„Alles halb so wild, solange keiner in den Bus kotzt”Komasaufen, K.o.-Tropfen, Kontrollverlust? Party von Go-Jugendreisen eskaliert anscheinend komplett

Was geht hier nur vor sich?
Dass auf Jugendreisen Alkohol getrunken wird, ist keine Seltenheit. Was „Team Wallraff“-Reporterin Julia allerdings bei einer Party des Jugendreisenveranstalters Go im spanischen Malgrat de Mar erlebt, geht ihrer Meinung nach weit über ein paar Bier hinaus – und das auch bei 15-Jährigen, die eigentlich überhaupt nichts trinken dürften. Wie sicher sind hier vor allem junge Mädchen?

Rotes Armband = kein Alkohol? Das funktioniert anscheinend nicht immer

In Spanien sind Clubs für unter 16-Jährige grundsätzlich verboten. Auf seinen Jugendreisen veranstaltet der deutsche Anbieter Go deshalb Privatpartys in Großdiskotheken, damit die Jüngeren gegen eine Zusatzgebühr dennoch dabei sein können.

Im Sommer 2025 begleitet Reporterin Julia einen solchen Ausflug in die Großdiskothek „Millenium” nahe Girona undercover als Teamerin, also Betreuerin. Eigentlich soll ein Bändchensystem regeln, wer Alkohol bekommt: 16- und 17-Jährige tragen ein gelbes Bändchen und dürfen damit Bier und Weingetränke trinken. Die 15-jährigen Gäste tragen ein rotes Band – was eigentlich heißt: komplettes Alkoholverbot.

Doch Julia beobachtet, dass einige Jugendliche mit roten Bändchen trotzdem an Alkohol kommen: teilweise direkt von den Barkeepern, teilweise holen Ältere ihnen die Drinks. Ein Teamer-Kollege scheint sich daran nicht besonders zu stören: Das sei halb so wild, „solange keiner in den Bus kotzt“, sagt er. Das steht zumindest im deutlichen Kontrast zu dem, was Go Eltern auf seiner Internetseite verspricht. Dort heißt es unter anderem, übermäßiger Alkoholkonsum werde nicht geduldet. Außerdem wolle man sich an die geltenden Jugendschutzbestimmungen halten.

Lese-Tipp: „Bitte versteckt den Alkohol!” Bekommen Jugendliche bei Fun-Reisen eine Anleitung zum illegalen Saufen?

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K.o-Tropfen ins Glas gemischt? 15-Jährige völlig aufgelöst

An einem der folgenden Tage ist Julia zum Dienst im Sanitätsraum der Diskothek eingeteilt. Die spanische Sanitäterin vor Ort spricht offenbar nur wenig Englisch und kein Deutsch. Julia sorgt sich um ein blasses Mädchen mit rotem Armband. Sie habe zuvor schlecht Luft bekommen, berichtet die Jugendliche.

Kurz darauf kommt die 15-jährige Antonia* hinzu. Auf Julia wirkt sie völlig aufgelöst. Sie äußert einen beunruhigenden Verdacht: Ein Junge habe ihr etwas in den Drink gemischt. „Auf einmal hatte er so ein Getränk und ich hab das getrunken und dann war mir total schwindelig“, erzählt sie weinend. Er habe sie auch angefasst. Ob das stimmt, kann Julia nicht überprüfen – das Mädchen will nicht sagen, wie der Junge aussah.

Für die Reporterin ist die Lage trotzdem alarmierend: Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre auf der Party möglicherweise jemand unterwegs, der Jugendliche gezielt in einen wehrlosen Zustand bringen will.

Lage im Sanitätsraum spitzt sich immer weiter zu

Noch während Julia gemeinsam mit einer Sanitäterin und einer weiteren Teamerin versucht, Antonia zu beruhigen, wird bereits das nächste offensichtlich betrunkene 15-jährige Mädchen von Freundinnen gestützt in den Raum gebracht und gibt zu, „bisschen Sangria“ getrunken zu haben. Insgesamt beobachtet Julia an diesem Abend fünf junge Mädchen, die sich kaum noch auf den Beinen halten können.

Parallel verschlechtert sich auch der Zustand des 16-jährigen Benni*, der am Rand der Couch sitzt: Julia beobachtet, wie er sich mehrfach übergibt und zeitweise überhaupt nicht mehr ansprechbar ist. Sein Kopf kippt immer wieder nach hinten, seine Haut ist mit Schweiß überzogen. Julia hat den Eindruck, als könne er jeden Moment kollabieren, und würde am liebsten einen Krankenwagen rufen. Doch die Sanitäterin versichert Julia, dass es sich nicht um eine Alkoholvergiftung handele und der Jugendliche nur schlafe.

Weiterer K.o.-Tropfen-Verdacht beunruhigt Reporterin

Dann überschlagen sich die Ereignisse: Bei einem weiteren Mädchen, das auf der Couch ständig umkippte und deshalb auf einer Liege platziert wurde, vermutet Julias Teamer-Kollegin K.o.-Tropfen: „Ich bin gedanklich safe darin, dass da was ins Getränk gemischt wurde.“ Als Julia dem Mädchen aufhelfen will, damit die Sanitäterin es genauer untersuchen kann, sackt es bewusstlos in ihren Armen zusammen. Gemeinsam schaffen es die beiden Teamerinnen, die Jugendliche auf das Sofa zu hieven. Währenddessen übergibt sich Benni weiterhin.

Gegen drei Uhr morgens schließt schließlich die Diskothek. Die Jugendlichen sollen mit den Bussen zurück in ihre Camps fahren. Julia verliert die betroffenen Mädchen aus den Augen, weil sie sich auf Benni konzentriert, der nach ihrer Beobachtung nicht mehr selbstständig laufen kann. Ein Teamer und ein Freund müssen ihn teilweise zum Bus tragen. Im Camp wird der Jugendliche in sein Zelt gebracht, um seinen Rausch auszuschlafen.

Video-Playlist zu Team Wallraff

Welche Konsequenzen hat diese Chaos-Nacht?

Beim morgendlichen Teammeeting wird die teils so eskalierte Nacht besprochen. Julia findet die Mahnung des Chefs, jeder Teamer solle sich „ein bisschen selber reflektieren“, zu unverbindlich für das Ausmaß der Vorkommnisse. Sie spricht den mehrfachen Verdacht auf K.o.-Tropfen an. „Schreib mir gerne noch mal eine Liste mit den Leuten und dann leite ich das mal weiter“, antwortet der Teamleiter. „Aber dass Leuten Sachen ins Getränk getan werden von unseren Teilnehmenden, ist schon sehr selten.“ Ob der Sache nachgegangen wird, erfährt Julia nicht, weil ihr Einsatz kurz darauf endet.

Team Wallraff hat Go zu einer Stellungnahme zu den Ereignissen gebeten. Der Veranstalter schreibt, man könne die detaillierten Fragen zur vorletzten Saison 2025 ohne genauere Angaben nicht beantworten. Und weiter: „Unser Partyreisekonzept bietet mit den besten Standard in der Branche. Teilnehmende werden nicht allein oder sich selbst überlassen, gefeiert wird mit den Betreuer:innen zusammen (…)“

*Name von der Redaktion geändert

Verwendete Quelle: RTL