7,8 Prozent weniger als im VorjahrImmer weniger Ausbildungsplätze – neuer Tiefstand bei NRW-Unternehmen
Wer in Nordrhein-Westfalen eine Ausbildung sucht, hat weniger Auswahl als noch vor einem Jahr. Bis Ende Juli wurden der Bundesagentur für Arbeit 89.661 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind 7,8 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenige wie noch nie. Ein Grund dafür ist die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen.
BIA in Solingen bietet weniger Ausbildungsplätze an
Das zeigt sich auch bei BIA Kunststoff- und Galvanotechnik in Solingen. Das Unternehmen mit knapp 1.100 Mitarbeitern fertigt verchromte Kunststoffbauteile vor allem für die Automobilindustrie, mittlerweile aber auch für Haushaltsgeräte an. 2022 wurden bei BIA noch 15 Ausbildungsstellen besetzt. In diesem Jahr sind es nur sechs. Geschäftsführer Jörg Püttbach erklärt den Rückgang unter anderem mit der wirtschaftlichen Unsicherheit. Ausbildung sei zunächst ein Kostenfaktor und gleichzeitig eine Investition in die Zukunft. Wenn Unternehmen aber an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland zweifelten und Investitionen im Ausland erwägten, seien sie auch bei neuen Auszubildenden zurückhaltender.
Azubi bekommt Personalmangel zu spüren
Einer, der sich schon für eine Ausbildung bei BIA entschieden hat, ist Niklas Dahlmann. Der 19-Jährige macht seit einem Jahr seine Ausbildung zum Industriekaufmann. Er arbeitet 37,5 Stunden pro Woche bei flexiblen Arbeitszeiten und verdient knapp 1.000 Euro brutto im Monat. Gleichzeitig bekommt er den Personalmangel im Unternehmen zu spüren. „Wir haben halt auch zu wenig Personal und deswegen sind die Aufgabenberge halt manchmal doch ganz groß“, sagt Dahlmann. Mit To-do-Listen versuche er, den Überblick zu behalten und seine Aufgaben nach und nach abzuarbeiten.
Trotzdem sind 34.000 Ausbildungsplätze noch frei
Während Unternehmen weniger Ausbildungsplätze melden, suchen viele Betriebe gleichzeitig weiter nach Nachwuchs. Rund 34.000 Ausbildungsstellen sind in Nordrhein-Westfalen derzeit noch unbesetzt. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) führt den Rückgang bei den angebotenen Stellen auch auf die schwache Konjunktur zurück. Für junge Menschen gebe es dennoch weiterhin viele Möglichkeiten. Er appelliert an Bewerber, sich bei der Berufswahl nicht ausschließlich auf ihren Wunschberuf festzulegen. Wenn der ideale Ausbildungsplatz in der eigenen Region nicht verfügbar sei, könnten auch verwandte Berufe eine Alternative sein. Junge Menschen und Arbeitsverwaltung müssten deshalb stärker darauf schauen, ob möglicherweise auch die „zweitbeste Wahl“ gute berufliche Perspektiven bietet.

































