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Andernach: Polizist wird im Dienst brutal zusammengeschlagen - psychische Folgen nicht absehbar

Prozess um Gewaltexzess in Andernach

Polizist brutal zusammengeschlagen – Anwältin: Er kann vielleicht nie wieder arbeiten

Anwältin Sandra Buhr
"Die Narben, die psychisch zurückbleiben, sind noch gar nicht absehbar", sagt Anwältin Sandra Buhr.
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Schlägerei vor Kneipe in Andernach eskalierte

Zwei Polizisten werden zu einer Schlägerei vor einer Kneipe in Andernach (Rheinland-Pfalz) gerufen. Beim Versuch, den Streit zu schlichten, verteilen sie Platzverbote. Die Situation eskaliert, mehrere Männer gehen auf einen am Boden liegenden Polizisten (36) los und treten ihn gegen den Kopf . Er kommt mit einem Schädel-Hirn-Trauma auf die Intensivstation. Am Landgericht Koblenz müssen sich seit Mitte März zwei Männer (29, 30) wegen des brutalen Angriffs im Oktober verantworten. Die Anwältin des Opfers erklärte nach dem zweiten Prozesstag am Dienstag, ihr Mandant könne vielleicht nie mehr in den Polizeidienst zurückkehren.

Anwältin: Psychische Folgen nicht absehbar

"Mein Mandant hat diesen Job wahnsinnig geliebt", erklärt Anwältin Sandra Buhr im RTL-Interview. "Er war mit Leib und Seele Polizist." Aber die Tat habe vieles verändert. Zwar würden die körperlichen Brüche verheilen. "Aber die Narben, die psychisch zurückbleiben, sind noch gar nicht absehbar. Sodass man aktuell gar nicht sagen kann, ob er in dem Beruf wieder arbeiten kann oder möchte." Das sei zwar sein großes Ziel, aber man müsse abwarten.

Der Prozess wühle den 36-Jährigen auf, sagt Sandra Buhr. "Jetzt kommen viele Sachen noch mal hoch." Und es seien nicht nur die körperlichen Folgen, die den Polizisten belasten. "Das Psychische kommt jetzt verstärkt zum Tragen, weil er jetzt noch mal alles hört." Außerdem sehe ihr Mandant zum ersten Mal das Video von der Tat .

Video zeigt die Sekunden nach dem Angriff

Polizist krankenhausreif geprügelt Gewalt eskaliert in Andernach
01:04 min
Gewalt eskaliert in Andernach
Polizist krankenhausreif geprügelt

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Polizist hat noch Probleme beim Sehen

Die körperlichen Beschwerden beim 36-Jährigen würden weniger, er habe aber noch Probleme beim Sehen, berichtet seine Anwältin. Doch der Schock über den Angriff sitzt beim 36-Jährigen offenbar tief. "Für meinen Mandanten ist es nicht nachvollziehbar, dass man die Polizei mit so einem Feindbild besetzt", sagt Sandra Buhr. "Man wurde gerufen, um für Recht und Ordnung zu sorgen, und letztlich eskaliert das Ganze, man erlebt einen fürchterlichen Hass."

Prozess gegen zwei Männer in Koblenz

Dem 30-jährigen Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem versuchten Totschlag vor. Er soll dem 36 Jahre alten Polizisten aus "dem Lauf heraus mit voller Wucht gegen den Kopf getreten" haben. Dabei habe er den Tod des Polizisten "zumindest billigend in Kauf genommen", heißt es.

Dem 29-Jährigen legt die Staatsanwaltschaft unter anderem gefährliche Körperverletzung zur Last. Einem anderen am Einsatz beteiligten Polizisten soll er mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, so dass dieser unter anderem einen Nasenbeinbruch erlitt.