Knochenjob fürs KönigsgemüseSpargelstechen auf Probe: RTL WEST Reporterin testet Saisonarbeit auf Hof Kallen
Auf dem Hof Kallen in Dormagen hat die Spargelsaison deutlich früher begonnen als üblich. Sehr zur Freude vieler Fans des Königsgemüses. Für RTL WEST Reporterin Emily Massenberg ist der Startschuss Anlass für einen Selbstversuch: Spargelstechen wie eine Saisonkraft.
Frühe Ernte, harte Arbeit
Die Reihen sind gezogen, die weißen Stangen stehen im Damm. Der „Stangen-Startschuss“ ist gefallen. Dass die Ernte dieses Jahr so früh losgeht, liegt an vielen Sonnenstunden in den vergangenen Wochen und am geeigneten Boden rund um Dormagen. Geschäftsführerin Helena Kallen freut sich über den frühen Frühling und die neue Saison. Auf dem Feld zeigt der rumänische Saisonarbeiter Marian Pastae unserer Reporterin, wie das Stechmesser angesetzt wird. Schon nach wenigen Minuten merkt sie, wie anspruchsvoll die Arbeit ist. Der Spargel will nicht immer so, wie sie will.
Zwei Stunden im Rücken, Monate im Akkord
Während die übrigen Erntehelfer nach kurzer Zeit weiterziehen, arbeitet unsere Reporterin allein weiter und kommt langsam in einen Rhythmus. Bei 16 Grad steht sie im T-Shirt auf dem Feld, der Rücken meldet sich schnell. Gleichzeitig genießt sie die Arbeit an der frischen Luft: Sonne, zwitschernde Vögel und der offene Acker statt Büro. Ihr wird aber schnell klar: Für sie ist es ein Tagesexperiment, die Saisonkräfte machen diesen Job monatelang, bei Hitze, Regen oder Kälte. Auf Hof Kallen verdienen sie nach Angaben der Betreiberin mindestens 13,90 Euro pro Stunde. Rund acht Stunden am Tag sind üblich.
Sieben Kilo in zwei Stunden – mit Schwund
Zurück am Hof wird abgerechnet: Etwa sieben Kilo Spargel hat die Reporterin in zwei Stunden gestochen. Profis kommen im gleichen Zeitraum auf mindestens die doppelte Menge. Helena Kallen schaut sich die Stangen kritisch an: Einige sind zu schräg abgeschnitten oder zu kurz, für die Vermarktung braucht es eine gewisse Mindestlänge und -stärke. Ein bisschen Ausschuss sei normal, sagt sie. Trotzdem zeigt der Vergleich, wie viel Übung im professionellen Stechen steckt. Für Emily Massenberg steht fest: Spargelstechen ist „kein Zuckerschlecken“ und sie wird jede Stange in dieser Saison mit deutlich mehr Respekt essen.
Warum Spargel so teuer ist
Auf dem Hof Kallen kostet das Kilo Spargel je nach Sortierung ab 9,90 Euro, die beste Qualität liegt bei 17,90 Euro. Am günstigsten soll es im Mai werden, wenn mehr Ware auf den Markt kommt. Der Preis hat vor allem mit dem hohen Anteil an Handarbeit zu tun. Spargel lasse sich nur in wenigen Schritten maschinell bearbeiten, betont Helena Kallen – der Rest sei körperliche, präzise Arbeit direkt auf dem Feld. Genau das macht das Gemüse aus ihrer Sicht zum „König des Gemüses“. Nach ihrem Tag in Dormagen zieht die Reporterin ihr persönliches Fazit: Königin des Stechens wird sie wohl nicht mehr, aber den Wert jeder einzelnen Stange sieht sie jetzt mit anderen Augen.

































