Arbeit an.

Die Polizei teilte mit, dass es 75 Festnahmen gegeben hat. Eine Gruppe von 59 Personen haben die Konfrontation mit Feyenoord-Fans gesucht, sie standen unter dem Verdacht "offene Gewalt vorzubereiten". 16 Personen werden des Vandalismus und Besitzes von Feuerwerkskörpern verdächtigt. Wegen des Zündens solcher Feuerwerkskörper wurde auch ein Polizeipferd mit Reiter verletzt, weil sich das Tier erschreckte und fiel.

Dass Feyenoord-Fans im Stadion dann Unmengen an Pyrotechnik zündeten, verkam da nur zu einer Nebensache. Doch auch diese Aktion dürfte im Nachgang noch bestraft werden, ähnlich wie das, was rund um die Partie geschehen ist. Diese Tage könnten als Schande von Rotterdam in Erinnerung bleiben. (sho)