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Brasilien: 11-Jähriger von Richterin Abtreibung verboten - sie wurde vergewaltigt

Kind sollte sich schon mal einen Namen fürs Baby überlegen

Brasilien: Richterin verbietet vergewaltigtem Mädchen (11) die Abtreibung

Kindesmissbrauch
Eine Elfjährige in Brasilien wurde durch eine Vergewaltigung schwanger und durfte dann wochenlang nicht abtreiben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild
deutsche presse agentur

Eine Richterin in Brasilien hat einer schwangeren Elfjährigen eine Abtreibung verweigert. Das Kind wurde Anfang des Jahres vergewaltigt und dabei schwanger, wie das Nachrichtenportal „G1“ berichtet. Bei einer Anhörung fragte die Richterin Joana Ribeiro Zimmer das Mädchen, ob es ertragen könnte noch ein bisschen länger schwanger zu sein. Sie wollte offenbar die Chancen erhöhen, dass das bei der Vergewaltigung gezeugte Kind lebend zur Welt kommen könnte.

Richterin wollte, dass Elfjährige das Baby zur Welt bringt

Der Fall wurde Anfang der Woche in einem Bericht des „Portal Catarinas“ und „The Incept“ aufgedeckt. Sie berichten, dass die Elfjährige aus dem südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina mit ihrer Mutter sofort in eine Klinik gefahren sei, nachdem sie die Schwangerschaft entdeckt hatten. In dem Krankenhaus hätten die Ärzte aber festgestellt, dass das Kind schon in der 22. Schwangerschaftswoche war. Sie weigerten sich darum, den von Mutter und Kind gewünschten Abbruch durchzuführen. In der Klinik werden Abtreibungen grundsätzlich nur bis zur 20. Schwangerschaftswoche vorgenommen.

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Das brasilianische Gesundheitsministerium empfiehlt laut dem Bericht zwar, dass Abtreibungen spätestens zwischen der 20. und 22. Woche durchgeführt werden. Bei Opfern sexueller Gewalt gibt es aber eigentlich kein Zeitlimit. Sie dürfen ihre ungewollte Schwangerschaft auch danach noch beenden. Trotzdem sei der Fall der Elfjährigen aus Santa Catarina im Mai vor einem Gericht gelandet – und die Richterin versuchte offenbar alles, um das Kind zu nötigen, das Baby auszutragen.

Richterin nahm schwangeres Mädchen in Obhut, um Abtreibung zu verhindern

Ribeiro Zimmer erlaubte der Mutter des Mädchens nicht, ihre Tochter in eine andere Klinik zu bringen, die auch späte Schwangerschaftsabbrüche durchführt, sondern ordnete an, dass das Kind in staatliche Obhut kommen sollte. Sie gab an, dass das zum Schutz der Elfjährigen passieren sollte – angeblich um sie vor weiteren sexuellen Übergriffen zu schützen. Brasilianischen Medien zufolge besteht der Verdacht, dass das Kind zuhause vergewaltigt wurde.

Doch die Richterin ging noch weiter. In der Anhörung soll sie eine Abtreibung als „Mord“ bezeichnet haben, der verhindert werden müsse. Laut der argentinischen Nachrichtenagentur Telam soll sie die Elfjährige ermuntert haben, sich schon mal einen Namen für das Baby zu überlegen.

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Brasilien: Richterin vergleicht Abtreibung mit Mord

Der Mutter des schwangeren Mädchens soll die Richterin gesagt haben: „Die Sorgen von Ihnen und Ihrer Tochter heute, sind freudige Nachrichten für ein anderes Paar.“ Es gäbe genug bereitwillige Adoptiveltern im ganzen Land, die das Baby aufnehmen würden. Laut „The Incept“ soll die Mutter daraufhin geantwortet haben: „Es sind nur freudige Nachrichten, weil sie nicht durchmachen müssen, war ich gerade erlebe.“

Laut „G1“ soll die Ribeiro Zimmer in ihrer Urteilsbegründung auch geschrieben haben, dass alle medizinischen Untersuchungen bei der Elfjährigen unauffällig gewesen seien. Bei keiner davon sei eine gesundheitliche Gefahr für das Kind festgestellt worden. Sie wollte das Mädchen darum offenbar dazu zwingen, das Baby zu gebären. Sie kam nach der Anhörung in ein Heim um blieb weiter schwanger.

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Elfjährige durfte inzwischen doch noch abtreiben

Nachdem der Fall öffentlich geworden war und auch viele internationale Medien über das umstrittene Urteil berichtet hatten, wuchs der Druck auf die brasilianischen Behörden. Das Mädchen – inzwischen in der 29. Woche schwanger – durfte schließlich wieder nach Hause zu seiner Mutter und dann doch noch in eine Klinik, um die Schwangerschaft zu beenden.

Das zuständige Ministerium teilte mit, dass der Abbruch am 22. Juni durchgeführt wurde. Weitere Details wurden zum Schutz der Privatsphäre des minderjährigen Vergewaltigungsopfers nicht mitgeteilt. Der Nationale Justizrat kündigte an, das Verhalten der Richterin zu untersuchen.

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Hier finden Opfer von Gewalt Hilfe

Laut dem brasilianischen Jahrbuch für öffentliche Sicherheit wird in Brasilien alle 15 Minuten ein Mädchen unter 13 Jahren vergewaltigt. Meistens ist der Täter ein Verwandter des Opfers. Wo Opfer von Gewalt – oder Vertraute, die einen entsprechenden Verdacht haben – in Deutschland Hilfe finden, lesen Sie hier. (jgr)