Gleichberechtigung und SicherheitWeniger Gehalt, Angst in der Nacht, fehlende Schutzplätze: Wo Frauen in NRW noch benachteiligt sind
Sicherheit im öffentlichen Raum, gleiche Chancen im Beruf und die Vereinbarkeit von Familie und Karriere: Gleichberechtigung ist auch in Nordrhein-Westfalen noch nicht überall Realität. Vor allem Unterschiede beim Gehalt, das Sicherheitsgefühl von Frauen und fehlende Plätze in Frauenhäusern zeigen, wo weiterhin Handlungsbedarf besteht.
Gender Pay Gap: Frauen in NRW verdienen 15 Prozent weniger
Was beschäftigt Frauen in Nordrhein-Westfalen? RTL WEST hat sich dazu in der Kölner Innenstadt umgehört. Viele Befragte nennen vor allem das Gefühl von Unsicherheit, wenn sie nachts allein unterwegs sind. Andere beschäftigt die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Auch bei einem Pressegespräch der NRW-SPD in Düsseldorf steht das Thema auf der Agenda. Nach Angaben der Partei verdienen Frauen in NRW im Durchschnitt 15 Prozent weniger als Männer. Ein Teil dieses sogenannten Gender Pay Gaps lässt sich unter anderem durch unterschiedliche Berufe, Arbeitszeiten oder Karrierewege erklären. Werden Frauen und Männer mit vergleichbaren Qualifikationen und Tätigkeiten gegenübergestellt, liegt der bereinigte Verdienstunterschied bundesweit bei sechs Prozent. Für Lisa Kapteinat (SPD) ist klar: Es muss sich etwas ändern. Frauen steckten insbesondere nach der Geburt von Kindern beruflich noch immer häufiger zurück. Die SPD-Politikerin spricht sich deshalb für eine sogenannte „Equal-Share-Prämie“ aus. Eltern, die sich die Elternzeit annähernd gleich aufteilen, sollen demnach 300 Euro monatlich steuerfrei erhalten. Außerdem fordert Kapteinat eine verlässlichere Kinderbetreuung. NRW-Gleichstellungsministerin Verena Schäffer (Grüne) betont ebenfalls die Bedeutung verlässlicher Kitas für die Gleichstellung. Gleichzeitig sieht sie auch Arbeitgeber in der Verantwortung, bessere Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen.
Viele Frauen fühlen sich nachts unsicher
Ein weiteres Thema ist das Sicherheitsgefühl. Laut den beim Pressegespräch vorgestellten Zahlen fühlen sich nur gut 22 Prozent der Frauen nachts allein an öffentlichen Orten sicher. Unterschiedliche Positionen gibt es bei der Frage, welche Rolle Migration bei der Sicherheit von Frauen spielt. Die NRW-SPD warnt vor pauschalen Zusammenhängen. Die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter sieht dagegen auch kulturell unterschiedliche Vorstellungen von Geschlechterrollen als einen relevanten Faktor. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist ausländische Tatverdächtige bei verschiedenen Delikten gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil überproportional aus. Solche Zahlen allein erlauben allerdings keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Ursachen von Kriminalität. Die Statistik zeigt zugleich, dass die Zahl der registrierten Sexualdelikte in Nordrhein-Westfalen 2025 gestiegen ist.
Frauenhäuser in NRW stoßen an ihre Grenzen
Auch häusliche Gewalt bleibt ein großes Problem. Betroffene Frauen suchen häufig Schutz in Frauenhäusern, doch in Nordrhein-Westfalen fehlen seit Jahren Plätze. Sibel Başıkoğlu arbeitet in einer solchen Einrichtung in Mönchengladbach. Sie kritisiert, dass Verbesserungen aus ihrer Sicht zu langsam vorankommen. Frauen, die vor Gewalt fliehen müssen, bräuchten schnell und unkompliziert einen sicheren Ort.
Hier finden Betroffene von Gewalt Unterstützung
Wer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen ist, kann sich an Beratungsstellen und Hilfsangebote wenden. Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter 116 016 erreichbar. Kinder und Jugendliche finden Unterstützung bei der „Nummer gegen Kummer“ unter 116 111, für Eltern gibt es dort ebenfalls ein Beratungsangebot. Für von Gewalt betroffene Männer gibt es zudem ein eigenes Hilfetelefon.

































