RTL News>Gesundheit>

Bundesweit: Medizin für Kinder fehlt! Apotheken-Chef erklärt - deshalb gibt es den Lieferengpass

„Täglich aufs Neue erschüttert“

Medizin für Kinder fehlt bundesweit! Apotheken-Chef erklärt Grund für Mega-Lieferengpass

Mutter gibt Kind Arznei
Arzneimittel für Kinder sind gerade Mangelware, wie konnte es dazu kommen?
iStockphoto

von Madeline Jäger

„Es ist aktuell teilweise dramatisch, so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Chef des Apothekenverbands Nordrhein e.V. im RTL-Gespräch. Aktuell haben Apotheker in ganz Deutschland mit gravierenden Lieferengpässen zu kämpfen, vor allem Medikamente für Kinder sind knapp! Der Fiebersaft Nurofen ist schwer zu bekommen, generell Säfte mit dem Wirkstoff Ibuprofen, oder Paracetamol und Elektrolytlösung für die Kleinen bei Durchfall – und das ist nur eine kleine Auswahl, wie der Kölner Apotheker im RTL-Gespräch ausführt. Doch woher kommen die extremen Medikamenten-Lieferengpässe momentan? Auch zwei Hersteller äußern sich auf RTL-Anfrage dazu.

Lese-Tipp: Auch Elektrolyte betroffen: Fiebersaft wird knapp! Erste Apotheken schlagen Alarm

Apotheken kämpfen mit extremen Medikamenten-Engpässen: „Arbeit wird immer schwerer“

Der Kölner Apotheker und Chef des Apothekenverbands Nordrhein Thomas Preis bestätigt den Nurofen-Engpass, der Fiebersaft für Kinder sei aktuell Mangelware. Zwar könnten manche Apotheken gerade noch Alternativen zur Verfügung stellen. Doch wenn die verbraucht sind, kann es sehr ernst werden. Dabei sind wir jetzt noch nicht in der typischen Erkältungszeit. Im Winter drohen noch mehr Engpässe bei wichtigen Arzneimitteln, sagt der Experte.

Doch was sind die Gründe für die Lieferengpässe der Hersteller?

„Zum einen kommt der Mangel derzeit aufgrund des stark angestiegenen Infektionsgeschehens, zudem haben die Hersteller und Vorlieferanten oft Personalengpässe, weil viele Mitarbeitenden in der Lieferkette erkrankt sind oder schlicht fehlen. Hinzu kommt, dass wir durch die zahlreichen Lockerungen bei der Bekämpfung von Corona jetzt im Sommer schon eine starke Erkältungs- und Infektionswelle haben. Die Medikamenten-Vorräte der Hersteller und Vorlieferanten sind deshalb schneller aufgebraucht, mit fatalen Folgen für die Versorgung der Patienten. Das ist ein bundesweites Problem. Der erhöhte Medikamenten-Bedarf trifft jetzt schon auf eine seit Jahren instabile Lieferkette bei den Arzneimitteln“, erklärt Thomas Preis.

Lese-Tipp: Unterwegs krank sein? So bereiten Sie sich vor: Sommerzeit ist Urlaubszeit! Das gehört in die Reiseapotheke

„Es fehlen Basis-Medikamente für Kinder – wir Apotheker sind jeden Tag aufs Neue erschüttert“

Die Urlaubszeit und der generell hohe Krankenstand würden den Medikamenten-Engpass ebenfalls befeuern. Selbst die Durchfall-Medikamente „Elotrans“ und „Oralpädon", die Kindern häufig verabreicht werden, seien fast nicht mehr zu bekommen. Denn die Arznei gehöre auch zur Reise-Apotheke vieler Urlauber und sei insgesamt Mangelware. Vorbestellungen von Nasensprays für Kinder seien von einem großen Hersteller zum Winter bereits storniert worden. Es sei ein Vabanquespiel, ob andere Hersteller das wieder auffangen können.

„Unsere Arbeit wird durch die anhaltenden Lieferengpässe immer schwerer. Wir müssen bei fast jedem zweiten und dritten Rezept auf ein anderes Medikament ausweichen. Es fehlen Basis-Medikamente für Kinder. Das ist momentan der Gipfel des Problems. Wir Apotheker sind jeden Tag aufs Neue erschüttert, welches Ausmaß die Lieferprobleme annehmen“, schildert Preis.

Dabei sei jetzt erst der Sommer, wo die Nachfrage erfahrungsgemäß noch niedrig ist.

Lese-Tipp: "Sehen Engpässe": Corona-Sommerwelle: Ärzteverband mit deutlicher Warnung – Lage in Kliniken gibt zu denken

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Ihre Erfahrung ist gefragt: Haben Sie den Lieferengpass schon zu spüren bekommen?

„Nurofen“-Hersteller: „Entwicklung der Nachfrage nur schwer vorauszusehen“

Auch „Nurofen“-Hersteller „Reckitt“ äußert sich auf RTL-Anfrage zum Lieferengpass.

„Generell ist die Entwicklung der Nachfrage nach Nurofen Fieber- und Schmerzsäfte derzeit nur schwer vorauszusehen und es kann in Ausnahmefällen zu kurzen, punktuellen Lieferverzögerungen und -engpässen kommen. Nurofen ist zuversichtlich, die Nachfrage der Kundinnen und Kunden, Verbraucherinnen und Verbrauchern und Patienten trotz dieser kurzzeitigen Einschränkungen weiterhin zur vollen Zufriedenheit zu bedienen. Eine gute Alternative zu Säften stellen die Nurofen Zäpfchen für Kinder und für Kinder ab 6 Jahren die Nurofen Schmelztabletten dar“, führt eine Sprecherin des Pharmaunternehmens aus.

Lese-Tipp: Viren und Bakterien vom Leib halten: Mit diesen 3 Tricks bleiben Sie gesund, wenn Ihr Kind krank ist

Engpass auch bei „ratiopharm“: „Aufträge zu NasenSpray-ratiopharm Kinder können nicht bedient werden“

Der Lieferengpass bei Medikamenten für Kinder zeigt sich auch beim pharmazeutischen Konzern Teva, der das Zuhause von Deutschlands bekannter Arzneimittelmarke „ratiopharm“ ist.

„Wir haben aktuell Lieferengpässe, die auf einen unerwarteten und stark erhöhten Bedarf im Markt zurückzuführen sind. Zudem verstärken Lieferverzögerungen unserer Wirkstoff-Hersteller diese Entwicklung. Aufgrund dessen können Aufträge zu NasenSpray-ratiopharm Kinder nicht bedient werden“, erklärt eine Teva-Sprecherin. Noch sei jedoch unklar, wann sich die Situation wieder verbessern wird.

Lese-Tipp: Atemwegsinfekte werden nachgeholt: Experten warnen: Immer mehr Kinder aktuell krank - was Kinderärzte jetzt raten

„Wir bedauern die aktuelle Lage und obwohl wir mit aller Kraft daran arbeiten, den Lieferengpass zu beheben, haben wir derzeit leider keine Lagerbestände verfügbar. Unsere Produktion läuft auf Hochtouren, um defekte Produkte so schnell wie möglich wieder liefern zu können“, so die Sprecherin abschließend.