Flammen auf rund 300 HektarGrößter Waldbrand in der Geschichte NRWs: 1.800 Menschen müssen ihre Häuser verlassen

von Vanessa Brodka, Daria Semcov und Patricia Brinkmann

Rund 300 Hektar Wald stehen in Flammen, mehr als 500 Einsatzkräfte kämpfen gegen das Feuer und etwa 1.800 Menschen müssen ihre Häuser verlassen: Im Hürtgenwald im Kreis Düren wütet nach Angaben der Landesregierung der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Bundeswehr und Bundespolizei unterstützen die Löscharbeiten. Wann die Bewohner zurück in ihre Häuser können, ist noch unklar.

1.800 Menschen müssen Gey verlassen

Seit Donnerstagabend (13.08.) breitet sich der Waldbrand im Hürtgenwald immer weiter aus. Besonders betroffen ist der Ortsteil Gey. Rund 1.800 Bewohner werden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und nur wichtige Dokumente und Medikamente mitzunehmen. Über die Warn-App NINA werden die Menschen über die Evakuierung informiert. Für viele Anwohner kommt die Aufforderung mit großen Sorgen. Tina Claßens Mann Gregor ist selbst beim Löscheinsatz dabei. Während sie sich um ihre Kinder kümmern muss, weiß sie, dass ihr Mann gegen die Flammen kämpft. „Ich muss ruhig bleiben und darf nicht in Panik verfallen“, sagt sie. Auch Anja Thiele beschreibt ein Gefühl der Hilflosigkeit: „Es ist ein Wahnsinn, weil du bist machtlos. Und du hörst den ganzen Tag die Feuerwehr.“ Verletzt wurde nach bisherigen Angaben niemand. Betroffene Anwohner kommen zunächst in Notunterkünfte.

Feuer breitet sich auf rund 300 Hektar aus

Mittlerweile erstreckt sich das Feuer auf eine Fläche von rund 300 Hektar. Das entspricht ungefähr 420 Fußballfeldern. Mehr als 500 Einsatzkräfte sind vor Ort. Die Bedingungen machen ihnen die Arbeit schwer. Trockenheit und Wetterlage begünstigen eine schnelle Ausbreitung der Flammen. Besonders gefährlich ist die Situation für die Feuerwehrleute, die unmittelbar am Feuersaum arbeiten. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, greifen die Einsatzkräfte auch zu einer zunächst ungewöhnlich klingenden Methode: Sie legen selbst kontrolliert Feuer. Dabei werden bestimmte Flächen gezielt ausgebrannt. Die Hoffnung: Trifft der eigentliche Waldbrand auf diese bereits verbrannten Bereiche, findet er dort keine weitere Nahrung und kann sich nicht auf angrenzende Waldstücke ausbreiten.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Im Gespräch: RTL WEST-Reporterin mit Peter Berndgen von der Feuerwehr im Kreis Düren

Bundeswehr und Bundespolizei unterstützen Löscharbeiten

Unterstützung kommt auch aus der Luft. Die Bundespolizei ist mit Hubschraubern im Einsatz. Zudem hilft die Bundeswehr bei der Bekämpfung des Feuers. Zum Einsatz kommen unter anderem Hubschrauber sowie Bergepanzer Typ zwei aus Aachen. Die schweren Fahrzeuge können in schwierigem Gelände Schneisen schlagen und damit helfen, die weitere Ausbreitung des Brandes einzudämmen. Eine zusätzliche Gefahr lauert möglicherweise im Boden. In Teilen des Waldgebietes könnte sich noch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg befinden. Trotzdem beteiligen sich neben den professionellen Einsatzkräften auch Landwirte, Förster und Lohnunternehmer an den Arbeiten und stellen unter anderem Wasser und Fahrzeuge zur Verfügung. Hürtgenwalds Bürgermeister Stefan Cranen (parteilos) zeigt sich beeindruckt von der Hilfsbereitschaft. Löschgruppen seien von weit her angereist, zudem unterstützten Landwirte und Unternehmen den Einsatz mit allem, was ihnen zur Verfügung stehe.

Minister warnen vor Waldbesuchen

Probleme bereiten dagegen Schaulustige, die in das Gebiet kommen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) appellieren deshalb an die Bevölkerung, Wälder derzeit zu meiden. Besonders Rauchen, Grillen oder offenes Feuer seien angesichts der hohen Waldbrandgefahr tabu. Wie der Brand im Hürtgenwald entstanden ist, steht bislang nicht fest. Die Ursache wird noch untersucht. Ein schnelles Ende des Großeinsatzes ist nicht in Sicht. Die Löscharbeiten werden voraussichtlich noch mehrere Tage dauern. Damit bleibt auch offen, wann die Bewohner von Gey in ihre Häuser zurückkehren können. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) will sich Samstag (15.08.) vor Ort ein Bild von der Lage machen.