Angehörige fühlen sich allein gelassenKritik an Pflegereform - „Anti Wertschätzungsprogramm“
Willi Glatki aus Geldern (Kreis Kleve) ist 77 Jahre alt und hat Alzheimer. Seine Frau Christel betreut ihn zu Hause. Sie erhält dafür monatlich 345 Euro Pflegegeld. Genau an diesem Geld will die Bundesregierung künftig sparen. Das wertet die 72-Jährige als Affront.
Spart die Bundesregierung an der häuslichen Pflege?
Der NRW-Landesverband der Alzheimer Gesellschaften e.V. sieht die Reformpläne der Bundesregierung als „Anti Wertschätzungsprogramm“. Die Pläne stammen aus dem Referentenentwurf zum „Pflegeneuordnungsgesetz“ (PNOG). Noch ist das Gesetz nicht beschlossen, aber die Kritik wächst. Der Entwurf will die Leistungen für die häusliche Pflege stärker budgetieren. Das bedeutet: Wer mehr Sachmittel oder Verhinderungspflege braucht, bekommt diese Kosten beim Pflegegeld abgezogen, weil die Gesamtleistung gedeckelt ist. Die 130 Euro pro Monat im Pflegegrad 1 für Alltagshilfen sollen ganz entfallen. Dadurch könnten Alltagshelfer nicht mehr zwei bis drei Stunden nach Hause kommen. Gleichzeitig sollen die Schwellenwerte für die unteren Pflegegrade 1 und 2 angehoben werden. Die Begutachtung wird verschärft. Der Verband befürchtet, dass dann weniger Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Die höheren Pflegegrade würden schwerer erreichbar. Die Leistungen der häuslichen Pflege seien in den letzten Jahren nur unzureichend an die Lohn- und Preisentwicklung angepasst worden.
Weniger Rentenbeiträge und ein „fatales Signal“
Ein weiterer Punkt der Reform ist die Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige. Die Bundesregierung will die Beiträge von 100 Prozent auf 70 Prozent des Bemessungsbetrags senken. Das bedeutet: Pflegende Angehörige sammeln deutlich weniger Rentenpunkte. Peter Pick, Vorsitzender des Landesverbandes, nennt das ein „fatales Signal“. Er sagt: Wer Angehörige pflegt, leistet einen Beitrag, der im Pflegeheim durch Profis erbracht wird. Die Betroffenen hoffen, die Sparpläne noch verhindern zu können. Sie sagen: Noch nie sei ein Gesetzentwurf in der ersten Fassung durchgegangen. Menschen wie Christel Glatki würden sich freuen, wenn die Reform nicht so kommt. Der Verband fordert einen Dialog mit Bund und Land. Die Pflege müsse fair finanziert werden.

































