Investorendeal geplantFIFA-Chef Gianni Infantino will den Fußball endgültig zur Handelsware machen

Gianni Infantino
Geld und Macht: Das sind die Triebfedern von Gianni Infantino. Jetzt will er den Fußball komplett durchkommerzialisieren.
MAGO / STEINSIEK.CH

Kommerz ohne Grenzen.
Laut Eigenaussage liebt er den Fußball. So sehr offenbar, dass FIFA-Chef Gianni Infantino (56) ihn sogar verkaufen will. Denn viel wichtiger scheinen ihm Geld und Macht zu sein. Anders lässt sich der geplante Investorendeal der FIFA nicht erklären. Denn profitieren würde davon natürlich auch Infantino selbst – und das in vielerlei Hinsicht.

Er nennt es Demokratisierung – andere nennen es Ausverkauf

Die FIFA und ihr Chef Gianni Infantino treiben die Fußballwelt mit ihrem Plan zum Verkauf von WM-Anteilen an private Investoren weiter in den Wahnsinn. Der Weltverband plant die Gründung einer Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE), die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln soll. Der europäische Fußballverband UEFA kritisiert dieses Vorhaben scharf und sieht darin einen Verkauf der „Seele” des Fußballs. Infantino sieht darin dagegen „die Demokratisierung des Fußballs weltweit”.

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Im Video: Wie die FIFA immer mehr Geld verdienen will

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So sehen die FIFA-Pläne konkret aus

Die FIFA will nach eigenen Angaben „das volle wirtschaftliche Potenzial der Übertragungsrechte und Sponsoringverträge über das gesamte Turnierportfolio im Männer-, Frauen- und Jugendfußball” ausschöpfen. „Sorgfältig” ausgewählte Investoren sollten „Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollrechte an der FFE” erwerben, hieß es in einer Stellungnahme. Basierend auf einer Unternehmensbewertung von 20 Milliarden US-Dollar werde die FFE dieses Jahr bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar aufbringen. Laut Berichten sollen bis zu 20 Prozent der Anteile verkauft werden.

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Das steckt hinter dem Investoren-Deal

„Vorbehaltlich” der Zustimmung durch eine Mehrheit der Mitgliedsverbände und des Councils, in dem auch DFB-Chef Bernd Neuendorf sitzt, soll laut FIFA die Investorengruppe von Thrive Capital angeführt werden. Dabei handelt es sich um eine Investmentgesellschaft von Joshua Kushner, Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Infantinos Verbindungen zu Trump stehen schon seit der Vergabe des „Friedenspreises” im Fokus, Kritiker weisen in Bezug auf die neuen Pläne auf einen möglichen Interessenkonflikt hin. Es ist der jüngste Schritt unter Infantinos Führung, um die FIFA mit noch mehr Geld zu einem kommerziellen Giganten zu entwickeln. Wann die Gremien abstimmen, blieb zunächst offen. Der nächste Kongress findet im März 2027 in Marokko statt.

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Wer von dem FIFA-Deal profitiert

Zum einen ein Großteil der 211 Mitgliedsverbände. Weil sich die Ausschüttung an sie über das FIFA Fast Forward Programme (FFFP) mehr als verdoppeln könnte. Von derzeit acht Millionen US-Dollar pro Vierjahres-Zyklus stiege der Betrag laut des Weltverbands zunächst auf 20 Millionen und bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar. Dazu käme optional eine Einmalzahlung in Höhe von 20 Millionen US-Dollar. Eine große Menge Geld für manch kleinen Verband. Zum anderen profitiert Infantino. Das Geld dient dem FIFA-Chef als Machtinstrument. Er dürfte nächstes Jahr ohne Gegenkandidaten bis 2031 im Amt bestätigt werden. Laut Times hegt er dazu Ambitionen, den Vorsitz des neuen Unternehmens zu übernehmen. Mit einem lukrativen Gehalt?

Diese Gefahren lauern hinter dem Deal

Die FIFA betont, dass sie die „alleinige Kontrolle” über die FFE sowie die Entscheidungsgewalt „über die Führung des Fußballs, Wettbewerbe, den internationalen Spielkalender sowie alle regulatorischen und sportlichen Entscheidungen” behalte. Kritiker befürchten jedoch, dass sich die FIFA durch den Einbezug privater Investoren erheblichem externen Druck aussetzt. Etwa mit Blick auf eine weitere Vergrößerung der WM und der Klub-WM oder eine häufigere Austragung der Turniere als alle vier Jahre. Der Guardian analysierte: „Dies nährt die Befürchtung, dass sie eine häufigere Austragung der WM anstreben und diese nur noch in den lukrativsten Märkten, wie beispielsweise den USA, zulassen würden.” Mit Blick auf die WM 2030 in sechs Ländern diskutiert die FIFA derzeit schon eine weitere Aufstockung von 48 auf 64 Teams.

Es ist übrigens schon Infantinos zweiter Versuch. 2018 erzielte er eine grundsätzliche Einigung über 25 Milliarden US-Dollar für eine erweiterte Klub-WM, als mögliche Geldgeber galten damals die japanische SoftBank sowie der Staatsfonds Saudi-Arabiens. Auch aufgrund des Widerstands aus Europa fand Infantino nicht genügend Unterstützung.

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UEFA denkt über Boykott von FIFA-Veranstaltungen nach

Schon durch den „Fall Balogun” hat sich der Ton der Europäer nochmals verschärft. Nachdem die Sperre des US-Stürmers bei der WM infolge eines Trump-Anrufs bei Infantino ausgesetzt worden war, sprach die UEFA von der Überschreitung einer „roten Linie”. Diesen Worten folgten bislang keine Taten. Einen Gegenkandidaten zu Infantino, der sich dank der WM in den USA, Mexiko und Kanada über Rekordeinnahmen in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar freuen darf, haben die Europäer nicht aufgebaut. Da in den Nationalteams aus Spanien, Frankreich oder England wichtige Zugpferde einer WM aus Europa kommen, besitzt die UEFA aber durchaus einen Hebel. Das Portal Bloomberg schrieb am Dienstagabend: „Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person erwägt die UEFA einen Boykott von FIFA-Veranstaltungen.”

Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf – insbesondere dann nicht, wenn völlig intransparent ist, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen”, schreibt die UEFA.

In Infantinos Welt scheint dies aber sehr wohl möglich zu sein. Denn seine Gier nach Macht und Geld ist offenkundig unermesslich. Und seine „Demokratisierung des Fußballs” nichts anderes als ein billiger Euphemismus.

Verwendete Quellen: sid, dpa, RTL-eigene Recherche