Ist eine Schlüsselkomponente des Impfstoffs schuld?

Blutgerinnsel nach AstraZeneca-Impfung: Britische Forscher finden offenbar Auslöser

In sehr seltenen Fällen kann es nach AstraZenca-Impfungen zu Thrombosen kommen. Weltweit gehen Forscher dem Grund dafür nach.
In sehr seltenen Fällen kann es nach AstraZenca-Impfungen zu Thrombosen kommen. Weltweit gehen Forscher dem Grund dafür nach.
© deutsche presse agentur

08. Dezember 2021 - 11:30 Uhr

Forscher suchen nach Auslöser für die seltenen Thrombosen nach AstraZeneca-Impfungen

Britische Forscher der Universität Cardiff haben offenbar den Auslöser für die seltenen Blutgerinnsel nach der AstraZeneca-Impfung gefunden. Demnach könnte eine Schlüsselkomponente des Impfstoffs eine Kettenreaktion im Körper auslösen, die zu den Blutgerinnseln und damit zu gefährlichen Thrombosen führen kann.

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Fördert das Adenovirus im AstraZeneca-Impfstoff die Bildung von Blutgerinnseln?

In der Studie, die Anfang Dezember im Wissenschaftsmagazin "Science Advances" veröffentlicht wurde, gingen die Forscher der Vermutung nach, dass eine der Schlüsselkomponenten des AstraZeneca-Impfstoffs, das Adenovirus, mit dem Auftreten der seltenen Blutgerinnsel in Zusammenhang stehen könnte.

Als sogenannter Vektorimpfstoff beruht AstraZeneca auf der abgeschwächten Version eines Adenovirus', einem Erkältungsvirus von Schimpansen. Dieser enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem das Coronavirus an menschliche Zellen andockt. Nach der Impfung entwickelt der Körper des Geimpften eine Immunantwort gegen dieses Protein, die das Andocken des Virus verhindern kann.

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Kettenreaktion des Immunsystems

Für ihre Untersuchungen nutzen die Wissenschaftler ein Verfahren namens Kryo-Elektronenmikroskopie, das ihnen ermöglichte, das Adenovirus auf kleinster, molekularer Ebene zu betrachten. Dabei zeigte sich: Die Oberfläche des Adenovirus ist stark negativ geladen und zieht dadurch ein bestimmtes, stark positiv geladenes Protein, den Plättchenfaktor 4, magnetisch an. Dadurch könne in sehr seltenen Fällen eine Kettenreaktion des Immunsystems ausgelöst werden, die wiederum zur Bildung von Blutgerinnseln führe, so die Forscher.

Diese Erkenntnis sei noch keine vollständige Erklärung für die Blutgerinnsel, aber ein wichtiger Fortschritt für die weitere Forschung, erklärte Professor Alan Parker, einer der Forschenden der Universität Cardiff, gegenüber der britischen "BBC". "Was wir hier haben, ist der Auslöser, aber es gibt viele Schritte, die als nächstes passieren müssen." (dhe)