Hausärzte schlagen Alarm

Wegen Boosterimpfungen: "Ansturm ist kaum noch zu bewältigen“

25. November 2021 - 17:40 Uhr

Dritt-Impfungen sorgen für großen Andrang

Die Booster-Impfungen in Hessen bringen die Hausärzte ans Limit. Menschen, deren Zweitimpfung länger als sechs Monate zurückliegt, können sich nun die dritte Impfung abholen. Der Ansturm ist vielerorts groß, auch in Marburg in der Praxis von Ulrike Kretschmann bildeten sich bereits lange Schlangen. RTL besuchte die Praxis von Dr. Ulrike Kretschmann. Mehr dazu im Video.

Erschöpfung und Arbeit unter Stress

Booster-Impfung in Arztpraxis: Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Coronavirus - Impfung beim Hausarzt
© dpa, Oliver Berg, obe tba

Die vierte Welle hat die Arztpraxen voll erfasst – alle bekommen es zu spüren: die Ärzte, die Mitarbeiter in den Praxen und die Patienten. Das Telefon in der Arztpraxis von Dr. Ulrike Kretschmann ist rund um die Uhr belegt. Es gibt kein Durchkommen für einen Termin. Für vieles ist keine Zeit mehr. Das Tagesgeschäft leide stark. Mehr als 300 Impfungen kann sie aktuell pro Woche anbieten. Nächste Woche will sie auf 500 aufstocken - dann ist Schluss. Mehr geht einfach nicht. Schon jetzt heißt es für den wichtigen Piks erst einmal: Warten.

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Große Belastung bis ins nächste Jahr hinein

Die Hausärzte in Hessen blicken mit größter Sorge auf die kommenden Wochen rund um das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel. "Die aktuelle Belastung ist bei Ärzten und Mitarbeitern so groß, dass sich das auf lange Sicht nicht durchhalten lässt", sagt Christian Sommerbrodt, Mitglied des Vorstands des hessischen Landesverbandes der Hausärzte, gegenüber der Deutschen Presseagentur. Erst- und Zweitimpfungen machen nach seiner Beobachtung nur einen geringen Anteil aus. Die meisten Menschen kämen zum Boostern.

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Booster-Chaos: Hat die Politik versagt?

Ende September haben die meisten Impfzentren geschlossen - an eine vierte, so heftige Corona-Welle schien da kaum ein Politiker gedacht zu haben. RTL spricht mit Kai Klose (B'90/Grüne), Sozialminister in Hessen: "Wir haben ja im Sommer über viele Wochen kaum noch eine Nachfrage nach dem Impfen gehabt. Und Impfen ist noch freiwillig in Deutschland und deshalb waren die großen Kapazitäten, die geschaffen waren, gar nicht mehr notwendig."

Heute liegt die 7-Tage-Inzidenz in Hessen bei 258. Tendenz steigend.

Gemeinsam mit den Impfzentren, die die Städte und Kreise langsam wieder in Betrieb nehmen, sollen so bis zu 400.000 Impfungen pro Woche möglich sein. Die hessische Impfallianz verkündete zudem heute, auch die Betriebs- und Kinderärzte stärker einbinden zu wollen. Noch müssen aber vor allem Hausärzte wie Ulrike Kretschmann ran. (sel)

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