Neue Studie zu „Hatespeech“ im NetzWo hört Meinungsfreiheit auf – und wo fängt Hassrede an?

von Vanessa Nikić

Die Landesanstalt für Medien NRW hat eine Studie über „Hatespeech“ im Netz in Auftrag gegeben – also Hassrede. Aber was ist das überhaupt? Wo hört Meinung auf und fängt Hassrede an? Die Wahrnehmung ist subjektiv.

Fast 80% der Befragten ist Hatesspech im Netz begegnet

Liken, teilen, kommentieren: das gehört für die meisten zum Alltag. Doch dabei kommt es auch zu sogenannter Hatespeech - also Hassrede. Das zeigen zumindest Ergebnisse einer neuen repräsentativen Studie. Fast 80 Prozent der Befragten ist Hass im Netz schon begegnet - etwa der Hälfte davon regelmäßig. Auftraggeber der Umfrage ist die Landesanstalt für Medien NRW. Befragt wurden etwas mehr als 1.000 deutschsprachige Nutzer. Betroffen von Hass im Netz sind vor allem Menschen mit anderer politischer Überzeugung und Religion, so die Studie.

Was ist überhaupt Hass im Netz?

Eine einheitliche Definition für „Hassrede“ gibt es nicht. Was für den einen Meinung ist, kann für den anderen schon „Hatespeech sein“. Die Wahrnehmung ist individuell. Das weiß auch Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW. Gegenüber RTL WEST sagt er: „Bei einer repräsentativen Befragung ist es die Sichtweise derer, die wir befragten und ob das justiziabler Hass ist oder einfach nur sehr schlimme Geschmacklosigkeit, schlecht auseinanderzuhalten. Aber was wir schon feststellen, ist, dass eine zunehmend politisierte und polarisierte Gesellschaft dazu beiträgt, dass sozusagen diese Extreme immer salonfähiger werden. Ich glaube, dass sich das jeder bewusst machen muss, insbesondere im politischen Umfeld.” Die Plattformen sind dabei ein Brandbeschleuniger, sagt Tobias Schmid, da sie von den Klicks profitieren.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Kritik an Maßnahmen: Behörden dürfen nicht die Meinungsfreiheit einschränken

Die User im Netz bleiben oft anonym. Deshalb arbeiten die Medienanstalten mit dem Bundeskriminalamt zusammen. Doch manche Maßnahmen gehen zu weit findet Ralf Witzel von der FDP. Er meint: „Wichtig ist, dass jeder sich seine Handlungen auch in der digitalen Welt bewusst ist. Entscheidend ist aber, dass der Staat nur dann einzugreifen hat, wenn gegen Recht und Gesetz und die Werte der Verfassung verstoßen wird. Und da gibt es oftmals von vielen Seiten in der Politik eine große Kontrollwut, viele Verdächtigungen und Überreaktionen.” Stattdessen setzen sich die Liberalen für mehr Medienkompetenz ein in Kitas, Schulen und Kursen für Erwachsene.

Leitsätze von RTL WEST

Auch RTL WEST ist auf Social Media und befasst sich mit dem Thema. Tobias Janßen, Head of Social Media bei RTL WEST, erklärt, dass die Kommentarspalten ein Ort der Diskussionen sind und bleiben sollen. Dabei achtet er gemeinsam mit seinem Team darauf, dass strafrechtlich relevante Kommentare ausgefiltert werden. „Auf der anderen Seite wollen wir auch die Meinungsfreiheit nicht einschränken”, so Janßen. Online gelten, wie für die Sendung, die RTL WEST Leitsätze: „Zeigen was ist“ und „Der Aufklärung verpflichtet“. Wichtig dabei: Verschiedene Ansichten zu Wort kommen lassen - damit Zuschauer und Online-Nutzer sich ihre eigene Meinung bilden können.