Werbung auf Instagram und Co.

Große Freude über neues Gesetz: Influencerin bricht in Tränen aus

21. Januar 2021 - 17:17 Uhr

Kabinett stimmt für Influencer-Gesetz

Auf diesen Tag haben Cathy Hummels, Pamela Reif oder Vanezia Blum jahrelang gewartet. Influencer*innen und Blogger*innen sind mit einem neuen Gesetz künftig besser vor Abmahnungen oder sogar Klagen geschützt. Denn in Zukunft müssen sie einen Post nur noch dann als Werbung kennzeichnen, wenn sie dafür bezahlt worden sind. Das rührte einige Social-Media-Stars sogar zu Tränen, wie wir Ihnen im Video zeigen.

Klagewelle wegen Schleichwerbung

"Werbung wegen Produktnennung" – so oder so ähnlich steht es unter vielen Instagram-Posts von Influencer*innen wie Cathy Hummels, Beauty-Bloggerin Julia Schröder oder Fitness-Queen Pamela Reif. Sie alle kooperieren mit bekannten Unternehmen und machen auf Instagram und in anderen sozialen Medien Werbung für Sportkleidung, Kosmetikprodukte oder neue Apps. Dabei standen sie in der Vergangenheit häufig in der Kritik, weil aus ihren Posts nicht deutlich genug hervorging, dass es sich dabei um Werbung handelt. Immer wieder wurden Influencer*innen und bekannte Social-Media-Stars sogar von Verbraucherschützern wegen vermeidlicher Schleichwerbung verklagt.

Cathy Hummels vor Gericht

Im vergangenen Sommer stand zum Beispiel Monderatorin und Instagram-Star Cathy Hummels, vor dem Oberlandesgericht (OLG) in München. Sie hatte immer wieder persönliche Empfehlungen für Produkte oder bestimmte Marken ausgesprochen und diese nicht als Werbung gekennzeichnet. Der Verband "Sozialer Wettbewerb" hatte dagegen geklagt. Er argumentierte, dass auch persönliche Empfehlungen Werbung seien und als solche in den sozialen Medien gekennzeichnet werden müssten.

Das Münchener Gericht wies die Klage des Verbands im Sommer ab. Ganz zur Freude von Cathy Hummels, die später in einem Instagram-Post schrieb: "Dieser Sieg vor dem OLG ist für uns ALLE und hoffentlich hat diese Abmahnwelle damit ein Ende."

Social-Media-Stars atmen auf

Das Hoffen und Flehen von Cathy Hummels und all ihrer Kollegen und Kolleginnen könnte jetzt aber ein Ende haben. Das Bundeskabinett stimmte einem Gesetzesentwurf von Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) zu, der Blogger*innen und Influencer*innen mehr Rechtssicherheit garantiert. Denn das Gesetz soll klar regeln, wann ein Post als Werbung markiert werden muss und wann nicht.

"Nur wenn es eine Gegenleistung gibt, müssen sie ein Posting als Werbung kennzeichnen", erklärt die Ministerin das neue Gesetz. Auch für Verbraucher*innen sei so künftig klarer, wann es sich um Werbung handelt, "wie eine Empfehlung zustande gekommen ist und ob Sie ihr vertrauen wollen." Empfehlungen ohne Bezahlung oder andere Gegenleistungen seien demnach keine Werbung.

Influencerin Vanezia Blum: "Härtester Heulkrampf meines Lebens"

Für Cathy Hummels ist das ein Riesenerfolg, wie sie uns im Interview erzählt: "Ich freu mich einfach für alle, die Instagram beruflich nutzen und ich freue mich über die neue Transparenz, die wir dadurch gewonnen haben." Die Abmahnungen und auch die Gerichtsprozesse hätten in den letzten Jahren sehr an ihren Nerven gezehrt, auch weil sie durch für sie erfolglose Strafverfahren wohl viel Geld hätte verlieren können. Doch nun wüssten sie und alle anderen Influencer*innen das Recht endlich auf Ihrer Seite.

Auch dem Social-Media-Star Vanezia Blum fällt dank des neuen Gesetzes ein Stein vom Herzen: "Ich warte seit vier Jahren darauf, dass endlich mehr Rechtssicherheit im Internet herrscht und endlich ein Gesetzesentwurf vorliegt und auch beschlossen wird" sagt die Lifestyle-Bloggerin weinend auf Instagram. "Habe gerade den härtesten Heulkrampf meines Lebens gehabt. Niemals im Leben habe ich so hart geweint" gibt die Influencerin tränenüberströmt in ihrer Instagram-Story zu.

Social-Media ist ein gnadenloses Geschäft

Das Influencer-Dasein ist ein knallhartes Business. Jeden Tag müssen mehrere top inszenierte Postings auf unterschiedlichen Kanälen abgesetzt werden. Es wird um Kooperationen gefeilscht und um Honorare verhandelt. Auch Firmen haben das Werbepotenzial von Influencern schon lange erkannt und drängen auf den Markt, verlangen im Gegenzug aber regelmäßige Beiträge in denen ordentlich die Werbetrommel gerührt wird. Wer da auf Dauer keine Inhalte liefert, ist ganz schnell weg vom Influencer-Fenster.

Neben einer Gage für einzelne Postings erhalten viele Influencer*innen zusätzlich auch noch andere Gegenleistungen, sagt die Social-Media-Beraterin Ann-Kathrin Schmitz: "Andere Leistungen können Einladungen zu Veranstaltungen, Gratisübernachtungen in Hotels oder Produktproben sein."

Doch bevor das neue Influencer-Gesetz endgültig in Kraft tritt, müssen Bundesrat und Bundestag dem Entwurf noch zustimmen. Erst dann kann es in der Praxis Anwendung finden. "Werbung wegen Produktnennung" werden wir bis dahin wohl noch unter so einigen Social-Media-Posts lesen.