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Bushido wollte offenbar unbedingt Kontakt zu Arafat Abou-Chaker - Zeuge Hamudi Wasserkopf besorgte ihn

Abou-Chaker-Prozess in Berlin

Bushido wollte offenbar unbedingt Kontakt zu Arafat - Zeuge Hamudi Wasserkopf besorgte ihn

Bushido und Arafat Abou-Chaker bei der Premiere des Films "Zeiten ändern Dich" im Februar 2010 in Berlin.
Bushido und Arafat Abou-Chaker bei der Premiere des Films "Zeiten ändern Dich" im Februar 2010 in Berlin.
picture alliance

Bushido suchte den Kontakt zu Arafat Abou-Chaker

Damals wollte Rapper Bushido nur eines: weg vom Label „Aggro Berlin“. Doch anstatt sich wirklich unabhängig zu machen, begab sich Anis Ferchichi in die nächste Abhängigkeit. Es entstand eine Allianz, die in Deutschland wohl einmalig ist: Einer der erfolgreichsten Musiker des Landes hatte sich mit einem kriminellen Clan verbündet. Doch um 2004 überhaupt einen Kontakt zu Arafat Abou-Chaker herzustellen, musste Bushido bei einem Bekannten um Hilfe bitten: dem Zeugen des 48. Prozesstages, Hamudi Wasserkopf.

Hamudi Wasserkopf sorgte für den entscheidenden Kontakt

Lange hieß es, Hamudi Wasserkopf sei ein Cousin von Arafat Abou-Chaker. Vor Gericht lautete heute seine Aussage: Nicht verwandt und nicht verschwägert, „Arafat ist ein alter, guter Freund, ich hab’ ihn als Kind kennengelernt. Unsere Eltern kannten sich aus dem Libanon. Ich kenne alle Brüder aus Berlin seit meiner Kindheit.“

Aus anderen Kreisen kannte Hamudi Wasserkopf, der mit bürgerlichem Namen Mohammed Nasrallah heißt, auch den Rapper Bushido: „Ich war aus Schöneberg, hab ihn über Freunde und durch Musik kennengelernt. Wir waren immer [an der] Steinmetz- und Goebenstraße. Da hab’ ich die Chefs [von „Aggro Berlin“] kennengelernt.“ Der Richter wollte wissen, ob er eng mit Bushido befreundet war. „Also eng befreundet eigentlich nicht“, so der Zeuge.

Als Bushido 2004 in seinem Exklusivvertrag mit „Aggro Berlin“ gefangen war und jegliche Versuche, sich vom Label zu trennen, scheiterten, wandte er sich hilfesuchend an Hamudi Wasserkopf: Bushido soll ihn darum gebeten haben, ihn mit dem Clan-Boss bekannt zu machen, damit der seine Probleme löst: „Er kam dann immer wieder zu mir: Hamudi, bitte hilf mir – bitte hilf mir!“

Zeuge im Abou-Chaker-Prozess in Berlin
Der Zeuge soll Bushido den Kontakt zum Abou-Chaker-Clan besorgt haben.
Bereitgestellt

"Aggro Berlin"-Ausstieg nur mit Abou-Chaker-Clan möglich

Wenn Hamudi Wasserkopf heute darüber spricht, merkt man ihm den Ärger an. Seiner Meinung nach hat Bushido ihn nur benutzt, um an Arafat Abou-Chaker ranzukommen und um sich weiter in der Rap-Szene zu behaupten. Dass Rapper wie Fler, Kay-One und vor allem Sido erfolgreicher waren als Bushido, soll er damals nur schwer verkraftet haben: „Er wollte unbedingt da raus, weil er nicht zufrieden war, dass da nur Sido gefördert wird.“

Im späteren Verlauf des Prozesses sagte der Zeuge: „Er ist innerlich zusammengebrochen als Sido Erfolg hatte. Er war nicht damit klargekommen, dass einer besser ist als er. Er wollte immer die Nr.1 sein.“ Mit dem Abou-Chaker-Clan im Rücken sollte der Ausstieg aus den Verträgen mit „Aggro Berlin“ dann endlich klappen.

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Zeuge bekam 1.200 Euro Gehalt

„Bushido hat dann den Lauten gemacht, nach dem Motto: Jetzt bin ich hier mit Hamudi, Arafat und den beiden Jungs (King Ali & sein Bruder, Schöneberger Jungs) und kann auf dick machen. Dann wurde unterschrieben“, so beschreibt Hamudi Wasserkopf den Labelausstieg damals, „Es wurde keiner geschlagen nur so ein bisschen geschubst und so: Pass auf, Mann! und so.“

Obwohl Bushido Hamudi Wasserkopf anschließend eine 50 prozentige Beteiligung versprochen hatte, sah der Vermittler zwei Jahre lang außer einem Gehalt von 1.200 Euro nichts. „Das ist ein Mensch, der alles plant. Erst im Nachhinein hab’ ich gemerkt, dass er nur an Arafat ran wollte.“ Weiter erzählt er: „Als rausgekommen ist, dass die viel mehr verdient haben, als sie mir gesagt haben, war man enttäuscht.“

Fortsetzung Prozess gegen Clan-Chef
Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt unter dem Künstlernamen Bushido, sitzt als Nebenkläger im Prozess gegen den Chef eines bekannten arabischstämmigen Clans und drei seiner Brüder in einem Gerichtssaal.
pdz cul, dpa, Paul Zinken

Hamudi Wasserkopf ist enttäuscht von Bushido

Die Staatsanwältin fragt nach: „Haben Sie wirklich erwartet, dass sie nur für die Vermittlung von Arafat Abou-Chaker fortwährend einen gleich hohen Anteil bekommen?“ Hamudi Wasserkopf bejaht die Frage – sein erstes Gehalt von 1.200 Euro habe er aber erst 2006 bekommen. „Arafat hat gesagt, dass er das gleiche bekommt wie ich. Wenn es besser läuft sollte es mehr werden. Ich wusste, dass ich nicht das Gleiche kriege, sondern nur Krümel. (…) Derjenige, der am wenigsten gekriegt hat, war ich.“

Er erhält bis 2008 monatlich 1200 Euro Lohn von der „Ersguterjunge GmbH“, dann erhebt Bushido Vorwürfe gegen Hamudi Wasserkopf: Er soll hinter seinem Rücken schlecht über den Rapper geredet haben und man trennt sich.

Hamudi Wasserkopf erinnert sich an die Zeit im Jahr 2008: „Ich war enttäuscht. Viele haben versucht, mich aufzuhetzen. Bushido wollte dann mit mir reden und sagen, dass Arafat der Schuldige ist. Ich war so enttäuscht: Jemand der dich so hintergangen hat, für den man so viel getan hat.“ Seit über zehn Jahren hat Hamudi Wasserkopf keinen Kontakt mehr zu Bushido und Arafaf Abou-Chaker: „Ich freu’ mich über das, was jetzt gerade passiert. Es ist mir scheißegal. Ich wollte nie wieder was mit denen zu tun haben. Ich habe Magenprobleme, wegen dem ganzen Stress. Meine Familie weiß nicht mal, dass ich heute hier bin.“

Die Fortsetzung des Prozesses ist am Montag, den 06. September 2021. (vba)