Chinesische Forscher klonen erstmals Affen - sie sollen in Tierversuchen eingesetzt werden

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25. Januar 2018 - 10:16 Uhr

Zhong Zhong und Hua Hua überlebten nur die ersten Wochen

Rund 22 Jahre nach der Geburt des Klonschafs Dolly haben chinesische Forscher von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai erstmals mit derselben Methode Affen geklont. Die zwei Javaneraffen Zhong Zhong und Hua Hua seien lebendig geboren worden und hätten zumindest die ersten Wochen überlebt, berichtet das Team im Fachmagazin 'Cell'. Die geklonten Tiere sollen langfristig gesehen in Tierversuchen eingesetzt werden. Aber ist das wirklich besser, als normal gezüchtete Affen zu verwenden? Schließlich haben auch geklonte Tiere ein zentrales Nervensystem, empfinden Angst und Schmerz. Darüber streiten im Moment Forscher, Ethiker, Tierschützer und Theologen.

Bereiten die Chinesen das Klonen des ersten Menschen vor?

Die Äffchen, es sind Langschwanzmakaken, auch Javaneraffen genannt, heißen Zhong Zhong und Hua Hua. Zhonghua heißt in etwa "chinesische Nation" und das unterstreicht den Stellenwert dieses Projekts. Die Chinesen experimentieren stark und nun ist es erstmals gelungen, Primaten zu klonen. Der Schritt zum Menschen ist also nicht mehr weit. Außerdem gibt es in China nicht wie in Deutschland oder der Schweiz Klonverbote. "Es gehe hier ums Prestige", erklärt der Theologe Peter Dabrock von der Uni Erlangen, der auch Vorsitzender des Deutschen Ethikrats ist. Er habe den Eindruck, dass in China "eine umfängliche Strategie gefahren wird, die genetischen Grundlagen menschlichen Lebens zu bearbeiten", erklärt der Ethiker.

Mit der nun angewandten Methode lassen sich theoretisch viele genetisch gleiche Tiere erzeugen. Die Chinesen argumentieren, durch das gleiche Erbgut würden insgesamt weniger Tiere benötigt, da man die Verfahren standardisieren könne. Doch das ist noch ein weiter Weg, denn die Erfolgsquote beim Klonen ist noch sehr niedrig. Und es ist auch nicht klar, wie alt die Tiere werden und wie belastbar sie sind.

Von knapp 200 aus dem Erbgut erwachsener Affen gewonnenen Embryonen kam es bei 42 Leihmuttertieren, denen die Forscher die Zellen einsetzten, zu zwei Lebendgeburten, doch starben diese Affenbabys wenige Stunden später. Mehr Erfolg hatten die Forscher bei gut 100 Embryonen, die auf dem Erbgut von Affen-Föten beruhten. In dieser Gruppe kam es bei 21 Leihmüttern zu sechs Schwangerschaften. Zwei Jungtiere kamen lebendig zur Welt und überlebten mindestens die ersten 40 sowie 50 Tage, dann schrieben die Forscher den Fachartikel.

Tierversuche sind eine moralische Abwägung

Für die Erforschung neuer Therapien etwa gegen einige neurologische Krankheiten sei die Klon-Technik vielversprechend, meinte Eckhard Wolf vom Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Mit der Methodik sei es möglich, mehrere genetisch identische Versuchstiere zu untersuchen, was etwa für die Entwicklung neuer Arzneimittel hilfreich sein könne. Womöglich könne auch durch die Vereinheitlichung der Krankheitsbilder die Zahl der Versuchstiere verringert werden.

Wie bei jedem Tierversuch stellt sich laut Wolf dabei die Frage, wie groß die Belastung für die Tiere im Vergleich zur Bedeutung der Forschung ist. "Wenn es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, für die man durch solche Versuche berechtigte Hoffnung auf Heilungen haben kann, dann kann es gerechtfertigt sein." Schon der große Aufwand und die geringe Erfolgsquote stellen seiner Einschätzung nach sicher, dass die Klon-Technik nur dann eingesetzt wird, wenn sie dringend erforderlich ist.

Proteste von Tierschützern befürchtet

Dabrock befürchtet, dass die Klonversuche zu erheblichen Protesten von Tierschützern führen könnten. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte befürchtet aufgrund der Ergebnisse "eine Welle" von neuen Affenversuchen. "Denn damit ist es einfacher geworden, standardisierte genetisch veränderte Tiermodelle zu züchten und für die biomedizinische Grundlagenforschung zu missbrauchen", sagte Referentin Carolin Spicher.