Größere Brust für mehr Tempo?Verbotener BH-Trick sorgt bei Tour de France der Frauen für Aufregung

Plötzlich geht es bei der Tour de France Femmes um die Oberweiten der Fahrerinnen.
Plötzlich geht es bei der Tour de France Femmes um die Oberweiten der Fahrerinnen.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Simon Becker

Statt die sportliche Leistung steht im Rahmen der Tour de France Femmes gerade die Oberweite mancher Fahrerinnen im Fokus.
Mehrere Teams sollen befürchten, dass Fahrerinnen ihre Oberweite künstlich vergrößern, um aerodynamische Vorteile zu erzielen. Experten halten den Effekt für messbar – erlaubt wäre die Methode allerdings nicht.

Zusätzliche BH-Polster für eine bessere Etappen-Zeit

Das Zeitfahren gehört zu den technisch anspruchsvollsten Disziplinen im Radsport. Jede Sitzposition, jede Bewegung und jedes Detail am Material kann Sekunden bringen oder kosten und so über Sieg oder Niederlage entscheiden. Doch ausgerechnet ein ungewöhnlicher Verdacht sorgt jetzt bei der Tour de France Femmes für Diskussionen.

Wie die niederländische Radsport-Website WielerFlits berichtet, werfen mehrere Frauen-Weltteams einzelnen Fahrerinnen vor, ihre Oberweite fürs Zeitfahren künstlich zu vergrößern. Durch zusätzliche Polster im Sport-BH oder unter dem Trikot sollen sie sich einen aerodynamischen Vorteil verschaffen.

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Mehrere Profi-Teams fordern Kontrollen durch weibliche Juroren

Der Vorwurf kommt nicht zufällig. Am Dienstag (4. August) stand bei der Tour de France Femmes das Einzelzeitfahren über 21 Kilometer von Gevrey-Chambertin nach Dijon auf dem Programm – ein Rennen, in dem oft wenige Sekunden über die Platzierungen entscheiden.

Nach Informationen von WielerFlits sei auf Fotos verschiedener Zeitfahren der vergangenen Saison bei manchen Fahrerinnen eine deutlich größere Oberweite zu erkennen gewesehn als bei regulären Straßenrennen. Betroffen seien auch Rennen auf höchstem Niveau, darunter der Giro d’Italia der Frauen und das olympische Zeitfahren 2024 in Paris.

Mehrere Teams fordern deshalb strengere Kontrollen. Nach ihrer Vorstellung sollten Fahrerinnen unmittelbar nach dem Rennen von einer weiblichen Jurorin überprüft werden, um sicherzustellen, dass sich keine zusätzlichen Polster unter der Wettkampfkleidung befinden.

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Aerodynamik-Professor: „Das ist ganz klar nicht in Ordnung“

Unterstützung bekommen die Teams von Bert Blocken, Professor für Aerodynamik an der Heriot-Watt University in Schottland und der LUT University in Finnland. WielerFlits habe ihm Fotos einer Fahrerin gezeigt, deren Oberweite bei einem Zeitfahren deutlich größer wirkte als bei anderen Rennen.

Und Blockens Urteil fiel eindeutig aus: „Das ist ganz klar nicht in Ordnung.“ Nach seinen Angaben verändert eine künstlich vergrößerte Brust den Luftstrom rund um den Körper. Dadurch werde der Luftwiderstand verringert und die Fahrerin könne schneller unterwegs sein.

Vor zwei Jahren untersuchte Blocken den Effekt sogenannter Brustverkleidungen sogar wissenschaftlich. Seine Forschung wurde auf ScienceDirect veröffentlicht. In der Veröffentlichung steht, dass „die größte Brustverkleidung [...] eine Reduzierung des Luftwiderstands um 3,6 % und einen Zeitgewinn von mindestens 0,78 s pro km” einbringen kann. Was zunächst nach sehr wenig klingt, kann im Profi-Radsport jedoch schnell relevant werden, denn auf einer Strecke von 20 bis 30 Kilometern könnten so mehrere Sekunden zusammenkommen – genauer gesagt 16,38 Sekunden auf der besagten Etappe der Tour de France Femmes.

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Brustvergrößerung laut Reglement verboten

Nach Angaben von WielerFlits verstößt eine künstliche Veränderung der Wettkampfkleidung ganz klar gegen die Regeln des Radsport-Weltverbands UCI. Das Problem sei jedoch, dass entsprechende Kontrollen bislang kaum stattfänden.

Ob und in welchem Umfang Fahrerinnen tatsächlich unerlaubte Polster verwenden, ist bislang nicht nachgewiesen. Fest steht bislang lediglich, dass mehrere Teams das Thema angesprochen und strengere Kontrollen gefordert haben.

Verwendete Quellen: WielerFlits, ScienceDirect