Einmal kurz durchlüften, dann geht’s weiterComeback der Hitzewelle? Das sagt RTL-Meteorologe Paul Heger

Sommerwetter
Schwitzen wir bald wieder bei über 40 Grad? (Archivbild)
jbu, Jens Büttner/dpa, Jens Büttner
von Paul Heger und Anke Jonschker

Da bricht uns glatt wieder der Schweiß aus.
Ja, es ist Sommer. Aber bei den Rekord-Temperaturen der letzten Woche von mehr als 40 Grad, verbunden mit der Schwüle, war kaum jemand wirklich happy. Und jetzt scheint sich die nächste Hitzeglocke über Westeuropa aufzubauen. Unser RTL-Meteorologe Paul Heger schätzt die Wetterlage für euch ein.

Kurz durchatmen, dann kommt die Hitze zurück

Die gute Nachricht vorneweg: Die Hitzegeplagten, deren Wohnungen teilweise immer noch sehr warm sind, bekommen in den kommenden Nächten deutlich kühlere Luft. Die Temperaturen sinken regional sogar auf Werte um 10 Grad. Tagsüber liegen wir im Norden teils bei Höchstwerten um 20 Grad, sonst oft um 25 Grad. Eine willkommene Verschnaufpause. Spitzen bis 30 Grad gibt es besonders noch im Südwesten – aber immerhin keine Extremhitze mehr!

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Verschwunden ist die Hitze allerdings nicht. Sie ist nur woanders. Spanien und Portugal bekommen mit einem kräftigen Hoch weiterhin Werte zwischen 35 und 40 Grad, teils auch über 40 Grad. Zum Wochenwechsel verstärkt sich das Hitzehoch erneut und könnte eine neue regelrechte Hitzeglocke über dem Südwesten und Westen Europas werden. Damit rutscht die 40 in den nächsten Tagen wieder in den Süden von Frankreich, und auch wir in Deutschland werden das wohl bald zu spüren bekommen.

Hitzeglocke 2.0: Wie heftig wird die nächste Hitzewelle?

In der neuen Woche (6. bis 13. Juli)wird es wieder heißer. Das scheint trotz aller Unsicherheiten in der Wetterprognose recht sicher zu sein. In der ersten Wochenhälfte scheint sich die Hitzewelle zunächst in Frankreich zu intensivieren und sich eventuell schon bis nach England, Belgien und eventuell in den Südwesten Deutschlands auszubreiten. In der zweiten Wochenhälfte breitet sich die Hitze dann sehr wahrscheinlich nach Deutschland aus. Vor allem am Wochenende sind verbreitet 30 bis 35 Grad möglich, regional auch mehr.

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RTL-Meteorologe Paul Heger.

Wie heftig die neue Hitzewelle wird, ist aber noch nicht klar. Das europäische Wettermodell ist deutlich sanfter unterwegs. Der Südwesten würde demnach drei Tage um 35 Grad, in Spitzen bis rund 37 Grad bekommen. Das amerikanische Wettermodell ist deutlich heißer mit vier Tagen bei Temperaturspitzen von bis 35 Grad bis gut 40 Grad. Diese extreme Hitze würde sich vor allem am Wochenende austoben.

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Mit der übernächsten Woche würde es in beiden Modellen – Stand heute – wieder abkühlen, aber in einigen Regionen schwülwarm bis drückend heiß bleiben. Und die meteorologische Erfahrung zeigt: Hitzehochs zeigen sich oft stabiler und bleiben länger, als es die Wettermodelle anfangs berechnen. Da ist also noch einiges möglich.

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Wird der Rekord von knapp 42 Grad gleich wieder gebrochen?

Auffällig ist die Konsistenz, mit der das amerikanische Wettermodell Tag für Tag in seinen neuen Berechnungen Spitzentemperaturen um 40 Grad ausgibt. Das sollte uns eine Warnung sein. Genau so fing es auch bei der letzten Hitzewelle an, die letztendlich neue Allzeitrekorde bis knapp 42 Grad brachte. Tatsächlich zeigten die Berechnungen für die neue Hitzewelle auch schon mal Spitzen bis 44 Grad. Das waren Extremlösungen dieses Wettermodells, die nicht sehr wahrscheinlich sind.

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Auch wenn sich die Wetterlage in der nächsten Woche nicht so sehr zuspitzen sollte, so sollten wir uns nicht zu sicher sein, dass Temperaturen um 40 Grad nicht noch einmal zurückkehren. Denn ist Europa erst einmal aufgeheizt, bleibt es oft heiß. Dafür spricht auch der Siebenschläferzeitraum, in dem wir uns nun befinden. Wetterlagen, die sich jetzt einstellen besitzen die Tendenz, den gesamten Sommer zu bestimmen. Gleichzeitig stehen die Hundstage mit den statistisch höchsten Temperaturen erst Mitte Juli bis Mitte August an.

Klimakrise bringt historischen Sommer

Um das einmal klar einzuordnen: Das, was wir in diesem Jahr erleben, ist historisch. Und ja, das ist der Klimawandel. Natürlich braucht es auch immer entsprechende Wetterlagen, die Hochs zu uns ziehen lassen. Aber der Klimawandel begünstigt genau diese Wetterlagen. Hitzewellen erreichen uns gleichzeitig schon deutlich früher. Im Mai erlebten weite Teile Europas eine nie dagewesene Frühjahrshitzewelle. Nun im Juni die nächste Hitzewelle für die Geschichtsbücher mit zahlreichen Allzeitrekorden, die nicht selten gleich an mehreren Tagen hintereinander gebrochen wurden.

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Ohne den Klimawandel wären diese Hitzewellen so nicht möglich gewesen. Denn auch das zeigten die Klimaberechnungen schon vor Jahrzehnten: Die Hitze kommt nicht nur früher und häufiger, sie bleibt länger und wird heißer in deutlich größeren Regionen. Höchste Zeit also, um sich darauf einzustellen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche