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Bestatter erklärt, warum Kinder auf den Friedhof sollten

Um den Tod kommen wir nicht drumherum:

Bestatter erklärt, warum Kinder auf den Friedhof sollten

Eric Wrede hilft Kindern  mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen
Bestatter Eric Wrede ist überzeugt davon, dass Eltern ihre Kinder mit dem Tod konfrontieren sollten.
Lebensnah Bestattungen

Von Remzi Karga

Oft sind Erwachsene verunsichert, wenn es darum geht, Kindern den Tod zu erklären. Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch, meint Ex-Musikmanager Eric Wrede, der inzwischen als Bestatter und Trauerbegleiter arbeitet. Als Mitbegründer der Organisation „Kindertrauer Berlin“, hilft er Kindern, den Tod zu verstehen.

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Auch Kinder spüren den Tod eines Menschen

Kindergrabstätte
Auch Kinder trauen, erzählt Eric Wrede im RTL-Interview
dpa, Frank Rumpenhorst

Um den Tod kommen wir nicht drumherum. Niemand. Auch Kinder nicht. Auch sie spüren den Verlust eines geliebten Menschen mit voller Wucht. Der Tod ist ein unbequemes und sensibles Thema, mit dem sich viele Eltern konfrontiert sehen. Häufig flüchten Erwachsene in Märchen, wenn es darum geht, Kindern zu erklären, was passiert, wenn man stirbt. Menschen wie Eric Wrede oder Friedhofssleiter Olaf Ihlefeldt haben es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder mit dem Tod auf natürliche Art und Weise zu konfrontierten.

Der Friedhof schafft eine Verbindung zwischen Himmel und Erde

Ihlefeldt bietet auf dem Stahndsdorfer Friedhof neben (Potsdam-Mittelmark) Erwachsenen auch Kindern Friedhofsführungen an. „Der Friedhof schafft eine Verbindung zwischen Himmel und Erde“, erzählt Ihlefeldt dem Tagesspiegel. Dass viele Eltern ihre Kinder eher ungern mit dem Tod konfrontieren, wisse der Friedhofsleiter.

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Nichts ist schlimmer als Kinder beim Trauern auszuschließen

So etwas wie eine Friedhofsführung könne für Kinder unheimlich spannend sein, denkt auch Bestatter und Trauerbegleiter Eric Wrede. „Wenn man als Elternteil möchte, dass das eigene Kind im späteren Alter kein verkrampftes Verhältnis zu Friedhöfen hat, dann muss man es möglichst natürlich heranführen“, so Wrede weiter. Eltern beschäftige häufig auch die Frage, ob sie ihre Kinder bei Trauerfeiern oder Beerdigungen lieber zu Hause lassen sollten, so der Bestatter. „Aber warum nicht mitnehmen?“ Im Zweifel mache man ein Geheimnis um etwas, was Kinder früher oder später sowieso entdecken würden. „Was gäbe es Schlimmeres in so einer Extremsituation als ausgeschlossen zu sein, wenn man jemanden verliert?“, meint der Berliner.

Beobachten Sie ihr Kind, fragen Sie ihr Kind, was es möchte!

„Ich glaube, die größte Gefahr ist, dass wir als Erwachsene den Verlust vergrößern, indem wir uns unseren Kindern gegenüber falsch verhalten.“ Wenn man seine Kinder nicht für doof halte, dann würden sie auch Antworten auf die Fragen ihrer Eltern haben. Es gibt Kinder , die verarbeiten etwas mit Malen, andere wiederum sind eher Entdecker und möchten es auf eigene Art und Weise trauern.“ Nicht jedes Kind müsse zum Beispiel zu einem Psychologen , wenn jemand gestorben sei. „Beobachten sie ihr Kind, fragen sie ihr Kind, was es möchte. Es wird Antworten haben“, so Wrede.


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