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Bundespflegebeauftragte reagiert auf "Team Wallraff"-Enthüllungen in Pflegeheimen: "Das ist kollektives Versagen!"

Bundespflegebeauftragte reagiert auf "Team Wallraff"-Enthüllungen

Missstände in Pflegeheimen: "Das ist eine vermeidbare Tragödie und ein kollektives Versagen"

Claudia Moll (SPD) im Bundestag
Claudia Moll (SPD) reagiert auf Missstände in der Pflege.
deutsche presse agentur

Vom fortgeschrittenen Dekubitus über fehlende Pflegematerialien bis hin zu einem schroffen Umgangston . Die Reporter von „Team Wallraff“ waren in privaten Pflegeheimen unterwegs und haben teils schockierende Missstände aufgedeckt. Die Pflegebeauftragte der Bundesregierung sieht darin ein „kollektives Versagen“ – aber was muss jetzt politisch passieren?

Umgehen Betreiber die Vorschriften?

Das „Team Wallraff“ war für die am Donnerstag ausgestrahlte Sendung in vier privatwirtschaftlich geführten Pflegeeinrichtungen undercover und hat dabei zahlreiche Missstände dokumentieren können. Die Seniorenheime werden von den privaten Trägern „Sereni Orizzonti“, „Alloheim“ und „Flora Marzina“ geführt. In den Einrichtungen stießen sie teils auf schwere Missstände, angefangen von schlechten baulichen Zuständen über knappe Pflegematerialien bis hin zu möglicherweise begangenen Pflegefehlern.

Claudia Moll, Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, äußert sich in einem schriftlichen Statement RTL gegenüber zu den Erkenntnissen von „Team Wallraff“. "Wenn so etwas vorkommt, dann ist es eine absolut vermeidbare Tragödie und ein kollektives Versagen des Einrichtungsbetreibers, der Kontrollbehörden und auch der dort arbeitenden Pflegekräfte“, so die Pflegebeauftragte. „Genügend Vorschriften zur Qualitätssicherung, zur Kontrolle und zu Sanktionen bei Pflegemängeln“ gebe es nach ihrer Auffassung, jedoch fänden Betreiber dennoch Möglichkeiten, diese zu umgehen. „Dazu gehört für mich definitiv kriminelle Energie“, fügt die Gesundheitspolitikerin hinzu. Moll will jetzt reagieren, indem sie mit anderen Ländern das Gespräch suche, um mögliche Lösungswege zu finden.

"Schauen Sie nicht weg!"

Damit sich etwas ändert, braucht es laut Moll einen bundesweit verbindlichen Personalschlüssel. Damit vermeide man nicht nur die Überlastung der Pflegekräfte, sondern könne Missstände auch schneller aufdecken. Das hätten ihr die Fälle aus der „Team Wallraff“-Reportage gezeigt.

Die SPD-Politikerin betont, dass es jetzt besonders wichtig sei, dieses „unnötige Leid“ zu vermeiden, ohne alle Einrichtungen und Pflegekräfte unter einen „Generalverdacht zu stellen“. Dafür sei es besonders wichtig, für mehr Transparenz zu sorgen. Ihr Appell an alle Besucher, Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen ist: „Schauen Sie nicht weg, wenn Ihnen Missstände oder Fehlverhalten auffallen.“ (jbr)

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