Wie Dr. Specht das Unglück bewertet

Frau reißt Arterie während der Achterbahnfahrt - kann das jedem passieren?

Ist Achterbahnfahren gefährlich?
Ist Achterbahnfahren gefährlich?
© Jacob Ammentorp Lund

09. Juli 2021 - 13:54 Uhr

Achterbahn fahren soll eigentlich Spaß machen

Die 47-jährige Dawn Jankovic starb US-Medien zufolge während einer Achterbahnfahrt mit ihrem Sohn. Weil die Fliehkräfte zu stark waren, ist eine Arterie in der Brust gerissen. Die US-Amerikanerin starb an massivem Blutverlust.

Haben wir die Gefahren von Achterbahnen jahrelang unterschätzt? RTL-Medizinexperte und Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht verschafft einen Überblick.

Darum könnte die Arterie gerissen sein

Bereits Anfang Juni ereignete sich das Unglück im US-Bundesstaat Indiana. Dawn Jankovic und ihr 17-jähriger Sohn Gunnar Merker wollten einen schönen Mutter-Sohn-Tag im Freizeitpark "Holiday World & Splashin' Safari Park" verbringen. Die Mutter sei laut Aussage des Sohnes gegenüber Fox 8 gesund und der Park technisch in Ordnung gewesen, wie US-Medien berichten. Wie kann es also sein, dass die 47-Jährige während einer eigentlich spaßigen Achterbahnfahrt sterben musste?

Allgemeinmediziner und RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht hat eine Vermutung: "Beim Achterbahnfahren kommt es zu starken Fliehkräften, die vom jeweiligen Gewicht des Fahrers abhängen und dementsprechend wirken. Durch den ständigen Wechsel von rauf und runter könnte es sein, dass eine vorgeschädigte Arterie geplatzt ist." Heißt also: Die Frau müsste mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Vorerkrankung gehabt haben, die bis dato unentdeckt war.

Die Arterien sind im menschlichen Körper dafür da, das Blut, was unter Druck steht und sauerstoffhaltig ist, vom Herzen wegzuführen. "Eine Arterie ist aufgebaut wie eine Art Schlauch, der aus drei verschiedenen Schichten besteht. Wenn da im Vorhinein ein Fehler vorliegt, zum Beispiel an der Innenwand, würde man das gar nicht merken. Kräfte, wie sie auf der Achterbahn wirken, könnten dann aber ausreichen, dass die vorgeschädigte Arterienwand noch mehr Schaden davonträgt."

Seine andere Annahme: ein bis dahin unerkanntes Aneurysma.

Dr. Christoph Specht arbeitet im Bereich der Präventionsmedizin
RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht schätzt ein.
© Privat

Auch ein bisher unerkanntes Aneurysma könnte die Ursache sein

Wurde bei der Frau auf der Achterbahn vielleicht ein Aneurysma nicht erkannt? Ein Aneurysma ist die lokale Aussackung eines Gefäß. Die Art Bindegewebsschwäche an der Arterie wird jedoch erst problematisch, wenn der Wandbereich der Aussackung beschädigt wird, sagt Dr. Specht. Dann kann das Aneurysma platzen. "Bei Männern wird mittlerweile sogar eine Vorsorgeuntersuchung per Ultraschall angeboten, um einer etwaigen Problematik auf den Grund zu gehen." Im Falle der 47-jährigen Mutter aus den USA könnte es so gewesen sein, dass das Aneurysma gerissen ist. Der Grund: die starken Fliehkräfte der Achterbahn. Der Allgemeinmediziner führt fort: "Wenn es dann zu einer inneren Blutung kommt, kann man nichts mehr machen. Wenn eine solche Arterie oder ein solches Aneurysma platzt, ist da so ein Druck drauf, dass man kaum eine Überlebenschance hat."

Letztendlich bleibt zu sagen, dass der Fall Dawn Jankovic für den Medizinexperten leider eine Art Verkettung unglücklicher Umstände ist: "Wäre ein solches Unglück nicht beim Achterbahnfahren passiert, dann hätte eine nächste Druckerhöhung, wie zum Beispiel beim Ausüben bestimmter Sportarten, die Arterie zum Platzen gebracht. Es lag bestimmt eine Vorerkrankung vor, da es bei einem gesunden Menschen doch sehr unrealistisch ist." Die Achterbahnfahrt alleine dafür verantwortlich zu machen, das könne man so nicht so einfach sagen.

Lese-Tipp: US-Teenager baut sich Achterbahn für den eigenen Garten

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

„Da kam schon etwas sehr Seltenes zusammen!"

Keine Angst also vor weiteren Achterbahnfahrten! Wenn keine Vorerkrankung vorliegt, bleibt die Freizeitbeschäftigung weiter harmlos. "Dass so etwas passiert ist noch seltener, als vom Blitz getroffen zu werden", beruhigt auch Dr. Christoph Specht. Wenn Sie noch nicht überzeugt sind, stellen Sie sich einfach folgende Frage: Achterbahnen gibt es seit Ewigkeiten, es sind bestimmt schon Milliarden von Menschen auf den Fahrgeschäften gefahren. Wie oft hört man von einem solchen Ereignis? Richtig, so gut wie nie. Trotzdem ist es wichtig, die Regeln für die jeweiligen Fahrgeschäfte zu befolgen. Nicht umsonst gibt es vor einigen Attraktionen bestimmte Körpermaße oder sonstige Bestimmungen, die es einzuhalten gilt. (vdü)