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Attentat in Hanau: Fehlendes Polizeivideo behindert den Untersuchungsausschuss

"Ich habe bis jetzt noch keine Antwort bekommen"

Attentat in Hanau: Fehlendes Polizeivideo behindert den Untersuchungsausschuss

Zwischenbilanz im Hanauer Attentat: Fehlendes Polizeivideo "Ich habe bis jetzt noch keine Antwort bekommen"

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Bis zur Sommerpause im nächsten Jahr sollen die Hintergründe aufgeklärt sein: Am 19. Februar 2020 wurden neun Menschen in Hanau aus rassistischen Motiven ermordet. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss soll nun klären, ob es vor, während und nach der Tat zu einem Behördenversagen gekommen war. In einer Zwischenbilanz des Untersuchungsausschusses wird ein Polizeivideo vermisst, welches vermutlich zu einem entscheidenden Schritt beitragen könnte.

51 Kilometer Beweismaterial

Das Gremium hat Anfang Dezember 2021 zum ersten Mal öffentlich im hessischen Landtag in Wiesbaden getagt. Der Untersuchungsausschuss habe für seine Arbeit bislang von 14 Behörden 369 Aktenordner mit rund 175 000 Blatt Papier erhalten und gesichtet. „Dies entspricht aneinandergelegt rund 51 Kilometern“, sagte Ausschussvorsitzender Marius Weiß (SPD) in der Zwischenbilanz zu den Untersuchungen. Und trotzdem geht es nicht voran.

Das Problem ist ein fehlendes Polizeivideo, welches Aufnahmen eines Polizeihubschraubers in der Tatnacht zeigen. Sie helfen zu verstehen, wie die Polizei damals vorgegangen ist. Das Video liegt allerdings nicht dem Untersuchungsausschuss im Wiesbadener Landtag vor „Ich habe es nachdrücklich eingefordert, aber habe bis jetzt noch keine Antwort bekommen“, so der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses. Das Polizeivideo hat die Recherchegruppe „Forensic Architecture“ veröffentlicht, die eine Ausstellung rund um die Terrornacht ins Leben gerufen hat. Im Besitz des Videos sind die Macher der „Three Doors-Ausstellung“.

Ausschussvorsitzender Weiß (SDP) bemängelt das fehlende Polizeivideo, welches ein wesentlicher Fortschritt für die Ermittlungen sein könnte.
Ausschussvorsitzender Weiß (SDP) bemängelt das fehlende Polizeivideo, welches ein wesentlicher Fortschritt für die Ermittlungen sein könnte.
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Bundesgeneralanwalt hält Beweismaterial unter Beschluss

Wie schleppend die Aufarbeitung des Anschlags in Hanau vorangeht, bemängelt auch die Angehörigen der Hanau-Opfer "Das was hier ausgestellt ist, müssten eigentlich die Behörden auch wissen."

Video-Tipp: Mutter von Hanauer-Opfer – Behörden sollen Fehler zugeben

Nach bisher 17 Sitzungen gibt es noch keine konkreten Ergebnisse zu den drängenden Fragen: Wieso wurde das Haus des Attentäters in der Nacht nicht richtig bewacht? Wieso konnte Tobias R. an eine Waffe kommen? Konkreter sollen diese Fragen am 4. Juli besprochen werden, wobei unter anderem der Bundesgeneralanwalt eingeladen wurde, um die Frage zu klären, warum er eins der möglicherweise entscheidendsten Videos unter Verschluss hält. (hdi/lre/dpa)