Start der Sommerferien

Tierschutz rechnet mit 50 ausgesetzten Tieren pro Woche

Anouk lief allein durch Hamburg-Rahlstedt. Sie hat noch immer große Angst. Jetzt lebt sie im Tierheim Süderstraße.
Anouk lief allein durch Hamburg-Rahlstedt. Sie hat noch immer große Angst. Jetzt lebt sie im Tierheim Süderstraße.
© Hamburger Tierschutzverein (HTV), Picasa

26. Juni 2021 - 10:51 Uhr

Hallo Ferien, tschüss Haustier?!

Die Zahlen sind erschütternd: Allein in Hamburg wurden seit Anfang Juni über 100 Haustiere im Stadtgebiet gefunden. Laut Hamburger Tierschutzverein wurden viele davon wohl ausgesetzt, weil ihre Halter unbeschwert in den Urlaub fahren wollen. Und die Erfahrung der vergangenen Jahre zeige, dass das erst der Anfang ist: Die Tierschützer rechnen in den Ferien mit mehr als 50 Fällen pro Woche allein in Hamburg.

Corona könnte die Situation für die Tiere verschlimmern

In einen Käfig gesperrt wurden Emma und Amy wie Müll entsorgt.
In einen Käfig gesperrt wurden Emma und Amy wie Müll entsorgt.
© Hamburger Tierschutzverein (HTV), Picasa

"Wie in jedem Jahr machen wir uns auf eine Abgabewelle während der Hamburger Sommerferien gefasst", erzählt die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Janet Bernhardt. "Ob diese durch die Corona-Lockerungen noch verstärkt wird, werden die nächsten Wochen zeigen, es ist aber möglich." Der Lockdown hatte in Deutschland zu einem Haustier-Boom geführt. Mit den Lockerungen und dem Start der Ferien ist die Sorge groß, dass viele Halter ihre Tiere jetzt wieder loswerden wollen.

Manche bringen ihr Tier sogar direkt ins Heim

Die Dunkelziffer der ausgesetzten Tiere liege wahrscheinlich noch wesentlich höher, so die Tierschützerin, denn einige Tiere kommen in freier Wildbahn einfach um und werden nie gefunden. Manche Halter zeigen dennoch einen "letzten Akt der Verantwortung", so der Tierschutzverein: Sie geben ihr Tier einfach direkt im Heim ab.

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Weitere Abgabewelle bei Homeoffice-Ende befürchtet

Die Tierheime befürchten, dass selbst nach den Ferien nicht Schluss ist, denn dann könnte es sein, dass viele wieder zu ihrer Arbeitsstelle müssen anstatt von zu Hause zu arbeiten. Die Leiterin des Kieler Tierheims, Katja Dubberstein, beteuert zwar, sie hätten vermehrt vermittelt, allerdings bei den ausführlichen Vermittlungsgesprächen versucht, unüberlegte Anschaffungen zu verhindern. "Wir haben die Interessenten vor der Vermittlung der Tiere wirklich gut durchleuchtet."

Haustiere aussetzen ist strafbar

"Wer sein Tier aussetzt, nimmt dessen Leid oder sogar Tod in Kauf", so Janet Bernhardt. Tiere einfach auszusetzen ist eine Ordnungswidrigkeit, so die Tierschützerin, und kann mit einem Bußgeld oder sogar einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Verantwortungsvolle Halter organisieren eine Unterkunft für ihre Haustiere, wenn sie im Urlaub sind. Woran Sie eine gute Tierpension erkennen, erklären wir hier. (nid)