Elf Jahre nach der KatastropheGermanwings-Absturz: Hinterbliebene fordern bis zu 110.000 Euro vom Bund – Gericht skeptisch
Mehr als elf Jahre nach dem Germanwings-Absturz mit 150 Toten kämpfen Hinterbliebene vor Gericht um zusätzliches Schmerzensgeld. 30 Angehörige haben die Bundesrepublik Deutschland verklagt und fordern jeweils bis zu 110.000 Euro. Doch gleich zum Auftakt am Freitag (28.08.) machte das Landgericht Braunschweig deutlich: Die Kammer geht derzeit davon aus, dass die Klage keine Aussicht auf Erfolg hat.
Hinterbliebener aus Haan kämpft um Gerechtigkeit
Einer der Kläger ist Klaus Radner aus Haan (Kreis Mettmann). Bei der Katastrophe verlor er seine Tochter, seinen Schwiegersohn und sein Enkelkind. Für den Prozess reiste er selbst nach Braunschweig. Mehr als elf Jahre nach dem Absturz geht es ihm auch um die Frage, wer Verantwortung für die Katastrophe trägt. „Ich kann nicht abschließen, indem ich sage, es gibt hier nur einen Schuldigen, einen Kranken, einen Verrückten, einen Psychopathen“, sagt Radner. Es habe schließlich auch einen Arbeitgeber und eine zuständige Behörde gegeben. „Man kann sich da nicht einfach aus der Verantwortung stehlen.“ Die Kläger sind überzeugt, dass die Flugtauglichkeit des psychisch erkrankten Co-Piloten Andreas Lubitz vor der Katastrophe nicht ausreichend überwacht wurde. Deshalb richten sich ihre Forderungen gegen die Bundesrepublik. Verhandelt wird in Braunschweig, weil dort das Luftfahrt-Bundesamt seinen Sitz hat.
Gericht hält Klage offenbar für aussichtslos
Zum Prozessauftakt gab es für die Angehörigen allerdings einen Dämpfer. Die zuständige Richterin erklärte, die Kammer gehe davon aus, dass die Klage keine Aussicht auf Erfolg habe. Die Hinterbliebenen könnten ihre Ansprüche nach Einschätzung des Gerichts eher gegen die Fluggesellschaft geltend machen. Die rechtlichen Vertreter des Luftfahrt-Bundesamtes beantragten, die Klage abzuweisen. Eine Entscheidung ist damit noch nicht gefallen. Für Radner ist aber klar, dass er seinen Kampf fortsetzen will. „Ich muss weitermachen, solange es geht“, sagt er. Für seine Angehörigen könne er nichts mehr tun, außer zu versuchen, Gerechtigkeit zu bekommen.
150 Menschen sterben bei Germanwings-Absturz
Am 24. März 2015 war Germanwings-Flug 9525 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. In den französischen Alpen brachte Co-Pilot Andreas Lubitz die Maschine absichtlich zum Absturz. Alle 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Unter den Opfern waren auch 16 Schüler sowie zwei Lehrerinnen des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern am See. Sie waren auf dem Rückweg von einem Schüleraustausch in Spanien.






























