Sie helfen dort, wo sonst kaum jemand hinkommt Retter aus der Luft - mit dem Hubschrauber zum Unfall

von Martin Breunig

Sie sind die Retter aus der Luft: die Crew des Rettungshubschraubers Christoph Europa 1 aus Würselen. Wenn sie angefordert werden, geht es meistens um Schwerverletzte. In nur zwei Minuten ist die fliegende Rettungsstation einsatzbereit.

Christoph Europa 1 und seine Crew

Im Notfall entscheiden Sekunden über Leben und Tod. Die Rettungsflieger von Christoph Europa 1 aus Würselen sind schneller als jeder Rettungswagen. Sie helfen dort, wo sonst kaum einer hinkommt. An Bord: Pilot Michael Schneider (54 Jahre, Flieger aus Leidenschaft mit über 7.500 Rettungsflügen), Notarzt Stephan Ortmanns (59 Jahre, fliegt seit 26 Jahren im Hubschrauber mit) und Notfall Sanitäter Bernd Syben (50 Jahre mit rund 10.000 Einsätzen).

Hubschrauber mit Hightech-Medizin an Bord

Bevor der Hubschrauber abheben kann, überprüft Pilot Michael Schneider seine Maschine auf Herz und Nieren. Sind alle Leitungen dicht, ist das Getriebe okay oder gibt es Verschmutzungen, die der Hydraulikanlage schaden können? Der Name des ADAC Hubschraubers, Christoph Europa 1, geht auf den heiligen Christopherus zurück. Er ist der Schutzheilige der Reisenden. Im Inneren der fliegenden Rettungsstation ist jede Menge Medizintechnik verbaut. Vom Intensiv-Beatmungsgerät bis zu elektrischen Spritzenpumpen gibt es alles, um das Leben der Patienten zu retten.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Einsätze mit Kindern sind die Schlimmsten

Pünktlich zum Sonnenaufgang kommt der Heli aus dem Hangar. So soll im Alarmfall alles schneller gehen. Die Leitstelle der Feuerwehr entscheidet, wann der Heli zum Einsatz kommt. Auch wenn die Rettungsflieger schon viel erlebt haben. Immer, wenn Kinder ins Spiel kommen, sind auch die Profis besonders angespannt. Viele haben selbst Kinder. Zwischen wenigen hundert Euro und mehreren tausend Euro kostet der Einsatz des Rettungshubschraubers im Durchschnitt. Gezahlt wird er von der Krankenkasse. Der Heli fliegt mit einer Geschwindigkeit von 230 Stundenkilometern. Jeden Ort im Umkreis von 50 Kilometern von der Basis in Würselen kann die Rettungscrew innerhalb von 15 Minuten erreichen. Wenn keine Einsätze sind, kümmern sich Notarzt und Notfallsanitäter um die medizinische Ausstattung des Hubschraubers. Sie müssen sich jederzeit auf ihre Ausrüstung verlassen können. Aber nicht nur der Medikamentenvorrat ist wichtig. Es kommt immer auf die Teamarbeit an. Denn bei den Einsätzen müssen sich alle drei Besatzungsmitglieder blind aufeinander verlassen können. Viele arbeiten schon mehrere Jahre zusammen.

Fliegende Rettungsstation mit 1.300 PS

Der Hubschrauber wird regelmäßig nachgetankt. Die Crew ist dafür verantwortlich immer einsatzbereit zu sein. Zwei Turbinen mit insgesamt 1.300 PS treiben Christoph Europa 1 an. Rund 220 Liter Kerosin braucht der Helikopter pro Flugstunde. Kosten für die fliegende Rettungsstation: elf Millionen Euro.

Insgesamt 60 Rettungshubschrauber in Deutschland

Mit 60 Rettungshubschraubern in ganz Deutschland und 37 Stationen gehört der ADAC zu einer der größten Luftrettungsstationen Europas. Bis heute gab es mehr als 1,3 Millionen Einsätze für die fliegenden Notärzte. Oftmals ist die Arbeit in extrem Situationen gefährlich für die Rettungscrew. Eines ist jedoch immer gleich, der Kampf ums Überleben der Patienten. In Nordrhein Westfalen sind sechs Rettungshubschrauber stationiert. Allein im vergangenen Jahr gab es für die Piloten aus Würselen mehr als 6.500 Einsätze.

1970 fliegt der erste Rettungshubschrauber

Angefangen haben die ADAC Rettungshubschrauber 1970. In München kam der Notarzt zum ersten Mal aus der Luft direkt zum Unfall. Schon damals waren die Einsätze so spektakulär wie heute.

Was bringt die Zukunft?

Aber wie könnte die Zukunft des Rettungsdienstes aus der Luft aussehen? Mit einem elektrisch angetriebenen Multicopter soll der Notarzt künftig zum Einsatz geflogen werden. Mit an Bord wäre dann nur zusätzlich noch ein Pilot. Das Ganze soll effektiver, Kosten günstiger und leiser sein. Noch ist das Ganze in der Erforschungsphase. Frühestens 2027 könnten offizielle Testflüge stattfinden.