Initiative für Betroffene bietet Austausch und UnterstützungKrebs bei jungen Menschen - wenn die Diagnose mitten ins Leben trifft

von Emily Massenberg

Die Diagnose Krebs trifft junge Erwachsene oft in einer Lebensphase voller Pläne: Ausbildung, Karriere, Familiengründung. Plötzlich ist alles anders. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 15.600 Menschen im Alter zwischen 15 und 39 Jahren neu an Krebs. Drei von ihnen haben aus ihrer eigenen Betroffenheit heraus eine Initiative gegründet. Sie bietet jungen Erkrankten Halt und Austausch.

Schock ohne Vorwarnung

Simin Heuser war 27 Jahre alt, als sie die Diagnose erhielt – völlig unerwartet: ein Hirntumor. „Als ich in den Besprechungsraum gegangen bin, habe ich das Bild im Hintergrund vom Radiologen gesehen und dachte, oh, da hat aber jemand eine schlechte Diagnose bekommen – weil ich nicht damit gerechnet habe, dass das mein Gehirn ist“, erinnert sie sich. Der Tumor musste operativ entfernt werden. Für Simin war es eine existenzielle Erfahrung. Die Operation verlief erfolgreich. Seit drei Jahren ist sie tumorfrei. Doch die Nachsorge wird sie ein Leben lang begleiten. Was in dieser Zeit fehlt, ist Austausch mit Gleichaltrigen. Menschen, die verstehen, wie es ist, jung und schwer krank zu sein.

Vom Austausch zur Initiative

Über die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs lernte Simin zwei andere Betroffene kennen. Schnell wurde ihnen klar: Es braucht mehr Angebote für junge Betroffene, mehr Räume für ehrliche Gespräche, für Wut, Angst – aber auch für Lebensfreude. Gemeinsam gründeten sie den Verein „Krebs Kollektiv e. V.“. In Köln organisieren sie regelmäßige Treffen. Rund 120 Mitglieder zählt der Verein inzwischen: Junge Erwachsene, die in oder nach einer schweren Zeit Gemeinschaft und Verständnis finden.

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Mehr als nur eine Krankheit

Um ihre Arbeit zu finanzieren, haben die drei Gründer zusätzlich ein eigenes Modelabel ins Leben gerufen. Auf vielen Kleidungsstücken steht der Satz: „Gut und dir?“ – eine Anspielung auf die oft oberflächliche Frage nach dem Befinden. Krebs trifft junge Menschen anders. Doch durch Initiativen wie das Krebs Kollektiv entsteht aus der eigenen Erkrankung für Betroffene auch etwas Verbindendes: Mut, Solidarität – und das Gefühl, nicht allein zu sein.