Kneipe, Klassenzimmer, FlüchtlingsunterkunftNeue Übungsstadt in Olpe: NRW-Polizei trainiert im Fake-Ort für Terror- und Alltagseinsätze

von Niklas Bönsch

In Olpe ist ein Trainingszentrum entstanden, das aussieht wie eine kleine Stadt: mit Kneipe, Postfiliale, Klassenzimmer und Flüchtlingsunterkunft. Aber dort lebt niemand. Alles ist nur Kulisse. Künftig sollen Polizisten dort Alltagssituationen, aber auch Extremlagen so realitätsnah wie möglich üben.

Amokhalle für Terrorlagen

Herzstück des neuen Komplexes ist die sogenannte Amokhalle. Dort wurde eine Innenstadt nachgebildet, in der Szenarien wie terroristische Anschläge trainiert werden können. Einsatztrainer Nils Böhnke erklärt, dort werde geübt, wie die Polizei taktisch vorgeht, wenn etwa eine Person bewaffnet durch ein Stadtzentrum läuft. Ziel ist, Abläufe einzuüben, damit im Ernstfall jede Bewegung sitzt. Ergänzt wird das Gelände durch Schießstände und Mattenräume für Nahkampf- und Zugriffstraining.

Routinen für den Ernstfall

In Olpe werden künftig Beamte aus fünf Polizeibehörden trainieren, darunter auch aus dem Oberbergischen Kreis. Abteilungsleiter David Clemens betont, wie wichtig die wiederkehrende Übung sei: In dem Moment, in dem ein Szenario eintrete, müsse die Polizei handlungsfähig sein. Diese Handlungsfähigkeit werde nur erreicht, wenn Handlungsroutinen immer wieder geprobt würden. Das Trainingszentrum ermögliche es, ganz unterschiedliche Lagen – von alltäglichen Einsätzen bis hin zu Ausnahmesituationen – in kontrollierter Umgebung durchzuspielen.

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Teure Kulisse auf Zeit

Gebaut wurde das Zentrum von einem Unternehmen aus Ibbenbüren. Die Kosten liegen in einem mittleren zweistelligen Millionenbereich. Eigentümer bleibt die Firma. Das Land Nordrhein-Westfalen mietet die Anlage für mindestens 25 Jahre an. Über die genaue Miethöhe schweigt sich das Unternehmen aus. Mit Olpe sind nun sieben solcher Einrichtungen in NRW fertiggestellt, fünf weitere sollen noch folgen: insgesamt also zwölf Standorte für praxisnahes Training.

„Wohnungsnahes“ Training statt langer Anfahrten

Manche Kritiker halten die Zahl der Zentren für überdimensioniert. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) widerspricht. Würden alle Beamten für Trainings etwa bis nach Köln fahren müssen, ginge zu viel Zeit auf der Strecke verloren, argumentiert er. Das Konzept sehe vor, die Einrichtungen möglichst nah an den Wohn- und Dienstorten der Beamten zu platzieren, ohne in jeder Region eine eigene, teure Anlage zu bauen. Für Reul ist dieses Netz an Standorten ein „fairer Kompromiss“ zwischen Effizienz und Kosten.

In vier Jahren soll das Netz stehen

Die noch fehlenden Trainingszentren sollen innerhalb der nächsten rund vier Jahre fertig werden. Dann soll jeder Polizist in NRW Zugang zu realitätsnahen Übungsszenarien haben: vom fiktiven Kneipeneinsatz bis zur simulierten Terrorlage in der Amokhalle. Ziel ist es, die Einsatzkräfte so vorzubereiten, dass sie im Ernstfall nicht nur rechtlich, sondern auch praktisch und mental bestmöglich gewappnet sind.