Welche Strategie ist die richtige für Herbst und Winter?

Virologe Streeck fordert anderen Richtwert: Betten-Ampel "würde gut tun"

Im Interview mit RTL plädiert der Bonner Virologe Hendrik Streeck dafür, sich mehr auf die Belegung in den Krankenhäusern zu fokussieren, statt nur auf die Infektionszahlen zu schauen.
Im Interview mit RTL plädiert der Bonner Virologe Hendrik Streeck dafür, sich mehr auf die Belegung in den Krankenhäusern zu fokussieren, statt nur auf die Infektionszahlen zu schauen.
© RTL, infoNetwork

28. August 2020 - 9:56 Uhr

Welche Zahlen sind die wichtigen?

Erst vor ein paar Tagen machte der Mediziner und Autor Dr. Martin Marianowicz auf sich aufmerksam, weil er sagt: Das größte Problem am Coronavirus ist die Angst - denn die aktuellen Infektionszahlen müsse man immer im Vergleich sehen. Auch der Bonner Virologie-Professor Hendrik Streeck schlägt vor, dass wir uns in Zukunft auf andere Kennzahlen fokussieren, nämlich auf stationäre Aufnahme und Belegung der Intensivbetten. Die sollten als Grundlage für eine Art Maßnahmen-Ampel dienen. Im Interview mit RTL erläutert er, was er damit meint.

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Das Leben verlagert sich wieder in geschlossene Räume

Die Corona-Fallzahlen sind in den vergangenen Tagen und Wochen gestiegen - und das ist bestimmt kein gutes Zeichen. Aber jeder Statistiker weiß, dass Zahlen immer in Relation gesehen werden müssen. Doch jetzt steht der Herbst und dann der Winter vor der Tür - und das Leben der Menschen verlagert sich wieder mehr in geschlossene Räume. 

Prof. Dr. Hendrik Streeck
Prof. Hendrik Streeck sieht keine neue Corona-Welle auf Deutschland zurollen
© picture alliance/Federico Gambarini/dpa

Zu viele Krankenhaus-Aufnahmen sollten uns sorgen

Mit welcher Strategie sollten wir jetzt bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie weitermachen? "Ich denke, dass es wichtig ist, dass man sich auf die Intensivbetten und auf die stationären Aufnahmen fokussiert", sagt Virologe Streeck gegenüber RTL, "anstatt auf Infektionszahlen, die eigentlich gar nicht so aussagekräftig sind." Zum Herbst hin rechnet er mit einem deutlichen Anstieg der Zahlen - mehr als das, was wir jetzt sehen. "Aber", sagt Streeck, "wenn es asymptomatische Infektionen ohne stationäre Aufnahme sind, dann ist das nicht etwas, was uns sorgen muss. Es muss uns sorgen, wenn wir zu viele Aufnahmen in den Krankenhäusern haben."

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Eine Betten-Ampel "würde uns gut tun"

Das Virus aber werde nicht weggehen, es sei jetzt Teil von unserem Alltag, so Streeck, es werde immer mal wieder auf und ab gehen. "Wichtig sind für mich die stationären Aufnahmen und die Frage, ob wir genug Betten auf den Intensivstationen haben", bekräftigt der Virologe. "Wenn wir uns danach richten und vielleicht sogar eine Ampel generieren, wo wir ab bestimmten Zahlen von Bettenbelegungen sagen 'Hier müssen wir jetzt mehr aufpassen' – das würde uns allen gut tun."

Wird das Virus denn ungefährlicher?

Streeck hält es für verfrüht zu sagen, dass das Virus sich abgeschwächt habe. Die Veränderung des Virus könne aber ein Faktor sein. Ungefährlicher werde Sars-CoV-2 vor allem durch die ergriffenen Hygiene-Maßnahmen "Abstand, Hygiene, Alltagsmasken": "Denn die Infektionsdosis bestimmt maßgeblich, wie schwer der Verlauf ist. Durch Abstand und Masken machen wir genau das: Dass wir die Infektionsdosis heruntersetzen."

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In Hongkong hat ein Forscherteam angeblich den weltweit ersten Covid-19-Patienten identifiziert, der sich bereits zum zweiten Mal mit dem Virus angesteckt hat. Gibt es also doch keine Herdenimmunität? Hier ordnet Virologe Prof. Hendrik Streeck das Phänomen ein.

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