Mann stürmt bei Wahlkampfauftritt in Erfurt auf die Bühne

Besonnene Reaktion: Laschet hält sich Querdenker vom Leib

Querdenker Thomas Brauner und Armin Laschet bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU auf dem Erfurter Anger. Erfurt, 03.
Querdenker Thomas Brauner und Armin Laschet bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU auf dem Erfurter Anger. Erfurt, 03.
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05. September 2021 - 10:33 Uhr

"Erst mal abregen, zweitens Frage stellen"

Große Aufregung in Erfurt: Bei einem Wahlkampfauftritt von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet schafft es ein Bürger plötzlich, die Bühne zu stürmen und dem CDU sehr nahe zu kommen. Sehr schnell, für die Security vor Ort offensichtlich zu schnell. Doch Laschet blieb ruhig, reagierte gelassen. "Erst mal abregen, zweitens Frage stellen", sagte er zu dem Mann. Nicht allen hat die unaufgeregte Reaktion gefallen.

"Ich gebe Ihnen die Nummer vom Kanzleramt"

03.09.2021, Thüringen, Erfurt: Armin Laschet, CDU-Kanzlerkandidat, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Martina Krebs aus Erfurt stehen für ein Selfie nebeneinander auf dem Anger während einer Wahlkampfveranstaltu
Laschet beim Selfie mit einer Frau aus Erfurt
© dpa, Martin Schutt, msc htf

Der Mann, der beim Laschet-Auftritt das Protokoll durcheinanderbrachte, ist offenbar kein Unbekannter. Laut der Zeitung "Die Welt" ist er in der "Querdenker"-Szene zuhause und unter anderem auf der Plattform "Telegram" viel in diesen Kreisen unterwegs.

Er beklagte sich bei Laschet über die Corona-Maßnahmen der Thüringer Landesregierung in den Schulen, die in den ersten zwei Wochen ein Bußgeld für Eltern vorsehen, deren Kinder sich weder impfen noch testen lassen und auch nicht als genesen gelten. Der Kanzlerkandidat hielt den Mann mit einer Armlänge auf Abstand. Dann forderte er ihn auf, die Bühne wieder zu verlassen, was der auch tat.

Anschließend ging Laschet auf die Frage ein und antwortete unter anderem: "Eine Impfpflicht oder Druck auf Kinder, sich impfen zu lassen, lehne ich ab." Wie die Zeitung weiter berichtet, ist aus dem Publikum zu hören: "Ich nehme Sie beim Wort, Herr Laschet". Mit seiner Antwort habe Laschet die Zuhörer auf seiner Seite gehabt: "Das können Sie machen. Ich gebe Ihnen die Nummer vom Kanzleramt".

SPD-Politiker Karl Lauterbach greift Laschet an

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte an dem Zwischenfall etwas auszusetzen: "Unfassbar. Armin Laschet lässt sich von einem Querdenker ohne Maske mit 20 cm Abstand anschreien. Das ist keine Bürgernähe, sondern einfach dumm", twitterte er.

Laschet reagierte darauf am Samstag in Potsdam: Man müsse den Menschen zuhören. Ansonsten würde das gesellschaftliche Klima noch rauer werden als es ohnehin schon sei. "Karl Lauterbach macht mir das zum Vorwurf, sagt, mit diesen Leuten darf man nicht reden und vergiftet damit erneut das Klima."

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Das wiederum wollte Lauterbach nicht gelten lassen: "Ich habe nicht kritisiert, dass er sich von einem Querdenker anschreien lässt. Nur dass er sich auf 20 cm Abstand dabei ohne Masken anschreien lässt", schrieb der SPD-Mann. (uvo)