Gewaltexplosion vor Partykneipe

Polizist auf Intensivstation getreten: Lange Haftstrafen für Schläger

(Symbolbild)
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19. April 2021 - 13:01 Uhr

Urteil nach Gewaltexzess vor Kneipe in Andernach

Es war ein brutaler Angriff vor einer Kneipe in Andernach (Rheinland-Pfalz): Ein Polizist (36) wollte mit einem Kollegen einen Streit schlichten, als mehrere Männer ihn plötzlich attackierten. Sie traten den 36-Jährigen gegen den Kopf und verletzten ihn schwer. Vor dem Koblenzer Landgericht Koblenz mussten sich seit Mitte März zwei Männer (29, 30) für den Gewaltexzess im Oktober verantworten. Am Freitag fiel das Urteil: Beide Angreifer müssen ins Gefängnis.

Richter folgten weitestgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft

Der Täter, der dem Polizisten gegen den Kopf getreten hatte, bekommt zehn Jahre Haft wegen versuchten Totschlags, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung. Damit entsprachen die Richter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Der andere Angreifer wurde zu zwei Jahren und neun Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre gefordert, die Verteidigung Bewährung.

Video zeigt die Sekunden nach dem Angriff in Andernach

Polizist "mit voller Wucht gegen den Kopf getreten"

Um die Schlägerei aufzulösen, hatten die beiden Polizisten zunächst Platzverbote erteilt. Doch die Situation eskalierte. Dem 30-jährigen Angeklagten warf die Staatsanwaltschaft unter anderem versuchten Totschlag vor. Er soll dem 36 Jahre alten Polizisten aus "dem Lauf heraus mit voller Wucht gegen den Kopf getreten" haben, als der am Boden lag. Der Beamte kam mit einem Schädel-Hirn-Trauma auf die Intensivstation.

Dem 29-Jährigen legte die Staatsanwaltschaft unter anderem gefährliche Körperverletzung zur Last. Er soll einem anderen am Einsatz beteiligten Polizisten mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, so dass dieser unter anderem einen Nasenbeinbruch erlitt.

Anwältin: Mein Mandant kann vielleicht nie mehr arbeiten

Anwältin Sandra Buhr
Die Narben, die psychisch zurückbleiben, sind noch gar nicht absehbar", sagt Anwältin Sandra Buhr.
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Während des Prozesses hatte die Anwältin des Polizisten erklärt, ihr Mandant könne vielleicht nie mehr in seinen Beruf zurückkehren. "Mein Mandant hat diesen Job wahnsinnig geliebt", sagte Anwältin Sandra Buhr zu RTL. Aber die Tat habe vieles verändert. Zwar würden die körperlichen Brüche verheilen. "Aber die Narben, die psychisch zurückbleiben, sind noch gar nicht absehbar. Sodass man aktuell gar nicht sagen kann, ob er in dem Beruf wieder arbeiten kann oder möchte", berichtete sie.

Die körperlichen Beschwerden beim 36-Jährigen würden weniger, sagte Buhr Ende März. Er habe aber noch Probleme beim Sehen, und der Schock über den Angriff sitze bei ihm offenbar tief.

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