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Cambridge-Wissenschaftler verjüngen Haut einer 53-Jährigen um 30 Jahre

Durchbruch in der Altersforschung?

Was für ein Ergebnis! Cambridge-Forscher verjüngen Haut einer 53-Jährigen um 30 Jahre

Eine Frau mit junger und reiner Haut.
Wissenschaftlern der University of Cambridge ist es gelungen, die Hautzellen einer 53-Jährigen um 30 Jahre zu verjüngen.
Konstantin Postumitenko, Prostock-Studio

Mit 53 Jahren aussehen wie mit 23? Das haben Wissenschaftler der University of Cambridge (Großbritannien) jetzt geschafft. Sie haben die Hautzellen einer 53-jährigen Frau um 30 Jahre verjüngt. Die Forscher glauben, dass sie das Gleiche auch mit anderen Geweben im Körper machen können, was einen beachtlichen Fortschritt in der Altersforschung darstellen würde.

Altersbedingte Krankheiten eliminieren und die Menschen im Alter gesund halten

Bei diesem Wahnsinns-Ergebnis geht es nicht allein um das Äußerliche, um ein „schönes“, verjüngtes Erscheinungsbild: Das Hauptziel der Studie der britischen Wissenschaftler war es, Behandlungsmöglichkeiten für altersbedingte Krankheiten wie Herzkrankheiten, Diabetes und neurologische Störungen zu entwickeln. Gegenüber der BBC erklärte der Leiter des Teams, Prof. Wolf Reik, dass er hoffe, Menschen im Alter länger gesund zu halten: „Wir haben von solchen Dingen geträumt. Viele weit verbreitete Krankheiten verschlimmern sich mit dem Alter, und der Gedanke, den Menschen auf diese Weise zu helfen, ist sehr aufregend.“

Aber: Die in der wissenschaftlichen Zeitschrift „eLife“ veröffentlichte Studie befinde sich noch in einem sehr frühen Stadium, so Reik. Auch wenn es noch einige wissenschaftliche Fragen zu klären gibt, sei dies jedoch schon ein entscheidender Schritt, um zum ersten Mal zu zeigen, dass es rein theoretisch möglich ist, Zellen zu verjüngen. Er spricht von einem „richtigen Schritt in die richtige Richtung.“ Die Technologie baut dabei auf den Techniken auf, die man vor mehr als 25 Jahren für das Klonschaf Dolly genutzt hat.

Vorbild der Methode: Klonschaf Dolly aus den 1990er-Jahren

Das Klonschaf Dolly zeigt im Roslin-Institut bei Edinburgh seine Zähne (Archivfoto vom 04.01.2002). Sieben Monate lang lebte die berühmteste Schafdame der Weltgeschichte ein ganz normales Leben. Dann wurde Dolly im Februar 1997 der Öffentlic
Klonschaf Dolly ist Vorbild der Methode.
dpa, A0200 epa PA Curtis

In den 1990er-Jahren haben Forscher am Roslin Institute in Schottland erwachsene Brustdrüsenzellen eines Schafes in einen Embyro verwandelt – die Geburtsstunde von Klonschaf Dolly. Vereinfacht wurde diese Technik 2006 von einem japanischen Professor: Bei dieser neuen IPS-Methode wurden erwachsenen Zellen rund 50 Tage lang Chemikalien zugesetzt, was zu genetischen Veränderungen führte: Aus den erwachsenen Zellen wurden letztendlich Stammzellen.

Diese IPS-Technik war es, die jetzt bei einer 53-Jährigen zum Einsatz gekommen ist. Das chemische Bad wurde allerdings keine 50 Tage, sondern nur 12 Tage lang zugesetzt. Dr. Dilgeet Gill, ein beteiligter Forscher, stellte daraufhin erstaunt fest, dass sich die Zellen dabei jedoch nicht in embryonale Stammzellen verwandelt hatten – sondern sie hatten sich zu Hautzellen verjüngt. Sie sahen aus und verhielten sich so, als stammten sie tatsächlich von einer 23-Jährigen.

Lese-Tipp: Israelischen Wissenschaftlern gelingt Verjüngung von Blutzellen

Die IPS-Technik erhöht aber auch das Risiko von Krebserkrankungen, weswegen Prof. Reik und sein Team eine alternative, sichere Methode finden wollen. Doch man ist zuversichtlich: „Langfristiges Ziel ist es, die menschliche Gesundheit und nicht die Lebensspanne zu verlängern, damit die Menschen auf gesündere Weise älter werden können", sagte er. Erste Anwendungen könnten darin bestehen, die Haut älterer Menschen an bestimmten Körperstellen zu verjüngen, an denen sie sich beispielsweise mal verbrannt haben. So soll die Heilung beschleunigt werden.

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler überprüfen, ob die Technologie auch bei anderen Geweben wie Muskel-, Leber- und Blutzellen funktioniert.

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Ist die Verjüngungsmethode ein "Elixier der Jugend"?

Kann man also in gewisser Weise von einem „Elixier der Jugend“ sprechen? Prof. Reik hält diese Idee nicht für ganz so abwegig: „Die Technik wurde bei genetisch veränderten Mäusen angewandt und es gibt einige Anzeichen für eine Verjüngung. In einer Studie wurden Anzeichen für eine verjüngte Bauchspeicheldrüse festgestellt, was im Hinblick auf die mögliche Bekämpfung von Diabetes interessant ist.“

Doch es gibt auch Skeptiker: Prof. Robin Lovell-Badge vom Crick Institute in London sieht, so die BBC, wissenschaftliche Hürden zwischen den Ergebnissen im Labor und selbst den einfachsten klinischen Anwendungen. Es sei zum Beispiel gut möglich, dass andere Zelltypen, wie zum Beispiel Blutzellen, andere Bedingungen benötigen, die möglicherweise schwer zu kontrollieren sind. „Und ob man es mit dem ganzen Körper sicher machen könnte, ist noch so weit entfernt, dass es reine Spekulation wäre."

Bleibt also abzuwarten, wie es weitergeht. Denn auch wenn es ein absoluter Durchbruch wäre: Das Ganze soll natürlich sicher sein. (vdü)