Besondere Stiche in Gelsenkirchener StudioMutmacher-Tattoos sollen Halt geben - Aktion für persönliche Krisen

von Julian Schlauch

Lange hatte Eileen Wolters mit ihrer Vergangenheit gekämpft. Immer wieder erinnerte sie sich an früher. Doch dann wollte sie ihre Geschichte hinter sich lassen: mit einem sogenannten Mutmacher-Tattoo.

Gewalt in der Kindheit

Aus Angst vor ihrem Vater schloss sich Eileen als Kind immer wieder in ihrem Zimmer ein. Ihr Vater war ihrer Mutter gegenüber gewalttätig. Zu Weihnachten versprach ihre Mutter ihr oft, dass das Fest nächstes Mal ohne ihren Papa stattfinden würde. Als sie acht Jahre alt war, wurde ihr Vater wegen Drogenhandels und Prostitution festgenommen. Er kam für sechs Jahre ins Gefängnis. Ihre Mutter ließ sich scheiden. Aber was Eileen erlebt hat, hinterließ Wunden. Sie hatte immer noch regelmäßigen Kontakt zu ihrem Vater. Im Juni vergangenen Jahres musste die Kita-Begleitung deswegen sogar in eine Tagesklinik. Das war für sie der Wendepunkt. Seitdem hatte sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater.

Anker in der Not

Das wollte sie endgültig besiegeln und mit ihrer gewaltsamen Kindheit abschließen: mit einem Mutmacher-Tattoo. Die kleinen Motive werden seit März 2026 im Gelsenkirchener Studio Beauty & Color für 30 Euro gestochen. Sie sollen in schwierigen Zeiten Halt geben. Die Idee dazu kam Tätowiererin Nicole Grützner, nachdem sie selbst einen Schicksalsschlag erlebte. Aus drei verschiedenen Motiven können die Kunden wählen. Alle stammen aus Nicoles Feder. Eileen entscheidet sich für das Motiv „Nach dunklen Zeiten kommt Licht“.

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Geschichten durch Geschichten

In den ersten zwei Monaten der Aktion wurden schon 100 dieser Motive gestochen. Berechnet werden nur die Materialkosten, denn es soll sich jeder eins leisten können, sagt Nicole Grützner. Ihr Bauchgefühl entscheidet, ob jemand wirklich einen Mutmacher auf der Haut braucht oder nicht. Manche Kunden sind unerwartet großzügig. Eine 83-jährige Frau ließ sich mit dem Mutmacher ihr erstes Tattoo stechen, nachdem ihr Mann verstarb. Sie zahlte aber den doppelten Preis, um so ein Tattoo für jemanden zu sponsoren, der sich das vielleicht nicht leisten kann.

Erstmal können sie und ihre Kollegin die 30-Euro-Tattoos noch selbst finanzieren. Damit das auch so bleibt, sucht sie aber nach einem Sponsoren, der dem Studio für die Aktion unter die Arme greift. Aufhören, Menschen, wie Eileen glücklich zu machen, will sie nicht.

Hilfetelefon für Opfer von Häuslicher Gewalt:

Gewalt gegen Frauen: 116 016

Gewalt gegen Männer: 0800/1239900