Team Wallraff undercover bei Ruf-JugendreisenMinderjährige heimlich bei Oralsex gefilmt – ohne Konsequenzen? 

Günter Wallraff und sein Team.
Günter Wallraff und sein Team haben die Anbieter Ruf, Fun und Go ins Visier genommen – und teils Erschreckendes enthüllt.
RTL

Wird hier eine Straftat verharmlost?
Alkoholexzesse, Hinweise auf K.o.-Tropfen, Gruppensex: Was „Team Wallraff”-Reporterin Sophia teils während ihres Undercover-Einsatzes bei Ruf-Jugendreisen in Lloret de mar mitbekommt, ist erschreckend. Doch es kommt noch heftiger: Sie erfährt von einer möglichen schweren Straftat.

Minderjährige von Freundin bei Oralsex gefilmt

Während einer Party soll eine Teilnehmerin von Ruf in einem Club einen Jungen kennengelernt haben. Als sie die Toilette aufsucht, geht er hinter ihr her. Dort soll es zum Oralsex gekommen sein. Doch damit nicht genug: Wie ein Teamer-Kollege Sophia erzählt, habe die beste Freundin des Mädchens die beiden dabei gefilmt, das Video anschließend herumgezeigt und offenbar geplant, es weiteren Menschen zu schicken.

Für Sophia ein absolut widerlicher Gedanke. Zwar habe die Freundin das Video auf Anweisung der Teamer gelöscht, weitere Konsequenzen gab es aber anscheinend nicht. Und das, obwohl das Filmen sexueller Handlungen einer Person zwischen 14 und 18 Jahren und die Weitergabe des Videos an andere Personen laut Paragraf 184c des deutschen Strafgesetzbuches den Tatbestand der Jugendpornografie erfüllt.

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Verharmlost die Ruf-Reiseleitung hier eine Straftat?

Reporterin Sophia konfrontiert die Reiseleitung vor Ort mit dem Vorfall. Diese erklärt: „Da ist es dann halt immer wichtig, dass wir sagen, ok, der Teamer redet erstmal mit den betroffenen Gästen darüber und erklärt ihnen, warum das nicht geht. Und dann kann man bisschen schauen und sie sich einfach ein bisschen wohler mit der Situation fühlen, wenn sie nicht direkt beim Chef sitzen müssen.”

Für Sophia ist es angesichts des möglichen Straftatbestandes völlig absurd, dass sich in dieser Situation noch jemand im Gespräch wohlfühlen soll. Wird hier eine mögliche Straftat verharmlost? Und wo bleibt der Schutz des Opfers?

Ruf äußert sich diesem konkreten Fall nicht, schreibt aber: „Bestätigen sich Verstöße gegen unsere Regeln oder unseren Wertekodex, ziehen wir daraus Konsequenzen. Bei minderjährigen Teilnehmer:innen informieren wir grundsätzlich die Erziehungsberechtigten und entscheiden das weitere Vorgehen gemeinsam mit ihnen.“

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Video-Playlist zu Team Wallraff

„Das hat mit Jugendschutz nichts zu tun”

Dies scheint in diesem Fall offenbar nicht passiert zu sein. Team Wallraff zeigt Kerstin Claus, Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, einige Szenen der Recherchen. „Das ist die organisierte Verantwortungslosigkeit und das ist dramatisch. Das heißt, ich muss davon ausgehen, dass auf solchen Reisen mit einem so hohen Alkoholkonsum es auf jeder Reise Mädchen gibt, die Sexualkontakte bis hin zu Vergewaltigungen erlebt haben, die sie im nüchternen Zustand keinesfalls zugelassen hätten. Und das hat mit Jugendschutz logischerweise nichts zu tun. Hier muss man ganz klar sagen, Anbieter sind in der Verantwortung und stehen in der Haftung.”

Kerstin Claus fordert seit Jahren gesetzlich verankerte Schutzkonzepte für kommerzielle Anbieter. Doch die müssen auch umgesetzt werden. Momentan tragen meist sehr junge, oft nicht ausreichend ausgebildete Teamer eine immense Verantwortung.

Der Grund ist für Claus klar: „Weil es um Geld geht. Das ist ein Riesen-Markt und wir haben nicht nur bei Jugendreisen [...] sehr viele kommerzielle Anbieter, die bisher in keiner gesetzlichen Verpflichtung sind und die wollen ganz klassisch Geld verdienen. In dem Moment, wo ich eine Fachkraft bezahlen muss, habe ich höhere Ausgaben, also habe ich am Ende weniger Gewinn für meine Reise oder aber, ich kann die teils extrem günstigen Preise nicht halten.”

Verwendete Quelle: RTL