Nach dem Mord an vier behinderten Menschen

Bewegende Trauerfeier in Potsdam: Vier weiße Rollstühle erinnern an die Toten

Gedenkgottesdienst für die getöteten Bewohner des Oberlinhauses.
Gedenkgottesdienst für die getöteten Bewohner des Oberlinhauses.
© dpa, Soeren Stache, soe htf

06. Mai 2021 - 21:54 Uhr

Bewegender Abschied in Potsdam

Mit einem Gottesdienst hat Potsdam der vier toten Opfer der Gewalttat in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen gedacht. Vier weiße Rollstühle standen auf der Empore vor dem Altar der Nikolaikirche in der Innenstadt, stellvertretend für die getöteten Männer und Frauen im Alter zwischen 31 und 56 Jahren.

Nach Mord in Berhinderteneinrichtung: "Diese Tat hat alles verändert"

 Potsdam: Blumen, Kerzen und Plakate liegen vor dem Eingang zur Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus. In der Einrichtung mit einem Wohnheim waren am 28.04.2021 vier Leichen und eine schwer verletzte Person gefunden worden
Blumen, Kerzen und Plakate liegen vor dem Eingang zur Einrichtung des diakonischen Anbieters Oberlinhaus. In der Einrichtung mit einem Wohnheim waren am 28.04.2021 vier Leichen und eine schwer verletzte Person gefunden worden.
© dpa, Soeren Stache, soe fdt

Mehr als 100 Angehörige der Opfer, Bewohner des Thusnelda-von-Saldern-Hauses und Potsdamer Bürger waren zu der Gedenkfeier der Stadt und der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus gekommen. Sichtlich bewegt zeigte sich die Bereichsleiterin Wohnen des Oberlinhauses, Tina Mäueler. "Ich fühle mich furchtbar, traurig, ich bin wütend und verstehe das alles nicht", bekannte sie. "Diese Tat hat alles verändert - aber wird sie uns Oberliner zerstören? - Nein!"

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich erschüttert. "Was geschehen ist, macht uns bestürzt und ratlos. Seitdem ist nichts mehr wie es war", sagte Woidke. "Wir sind zutiefst erschüttert, weil es die Schwächsten waren, die besonders Hilfsbedürftigen, Menschen, die unsere Hilfe brauchen, die hier zu Opfern geworden sind".

"Potsdam hat eine Mordtat erlebt, für die es in der jüngeren Stadtgeschichte nichts Vergleichbares gibt", sagte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Er wandte sich mit seiner Anteilnahme an die Angehörigen der Opfer, aber auch an die Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung: "Machen wir deutlich, dass wir alle beieinanderstehen, dass Potsdam in diesen schweren Stunden zusammensteht und zusammenhält", sagte Schubert.

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Gedenkgottesdienst für die getöteten Bewohner des Oberlinhauses.
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Glockenleuten zum Gedenken

Auch der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, betonte das Miteinander. Dies müsse nicht nur in der Familie und im Freundeskreis, sondern als ein gesellschaftliches, gleichberechtigtes Miteinander aller Menschen mit und ohne Behinderungen gelten, mahnte Dusel: "Wir müssen doch konstatieren, dass wir von einer Gesellschaft, an der alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können, doch noch entfernt sind". Nach dem Gedenkgottesdienst läuteten die Glocken aller Potsdamer Kirchen zum Gedenken an die Opfer etwa zehn Minuten lang.

In dem Wohnheim waren am Mittwoch vergangener Woche die vier Bewohner getötet und eine Bewohnerin schwer verletzt worden. Tatverdächtig ist laut Staatsanwaltschaft und Polizei eine mittlerweile 52-jährige Pflegekraft. Sie ist inzwischen in einer psychiatrischen Klinik untergebracht und soll auf ihre Schuldfähigkeit untersucht werden.

dpa / SBL

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