Alarm in Pforzheim

Erstes Kita-Kind in Deutschland mit Affenpocken infiziert

Symbolbild: Viren bedecken die Haut.
In Pforzheim soll sich ein vierjähriges Mädchen mit Affenpocken infiziert haben.
wildpixel, iStockphoto

von Giulia Asbeck, Gabriel Fehlandt und Linda Görgen

Das erste Kita-Kind in Deutschland hat sich mit dem Affenpocken-Virus infiziert. Das hat laut das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration RTL bestätigt. Zuvor hatte die Pforzheimer Zeitung über den Fall berichtet. Bei der Infizierten handele es sich um ein vierjähriges Mädchen aus Pforzheim in Baden-Württemberg, so das Ministerium.

Das Kind zeige bisher keine Krankheitssymptome und soll sich bei einem infizierten Familienmitglied angesteckt haben. Das Kind und ein weiteres Haushaltsmitglied stünden nun unter Gesundheitsbeobachtung. Außerhalb der Familie soll es keine weiteren engen Kontakte gegeben haben. Trotzdem fragen sich viele, ob sich das Virus jetzt in Kitas und Schulen verbreiten könnte.

Update: Wie das Gesundheitsministerium Baden-Württemberg am Montag mitteilte, ist das Mädchen weiteren Tests zufolge offenbar doch nicht mit dem Affenpocken-Virus infiziert. Weitere Informationen lesen Sie hier.

Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht erklärt, was es jetzt zu beachten gibt.

Das wird keine große Sache!

„Dass das irgendwann so kommen würde, war eigentlich klar. Dennoch wird das keine große Sache werden“, entwarnt Specht im RTL-Interview. Solange die Familie und die Kita einige Dinge beachten, könne man diese Infektion gut eingrenzen. „Das wird jetzt nicht zum Lauffeuer werden in einer Kita, es sei denn, das Kind würde jetzt unerkannt weiteren engen Kontakt zu den Kindern oder anderen Menschen haben. Dann wäre es möglich, dass sich andere infizieren“, so der Experte.

Lese-Tipp: Affenpocken-ABC! Wer infiziert sich aktuell, und wie steckt man sich an?

Auch dieser Infektionsweg ist möglich

Man brauche einen engen und langen Kontakt zu der Infizierten Person , um sich anzustecken. Aber auch eine andere Infektionskette sei möglich, so der Mediziner. „Diese Affenpockenviren können auch auf Gegenständen eine lange Zeit überleben. Aber es ist trotzdem nicht so, dass man sich sofort infiziert, wenn man eine Türklinke anfasst, die vorher ein Infizierter angefasst hat“, sagt Specht. Und weiter: „Aber wenn ich jetzt in einem Bett schlafen würde, wo vorher jemand mit Affenpocken geschlafen hat, dann ist eine Infektion durchaus möglich.“

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Das sollten Kitas unbedingt beachten

Um solche Infektionen über Gegenstände einzudämmen, sollte man typische Oberflächen wie Klinken desinfizieren. Und noch einen besonderen Lieblingsort von Kindergartenkindern, so Specht. „In Kitas gibt es doch Kuschelecken. Mit Schmusedecken, Kissen, Kuscheltieren - die sollte man desinfizieren. In der Regel reicht Waschen aus. Aber auch hier müsste man für eine Infektion langen Kontakt mit den Gegenständen haben.“

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Gefährlich für Kinder!

Für Kinder sei eine Infektion mit Affenpocken gefährlicher als für Erwachsene, so Dr. Specht. Im schlimmsten Fall sogar tödlich. Aber die Zahlen seien nicht ganz zuverlässig, da die Erkenntnisse zu den Affenpocken hauptsächlich aus Endemieländern wie Afrika stammen und diese eine schlechtere medizinische Versorgung haben.

Kein Grund zur Sorge

Kontaktpersonen eines Infizierten sollten über die Impfung nachdenken. „Der Vorteil bei Affenpocken ist, dass eine Impfung auch noch nach dem Kontakt zu einer infizierten Person effektiv ist“, so Dr. Christoph Specht. Europa ist Spitzenreiter im Infektionsgeschehen bei Affenpocken. Zwischen 60 und 70 Prozent der bekannten Fälle gibt es in Europa. Besonders Spanien hat sehr hohe Zahlen. Aber Mediziner Dr. Specht gibt sich zuversichtlich: „So Infektionswellen haben immer Berge und Täler. Ich gehe davon aus, dass das Infektionsgeschehen zum Herbst/ Winter hin wieder abfällt.“