Als Junge erzogen - doch in Wahrheit sowohl Mann als auch Frau

Intersexualität: 18-jähriger "Junge" wird schwanger

Mikey Chanel: Vom Jungen zur schwangeren Frau
Mikey Chanel: Vom Jungen zur schwangeren Frau
© Mikey Chanel

23. November 2020 - 14:29 Uhr

Mikey wurde mit männlichen und weiblichen Organen geboren

Die heutige Medizin macht vieles möglich. Dazu gehört die Geschlechtsanpassung von Menschen, die im falschen Körper geboren wurden. Transgender, die sich vom Mann zur Frau oder umgekehrt angleichen lassen, müssen sich allerdings damit abfinden, nicht selbst Kinder gebären zu können – denn soweit ist der medizinische Fortschritt (noch) nicht. Anders ist es bei intersexuellen Menschen, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane haben. Sie können gebärfähig sein – wie im Falle des/der 18-jährigen Mikey Chanel. Er/sie ist schwanger.

Seltene biologische Störung

Mikey hat sich schon als Kind "anders" gefühlt.
Mikey hat sich schon als Kind "anders" gefühlt.
© Mikey Chanel

Der/die intersexuelle Teenager/in, der/die als Junge erzogen wurde, erwartet sein/ihr erstes Kind. Aber wie ist das möglich? Im Interview mit der britischen "The Sun" erklärt der/die 18-Jährige, dass er/sie vor einem Jahr herausgefunden hat, neben seinen/ihren männlichen Genitalien auch funktionierende Eierstöcke und eine Gebärmutter zu haben. Grund dafür sei eine seltene biologische Störung der sexuellen Entwicklung: bei dem sogenannten "Persistenten Müllerianischen Duktussyndrom" (PMDS) wird ein Mensch mit männlichen äußeren Genitalien und inneren weiblichen Fortpflanzungsorganen geboren. Das ist eine Form von Intersexualität. Der Deutsche Ethikrat geht 2017 davon aus, dass es zum Beispiel in Deutschland rund 80.000 intersexuelle Menschen gibt.

Ultraschall sorgt für unglaubliche Entdeckung

Ein Ultraschall enthüllte, dass Mikey eine funktionierende Gebärmutter hat. Jetzt zeigt der Ultraschall, das in ihr/ihm heranwachsende Baby.
Ein Ultraschall enthüllte, dass Mikey eine funktionierende Gebärmutter hat. Jetzt zeigt der Ultraschall, das in ihr/ihm heranwachsende Baby.
© Mikey Chanel

Mikey, der/die sich mit 13 Jahren als schwul geoutet hatte, sagt, er/sie habe "nach dem Pinkeln und dem Sex immer ein komisches Gefühl gehabt", weshalb er/sie sich vom Arzt mit einem Ultraschall untersuchen ließ. "Mir wurde gesagt, dass ich einen Gebärmutterhals, Eierstöcke, Gebärmutter und Eileiter habe und dass ich schwanger werden könnte, wenn ich wollte", so der/die Teenager/in über die schockierende Entdeckung.

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„Jetzt oder nie!“

Mikey ist stolz auf ihren Babybauch.
Mikey ist stolz auf ihren Babybauch und kann es kaum erwarten Mutter zu werden.
© Mikey Chanel

Die Ärzte rieten Mikey zu einer Hysterektomie, aber er/sie habe immer gewusst, dass er/sie Mutter werden wollte und entschied: "Jetzt oder nie!" Daraufhin unterzog er/sie sich einem Fruchtbarkeitsverfahren und ließ sich befruchtete Embryonen in ihre Eileiter implantieren. Obwohl die Ärzte nur eine 20-prozentige Erfolgschance angegeben haben, ist Mikey jetzt glücklich im vierten Monat schwanger. "Ich kann es kaum erwarten, Mutter zu werden", freut sich die werdende Mama. Außerdem will er/sie sich dafür einsetzen, ein stärkeres Bewusstsein für PMDS und Intersexuelität zu schärfen und die Stigmata zu brechen, die mit geschlechtsspezifischer Nonkonformität und Intersexuelität einhergehen.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorhergehenden Version des Artikels wurde Mikey fälschlicherweise als "Trans-Gender" bezeichnet. Dies wurde nun korrigiert.

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