Kundgebung gegen Judenhass

Gil Ofarim in "Westin Hotel" Leipzig abgewiesen: Hunderte protestieren gegen Antisemitismus

07. Oktober 2021 - 9:03 Uhr

Gil Ofarim erwägt Strafanzeige gegen "Westin Hotel"

Nach einem Antisemitismus-Vorfall gegen Musiker Gil Ofarim haben sich viele Menschen mit dem 39-Jährigen solidarisiert und vor dem Hotel "The Westin" in Leipzig gegen Judenhass demonstriert. Hunderte nahmen am Dienstagabend an einer Kundgebung teil – eine Plakataktion des Hotels ging nach hinten los. Zwei Angestellte wurden beurlaubt.

Gil Ofarims Management: Bisher gab es keine offizielle Entschuldigung

05.10.2021, Sachsen, Leipzig: Teilnehmer einer Demonstration des Bündnis "Leipzig nimmt Platz" stehen vor dem «Westin Hotel» Leipzig. Nach Antisemitismus-Vorwürfen haben sich am Abend Hunderte Menschen vor dem «Westin Hotel» Leipzig versammelt, um So
Demonstration vor dem Hotel Westin Leipzig
© dpa, Dirk Knofe, dirk knofe kno

Das Bündnis "Leipzig nimmt Platz" hatte dazu aufgerufen, die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf einen "mittleren dreistelligen Bereich", wie eine Sprecherin sagte. "Ich war irgendwo zwischen empört, entsetzt und unheimlich beschämt", so eine Demonstrantin.

In dem Hotel soll ein Mitarbeiter Ofarim aufgefordert haben, seine Davidstern-Kette einzupacken, dann dürfe er einchecken. Das hatte der Sänger selbst am Dienstagabend sichtlich angefasst in einem emotionalen Instagram-Video publik gemacht. Die Empörung im Netz, in der Politik und auch von Seiten des "Zentralrats der Juden" war groß.

Laut seinem Management erwägt Gil Ofarim, eine Strafanzeige zu stellen. Bisher habe es keine offizielle Entschuldigung seitens des Hotels gegeben. Er müsse die Vorkommnisse in Leipzig erst einmal verdauen und sei schockiert. "Heute wäre der Geburtstag seines Vaters gewesen, deshalb möchte er zu diesem Thema auch erst einmal keine weiteren persönlichen Interviews geben", hieß es. Der Tag sei schon schwer genug für ihn, man bitte um Nachsicht und Verständnis.

Zentralrat der Juden: „Eine angemessene Reaktion sieht anders aus!“

Unterdessen sind zwei Mitarbeiter des Hotels beurlaubt worden. Dies gelte zunächst für die Dauer der Ermittlungen, sagte eine Sprecherin der Marriott-Gruppe. Die Polizei will der Staatsanwaltschaft nach eigener Aussage am Mittwoch die Fallunterlagen zur rechtlichen Prüfung vorlegen.

Ein Sprecher des "Westin Leipzig" sagte, dass man besorgt über den Bericht sei und die Angelegenheit ernst nehme. Das Unternehmen versuche, Ofarim zu kontaktieren, um herauszufinden, was passiert sei. Ziel sei es, alle Gäste und Mitarbeiter unabhängig von ihrer Religion einzubeziehen, zu respektieren und zu unterstützen.

Die stellvertretende Managerin Antje Reichstein sagte, dass Antisemitismus nicht entschuldbar sei und in dem Hotel nicht geduldet werde. Man sei ein weltoffenes Haus und lehne jede Form von Intoleranz, Diskriminierung und Antisemitismus "auf das Schärfste" ab. Diese Haltung wollte das Hotel am Dienstagabend mit einer Plakataktion unterstreichen. Mitarbeiter hatten sich mit israelischen Flaggen vor dem Eingang positioniert – der "Zentralrat der Juden" ist entsetzt. "Was soll dieser Banner?", hieß es auf Twitter. "Eine angemessene Reaktion sieht anders aus!" (cwa)