Keine Heilung bei spätem Erkrankungsstadium

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Symptome, Prognose und Heilungschancen

11. Januar 2021 - 19:31 Uhr

Jedes Jahr erkranken etwa 19.000 Menschen in Deutschland

Sobald Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) diagnostiziert wird, ist es in den meisten Fällen bereits zu spät. Denn: In frühen Erkrankungsstadien haben Betroffene eher selten Symptome. Die Behandlung hängt von der Ausbreitung des Tumors und dem Gesundheitszustand des Patienten oder der Patientin ab.

Mangelnde Früherkennung

Bauchspeicheldrüsenkrebs tritt zwar selten auf, ist aber in der Regel tödlich.
Bauchspeicheldrüsenkrebs wird meistens erst dann erkannt, wenn es schon zu spät ist.
© studiovespa - Fotolia, Krzysztof Szpil

Zur Erfüllung seiner Funktionen besitzt das Pankreas zwei Gewebe: das exokrine und das endokrine Gewebe. In den Drüsenzellen des exokrinen Gewebes werden Verdauungssäfte gebildet, die über die Pankreasgänge in den Darm geleitet werden. Im endokrinen Gewebe finden sich hormonbildende Zellen, die beispielsweise Glucagon und Insulin herstellen. Mit diesen Hormonen regelt die Bauchspeicheldrüse den Blutzuckerspiegel. In beiden Geweben können Tumoren entstehen. Die Bauchspeicheldrüse besitzt zudem keine Haut, die sie von den anderen Organen trennt. Zwischen der Pankreas, wie Mediziner die Bauchspeicheldrüse bezeichnen, und dem angrenzenden Zwölffinger-Darm verlaufen die Blutversorgung des Dünndarms sowie der Nervenbahnen. Die Zellen, die die Verdauungsenzyme an den Dünndarm weitergeben, leiten so unweigerlich auch die Krebszellen in andere lebenswichtige Organe weiter.

Insbesondere die mangelnde Früherkennung senkt die Überlebenschancen rapide. Wenn der Tumor entsteht, klagen noch die wenigsten Patienten über Beschwerden. Mögliche frühe Symptome von Bauchspeicheldrüsenkrebs sind:

  • Schmerzen im Oberbauch oder Rücken
  • Appetitmangel (Anorexie) und unbeabsichtigter Gewichtsverlust
  • Übelkeit
  • Gelbsucht (besonders bei Tumoren im Pankreaskopf)
  • Fettstühle: Der Stuhlgang hat eine hellere Farbe als gewohnt und ist schmierig, klebrig oder glänzend.
  • Störungen der Insulinproduktion: Betroffene können eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) entwickeln

Späte Symptome im fortgeschrittenen Stadium eines Pankreaskarzinoms sind:

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  • unspezifische Schmerzen und Verdauungsstörungen. Ein exokriner Pankreastumor macht vor allem Beschwerden, wenn er benachbarte Organe verdrängt oder in sie hineinwächst.
  • Wasseransammlungen im Bauchraum, ein sogenannter Aszites.
  • eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) ohne geklärte Ursache.
  • eine gestörte Blutgerinnung. Dadurch können Blutgerinnsel in den Gefäßen entstehen, sogenannte Thrombosen.

Ursachen sind weitestgehend unklar

Bei wenigen Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs in einem frühen Stadium ist eine Operation mit dem Ziel der Heilung möglich. In den meisten Fällen hat sich der Krebs aber schon unaufhaltsam ausgebreitet. Es bilden sich weitere Metastasen, die lebenswichtige Organe angreifen. Vor allem in der Leber und der Lunge, aber auch in den Knochen entstehen Zysten - ein schleichender Prozess mit kräftezehrenden Folgen: Dem Körper wird über kurz oder lange die Energie entzogen. Die Patienten fühlen sich schwach, magern ab und sterben letztendlich an einem Schwächetod.

Die Lage und die Funktion der Bauchspeicheldrüse machen einen operativen Eingriff fast unmöglich. Da sich die Krankheit so schnell ausbreitet, ist eine Operation im fortgeschrittenen Stadium zwecklos. Durch Chemo- und Strahlentherapie kann der Krankheitsverlauf zwar gemildert, der Tod letzten Endes aber nur verzögert werden.

Die Ursachen für die Krankheit sind weitestgehend unklar. Dennoch glauben Mediziner, dass gewisse Laster das Erkrankungsrisiko erhöhen:

  • Lebensgewohnheiten wie Rauchen (aktiv oder passiv), starkes Übergewicht (Adipositas) oder hoher Alkoholkonsum
  • bestimmte Vorerkrankungen wie chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder Zuckerkrankheit (Typ-2-Diabetes)
  • familiäre Belastung, wenn mindestens 2 Verwandte ersten Grades, also Eltern, Kinder oder Geschwister, an einem Pankreaskarzinom erkrankt sind. Dann erhöht sich das Erkrankungsrisiko um das 18-fache. Experten sprechen von einem "familiären Pankreaskarzinom" (FPC).
  • genetische, vererbte Krankheitsbilder: Sehr seltene genetische Störungen (Syndrome) wie beispielsweise das FAMMM-Syndrom (familiäres atypisches multiples Muttermal- und Melanom-Syndrom) können Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigen. Auch Träger oder Trägerinnen einer BRCA-2-Mutation haben ein erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Aber: Insgesamt lösen sowohl eine familiäre Belastung als auch genetische Krankheitsbilder vergleichsweise selten Bauchspeicheldrüsenkrebs aus. Es gibt kein gesetzliches Programm zur Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Denn: Bisher gibt es dafür keine Untersuchungsmethode, die ausreichend aussagekräftig ist.

Verglichen mit den anderen Krebsarten tritt Bauchspeicheldrüsenkrebs glücklicherweise selten auf. In Deutschland erkranken jährlich rund 19.000 Menschen an der Krankheit. Die Erkrankung tritt meistens im Alter zwischen 60 und 70 Jahren auf.