Sie hätte für ihre neue Liebe alles gegeben

Der Betrug mit der Liebe: Wie Jana John 20.000 Euro verlor

Der Betrug mit der Liebe: Wie Jana John 20.000 Euro verlor Sie hätte für ihre neue Liebe alles gegeben
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Sie hätte für ihre neue Liebe alles gegeben
Der Betrug mit der Liebe: Wie Jana John 20.000 Euro verlor

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von Thomas Jell, Chiara Noculak und Jule Jänsch

Die Hamburgerin Jana John glaubte in „James“ die große Liebe gefunden zu haben. Sie chatteten wochenlang und für sie war klar: Sie werden den Rest des Lebens zusammen verbringen. Doch „James“ suchte nicht die Liebe, sondern das große Geld – denn er ist Lovescamer. Wie Jana John heute darüber denkt, sehen Sie im Video.

Nach großen Liebensbekundungen folgt die Bitte nach Geld

Jana John und „James“ lernen sich auf einer Onlinedating-Plattform kennen. Der vermeintliche griechische Kapitän und sie schreiben wochenlang, bis die 46-Jährige Gefühle für ihn entwickelt. Im Gespräch mit RTL beschreibt sie ihn als sehr zugänglich, vertrauensvoll und mit echtem Interesse an ihren Kindern. „Das ist eigentlich auch das, was ich der Person am übelsten nehme, dass er das so vorgeheuchelt hat", so die Grundschullehrerin.

Dann folgt die erste Bitte um Geld. „James“ erzählt Jana John, dass sein Frachter von einem Sturm beschädigt worden sei. Sie glaubt ihm und überweist über 3.000 Euro. Doch auch danach bittet er die 46-Jährige immer wieder um finanzielle Hilfe – mal sind es fehlende Lebensmittel, mal dringende Medikamente. Am Ende habe sie insgesamt etwa 20.000 Euro verloren und sei dafür sogar ins Dispo gegangen.

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Ein Zufall deckt den Betrug auf

Nicht lange wartete die nächste und auch letzte Bitte des Lovescamers: Die Beantragung einer Kreditkarte. Mit der sollte Jana John iTunes-Karten im Wert von 500 Euro kaufen. Doch glücklicherweise sperrt das Kreditkarteninstitut frühzeitig die Karte. Die zweifache Mutter kommt in Kontakt mit der Sicherheitsabteilung, die sie auf ähnliche Fälle aufmerksam macht. Die verliebte Frau merkt endlich: „Irgendetwas stimmt hier nicht“. Was für Jana John als schöne Liebesgeschichte begann, entpuppte sich als Betrug.

Um ihr Schicksal zu verarbeiten und sich mit anderen auszutauschen ist Jana John mittlerweile Teil eines Love Scamming-Forums im Internet. In solchen Foren finden Betroffene ein offenes Ohr, können ihre Sorgen teilen oder bekommen Hilfe. Oft sind sie die erste Anlaufstelle, um herauszufinden, ob es sich bei dem Geliebten um einen Scammer handelt oder um einen echten Menschen.

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Doch wer ist der Mann auf den Bildern?

Simon folgen 240 Tausend Menschen auf Instagram. Seine Bilder werden von Liebesbetrügern benutzt.
Simon folgen 240 Tausend Menschen auf Instagram. Seine Bilder werden von Liebesbetrügern benutzt.
instagram/ultimate.simon

Die Bilder, in die sich Jana John verliebt hat, zeigen eigentlich Simon – einen Gesamtschullehrer aus Köln. Seinem Profil auf Instagram folgen über 240 Tausend Menschen. Dass Simons Fotos häufig für falsche Profile genutzt werden, sei ihm bekannt. Doch welche Ausmaße das haben kann, habe er nicht gewusst: „Das, was ich mitbekomme, ist ja nur ein Bruchteil von dem, was passiert. Man weiß nie, in welchen Kontexten die Bilder verschickt werden, aber dass da so in die Privatsphäre eingedrungen wird, finde ich schon sehr schwierig“, so der Kölner gegenüber RTL. Er wünscht sich in Zukunft schärfere Kontrollen von sozialen Medien bei der Erstellung solcher Profile.

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Polizei über Liebesbetrug: Allein in Hamburg über 170 Fälle in 2021

Schicksale wie das von Jana John sind kein Einzelfall. Allein in Hamburg hat die Polizei im Jahr 2021 rund 170 Fälle bearbeitet, wie die Polizei auf Anfrage von RTL bestätigt. Die Strafverfolgung sei allerdings sehr schwierig, weil die Täter oft im Ausland sitzen und in gut organisierten Banden arbeiten. Die Polizei rät trotzdem dazu, die Chatverläufe zu speichern und Anzeige zu erstatten. Dies sei besonders wichtig, wenn Banken involviert sind, die wegen gefälschter Checks gegen die Opfer vorgehen wollen.

Gerade während der Corona-Pandemie seien viele Frauen auf die „Romance Scammer“ reingefallen. Die Opfer werden mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft, um sie emotional abhängig zu machen. In vermeintlichen Notsituationen ziehen die Scammer ihnen dann das Geld aus der Tasche. Manche verlieren alles, verschulden sich, um ihrer großen Liebe zu helfen. Die Opferzahlen und Schadenssummen haben sich in den letzten Jahren deutlich vermehrt – der Trend ist weiter steigend.