Dirk Britschin brachte den Mörder in Bedrängnis

Der Geruch des Todes: Wie ein Nachbar den Mord an Rentner Heinz N. aufdeckte

30. Oktober 2020 - 13:41 Uhr

Keiner wollte auf ihn hören

"Wenn man ins Treppenhaus reinkam, roch man sofort dieses Muffige, Faulige." Dirk Britschin erinnert sich noch genau an den Geruch, der ihm in die Nase stieg, sobald der die Haustür zum Haus aufschloss, in dem seine alte Wohnung lag. Im März 2006 war er in den Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg gezogen und hatte dort seinen Nachbarn Heinz N. kennengelernt. Kurz darauf verschwand der 80-Jährige – und ein unerträglicher Geruch machte sich im Treppenhaus breit. Die Aufnahmen aus dem Haus sehen Sie im Video.

Der Gestank hinter der grünen Tür

Er habe Heinz N. eigentlich täglich gesehen, so Britschin. Die beiden hielten ab und zu einen Plausch, wenn sie sich über den Weg liefen. Das änderte sich Ende 2006. "Da verschwand er dann plötzlich und war weg." Alles machte den Anschein, als habe sich sein Nachbar zurückgezogen. Der Briefkasten wurde geleert, die Miete gezahlt. Doch ein übler Geruch machte sich im Treppenhaus breit. Britschin wunderte sich. Er schrieb an die Hausverwaltung, beklagte sich über den Gestank, der seiner Meinung nach durch die grüne Holztür der Nachbarwohnung bis in seine Wohnung zog. Doch die unternahm nichts. Britschin meldete sich bei der Polizei, die sagte, Heinz N. könne ja auch im Urlaub oder bei Verwandten sein.

Josef S. half ab und zu

Doch der aufmerksame Nachbar wusste, dass der Rentner keinen Kontakt zu Verwandten hatte und auch seine sozialen Kontakte eingeschränkt waren. Nur der hilfsbereite Mann namens Josef S., der im selben Haus wohnte und den alle nur Joschi nennen, kam ab und zu bei Heinz N. vorbei und half ihm im Alltag. Auf Bitten von Britschin kletterte der Hausmeister schließlich auf den Balkon der Wohnung, wo Heinz N. bis zu seinem Verschwinden oft gesessen hatte. Hinter den blickdichten Jalousien sei aber nicht viel zu sehen gewesen. Britschin schrieb ihm schließlich einen Brief – und bekam tatsächlich eine Antwort. "Da war ich ganz überrascht", sagt er.

Doch weil der Geruch nicht wegging, ließ der geplagte Mann nicht locker. Schließlich kam 2017 nach zehn Jahren und unzähligen Anrufen eine Polizeistreife vorbei und öffnete die Wohnung des Rentners. Sie fanden ihn geviertelt in einer Kühltruhe. Kurz darauf wurde ein Mann festgenommen – Josef S. Über all die Jahre war Britschin dem Mörder näher, als er dachte. Die Ermittler rekonstruierten, dass S. den freundlichen Senior in der Silvesternacht 2006 erschoss, um durch dessen Rente seine Spielsucht zu finanzieren. Mittlerweile sitzt er im Gefängnis - lebenslang.