Kommentar zum Rote-Karte-Skandal um US-StürmerWir sind Gianni und Donni und machen den Fußball vor euren Augen kaputt

Ach mein geliebter Fußball, wo entwickelst du dich nur hin …
Eine Rote Karte ist nichts Gutes. Der Übeltäter muss vom Platz und fehlt mindestens ein Spiel. Habe ich so vor 20 Jahren in den Bambinis gelernt. Ein einziges Mal musste ich in meiner „Karriere” so eine Sperre absitzen. War auch berechtigt. Aber so oder so hätte ich nichts daran ändern können. Das sind die Regeln – von der Kreisliga bis zur Champions League. Eigentlich. Bis FIFA-Boss Gianni Infantino plötzlich einen Anruf von Donald Trump bekommt.
Was der Friedenspreis-Träger will, bekommt er auch!
In der 61. Minute des WM-Sechzehntelfinales tritt US-Stürmer Folarin Balogun seinem bosnischen Kontrahenten Tarik Muharemović unabsichtlich auf den Knöchel. Ein schmerzhaftes Foul, für das der Schiedsrichter nach einer VAR-Prüfung die Rote Karte zeigt. Hart aber fair. Ähnliche Entscheidungen sehen wir alle paar Wochen in Bundesliga, Champions League und auch in der Kreisklasse (da aber fairerweise ohne Videoassistenten). Seine Mannschaft kommt zwar weiter, doch der Toptorjäger fehlt im Achtelfinale gegen Belgien. Bis sich Donald Trump einschaltet.
Lese-Tipp: Trump-Ärger bei der WM – jetzt reagiert der DFB-Boss
Denn Berichten zufolge ruft der US-Präsident einfach mal beim FIFA-Chef Gianni Infantino an. Gianni mein Bester, kannst du da nicht was für mich machen? Und natürlich kann der mächtigste Fußball-Funktionär der Welt das. Sogar liebend gerne für seinen alten Kumpel, den er vergangenes Jahr erst mit dem neu eingeführten FIFA-Friedenspreis ausgezeichnet hat. Die Sperre wird auf ein Jahr Bewährung ausgesetzt, die US-Amerikaner bekommen ihren wichtigen Torjäger zurück. Ein handfester Skandal für alle, die den Fußball lieben. Doch das betrifft Infantino und Trump ja zum Glück nicht.
Im Video: Trump verhindert Spieler-Sperre! DAS ist das Skandal-Foul der Fußball-WM 2026
Die FIFA öffnet so die Tür für weitere Skandale
Denn wo kommen wir da bitte hin? Die wohl eindeutigste Regel im Fußball – auf eine Rote Karte folgt eine Sperre – kann jetzt einfach so auf Bewährung ausgesetzt werden, weil mächtige Menschen genau das wollen? Rufen dann bald Uli Hoeneß bei der Bundesliga-Führung oder Real Madrids Florentino Perez bei den Bossen der UEFA an? Das kann doch nicht euer Ernst sein! Wobei: Vielleicht können wir dann ja auch noch mal über das Handspiel von Cucurella bei der Heim-EM 2024 sprechen. Leider fehlt es mir für solch ein Gespräch ein wenig an finanziellen Mitteln und Einfluss.
Lese-Tipp: Jetzt spricht Lothar Matthäus zum Nagelsmann-Aus

Dass der Fußball wegen Geld und Macht immer mehr in die Brüche geht, sehen wir alle schon seit Jahren. Mehr Spiele, teurere Tickets und Pseudo-Trinkpausen. Das sind weitere grandiose Ideen von Infantino, die diese WM seiner Meinung nach „zur großartigsten aller Zeiten machen.” War die vor vier Jahren in Katar, für die tausende Gastarbeiter gestorben sind, übrigens auch schon. Aber sich den Forderungen eines Präsidenten zu sportlichen Tatsachenentscheidungen zu unterwerfen, erinnert schon fast an Hitler und Mussolini, die sich vor dem Zweiten Weltkrieg in Turniere einschalteten.
Proteste von Belgien bleiben wohl ohne Wirkung
All das ist den beiden nur leider herzlich egal. Belgien als Achtelfinalgegner der USA ist verständlicherweise empört, der DFB fordert eine Erklärung der FIFA und sogar der europäische Fußballverband UEFA reagiert entsetzt, spricht von einer überschrittenen „roten Linie.” Ändern wird das nur vermutlich nichts. Balogun spielt, die WM macht die Kassen der FIFA voll und der Italiener wird das Turnier in ein paar Wochen als makellos und perfekt in den Himmel loben.
Ein Schlag ins Gesicht für alle Fußball-Liebhaber. Mit Faustring und hochgekrempelten Ärmeln, vor aller Welt, ohne Scham oder auch nur den Versuch, es zu verstecken. Warum auch? Der Fußball-Chef darf das schließlich – und setzt so seine Zerstörung des Sports, den WIR so lieben, gnadenlos fort. Danke für Nichts, Männer!
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, sid, dpa




