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Brasilien: 10-Jährige von Onkel vergewaltigt - wütende Abtreibungsgegner demonstrieren

Vom Onkel geschwängert

Brasilien: Abtreibungsgegner wüten gegen vergewaltigtes Mädchen (10)

Proteste Abtreibung
In Brasilien gibt es Proteste, weil eine Zehnjährige nach einer Vergewaltigung abgetrieben hat. (Foto: Motivbild)
FLL, AP, Fernando Llano

Name und Daten des Mädchens aus Brasilien gerieten an die Öffentlichkeit

Laut dem brasilianischen Jahrbuch für öffentliche Sicherheit wird in Brasilien alle 15 Minuten ein Mädchen unter 13 vergewaltigt – die meisten Täter sind Verwandte. Eins der Opfer, das nun ungewollt in der Öffentlichkeit steht, ist eine Zehnjährige aus dem Bundesstaat Espírito Santo. Das Mädchen wurde von seinem Onkel vergewaltigt und schwanger. In einem Krankenhaus wurde eine legale Abtreibung durchgeführt. Doch dann passierte etwas, was niemals hätte passieren dürfen: Die Daten des Vergewaltigungsopfers gerieten an die Öffentlichkeit.

Abtreibungsgegner und Politiker demonstrierten vor dem Krankenhaus

Nach dem brasilianischem Gesetz ist eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung erlaubt und auch, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Normalerweise werden solche Fälle in den Krankenhäusern vertraulich behandelt und nicht öffentlich gemacht, um die Frauen und Mädchen genau vor dem zu schützen, was die Zehnjährige nun über sich ergehen lassen muss.

Vor dem Krankenhaus, in dem sie behandelt wird, versammelte sich wütende Abtreibungsgegner und konservative Politiker, die den Abtreibungsarzt als „Mörder“ beschimpften. Die Frauen- und Familienministerin Damares Alves bedauerte auf Facebook die Entscheidung der Justiz, die dem Mädchen das Recht zugestanden hatte, die Schwangerschaft abzubrechen. Und die rechte Aktivistin Sara Winter veröffentlichte sogar den Namen der zehnjährigen und den des Krankenhauses. Jetzt weiß nicht nur das ganze Land, dass das Mädchen von seinem Onkel vergewaltigt wurde, sondern auch, dass es abgetrieben hat.

Abtreibung
Das Mädchen wollte eine Abtreibung, nachdem es von seinem Onkel vergewaltigt worden war.

Zehnjährige musste viel durchmachen, bevor sie überhaupt abtreiben durfte

Die Schwangerschaft fiel auf, weil das Mädchen wegen Bauchschmerzen in ärztliche Behandlung kam. Sie erzählte daraufhin, dass ihr 33 Jahre alter Onkel sie seit ihrem sechsten Lebensjahr regelmäßig vergewaltigt hatte. Einer der Gutachter, der das Kind untersuchte, erzählte laut dem Nachrichtenportal „G1“, dass das Kind einen Teddy an seine Brust presste und anfing, zu schreien und zu weinen, wenn das Gespräch auf die Schwangerschaft kam. Das Mädchen habe mehrfach gesagt, dass sie das Baby nicht bekommen wolle.

Die Behörden in Espírito Santo erlaubten daraufhin die Abtreibung bei dem Mädchen. Es kam am 15. August zuerst in ein Krankenhaus in der Stadt Vitória, das den Eingriff aber ablehnte, weil die Schwangerschaft schon zu weit fortgeschritten war. Man könne dort technisch nur Abtreibungen bis zur 22 Woche vornehmen und wenn der Fötus nicht schwerer als 500 Gramm sei, berichtete „G1“. Darum wurde die schwangere Zehnjährige in eine Spezialklinik in Pernambuco verlegt, die den Schwangerschaftsabbruch am 17. August vornahmen. Sie war bereits 22 Wochen und vier Tage schwanger und das Baby wog 537 Gramm.

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Der mutmaßliche Vergewaltiger ist noch auf der Flucht

Die Justiz des Bundesstaates Espírito Santo Soziale Netzwerke dazu auf, Veröffentlichungen mit Informationen über das Mädchen zu löschen. Die Behörden ermitteln auch, wie die sensiblen medizinischen und persönlichen Daten des Mädchens an die Öffentlichkeit gelangen konnten. Laut dem „G1“ lässt die Staatsanwaltschaft außerdem untersuchen, ob die Großmutter des Mädchens im Vorfeld von Aktivisten unter Druck gesetzt wurde, die Abtreibung nicht durchführen zu lassen. Gegen den Onkel der Zehnjährigen wurde Haftbefehl angeordnet. Er ist aber noch auf der Flucht.