Gesundheitslexikon: Hermaphroditismus

29. November 2018 - 15:53 Uhr

Hermaphroditismus – weder Mann noch Frau

Als Hermaphroditismus bezeichnet man in der Biologie das Vorkommen von Individuen mit doppeltem Geschlecht. Beim Menschen ist der Begriff irreführend und auch nicht mehr ganz zeitgemäß. Wenn ein Mensch nicht eindeutig als weiblich oder als männlich identifizierbar ist, spricht man von Intersexualität oder auch dem dritten Geschlecht. Die schon sehr früh erfolgende geschlechtliche Normierung in unserer Gesellschaft, führt bei Intersexuellen nicht selten zu psychischen Problemen.

Was ist Hermaphroditismus?

Der Begriff Intersexualität wurde im Jahr 1915 von dem Genetiker Richard Goldschmidt geprägt. Hermaphroditismus oder Intersexualität kann sowohl genetisch als auch rein anatomisch bedingt sein. Sie wird zwar den Sexualdifferenzierungsstörungen zugeordnet – Betroffene lehnen es allerdings meist ab, sich pathologisieren zu lassen und sehen sich bevorzugt als Intersexuelle oder intergeschlechtliche Menschen. Intersexualität ist unbedingt von Transsexualität und Transgender zu unterscheiden, da es sich in diesen Fällen nicht um körperliche, sondern um psychische geschlechtsspezifische Präferenzen hinsichtlich des eigenen Selbstbildes handelt. Es gibt unterschiedlichste Formen der Intersexualität, die sich über chromosomale, gonadale, hormonelle und anatomische Varianten definieren lassen.

Ursachen

Die Ursachen sind genetisch bedingt: Neben den meistverbreiteten Karyotypen 46 XX und 46 XY, welche das weibliche und das männliche Geschlecht bestimmen, sind noch ganze vier weitere bekannt: Der Turner-Typ 45 X mit eher weiblichem Phänotypus, das Kinefelter Syndrom 47 XXY mit männlichem Phänotypus sowie den Chimärismus chi46 XX/46 XY und die sogenannten Mosaike mos45 X/46 XX und mos45 X/46 XY. So manche sprechen deswegen nicht von Intersexualität, sondern einfach von zusätzlichen vier Geschlechtern. Die Vorkommen dieser exotischen Varianten sind nicht selten: Ein Mensch von 100 soll über eine der genannten seltenen Chromosomenvarianten verfügen.

Symptome

Bei der gonadalen Variante, die auch Agonadismus genannt wird, bilden sich die Keimdrüsen auf ungewöhnliche Weise aus, sodass sich intersexuelle Merkmale herausbilden. Bei der hormonellen Intersexualität treten bei Betroffenen ungewöhnliche Konstellationen bei der Produktion der Sexualhormone auf. Anatomisch können unterschiedlichste Varianten der Geschlechtsorgane, wie überdimensionierte Klitoris oder ein extrem kleiner Penis zur Einschätzung als intersexuelles Individuum führen. Diese Normen sind im Grunde rein kulturell bedingt. In den meisten Fällen des Hermaphroditismus, wie Intersexualität fälschlicherweise genannt wird, treten auch Mischformen verschiedener Varianten auf. Intersexualität ist aus diesen Gründen keine einfach festzustellende Angelegenheit. Nicht selten wird sie erst im Erwachsenenalter erkannt.

Diagnose und Behandlung

Wie bereits beschrieben ist umstritten, ob es sich bei der Intersexualität überhaupt um eine Fehlbildung handelt. Viele intersexuelle Menschen halten sich nicht für fehlentwickelt oder krank. Wenn man dennoch von der Diagnose der Intersexualität sprechen möchte, so kann diese letztlich nur durch eine Genanalyse festgestellt werden. Die psychologischen Aspekte der Intersexualität sind jedoch weitaus wichtiger. Gerade in westlichen Kulturen ist die geschlechtliche Normierung in männlich und weiblich sehr stark ausgeprägt. Schon im Kindesalter werden Kinder durch ihre Eltern entweder als Jungen oder als Mädchen großgezogen. Handelt es sich entgegen der Einschätzung der Eltern jedoch um ein intersexuelles Kind, kann das natürlich in der Folge zu psychischen Komplikationen führen.