Gewalt im Krankenhaus nimmt zuEskalation in der Notaufnahme – immer mehr Gewalt in Kliniken

von Sarema Umarov und Annalena Kirsten

Beschimpfungen, Drohungen, Schläge: In fast allen deutschen Krankenhäusern werden Mitarbeiter in der Notaufnahme angegriffen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat deshalb am Montag (13.07.) die Unfallklinik Duisburg besucht. Dort trainiert das Personal, wie es gefährliche Situationen beruhigen und sich schützen kann.

Gewalt ist Alltag

„Tatsächlich bin ich jeden Tag eigentlich mit Gewalt konfrontiert“, so Laura Marsollek. Sie arbeitet seit zwei Jahren als examinierte Pflegekraft in einer Notaufnahme in Velbert (Kreis Mettmann). Pöbeleien, Übergriffe, Gewalt – all das ist für die 22-Jährige an der Tagesordnung. „Jederzeit kann alles passieren und man muss für alles vorbereitet sein. Also man muss immer gucken, dass man schnellstmöglich Hilfe suchen kann, dass man schnellstmöglich aus den Räumen kommt. Da achtet man hal eher drauf”, betont die junge Frau. Wie brutal Ausschreitungen in Kliniken werden können, zeigt auch ein Fall aus Essen: Nach dem Tod eines Angehörigen haben vorbestrafte Clan-Kriminelle das Krankenhaus gestürmt. Sie verwüsteten Teile des Hauses und verletzten sieben Mitarbeiter teils schwer. Kein Einzelfall: 2024 zählten Ermittler allein in NRW rund 1.700 Gewalttaten in Kliniken. Im Herbst 2025 gaben 66 Prozent der Krankenhäuser an, dass die Gewalt steigt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft.

Suche nach Lösungen

Der Wunsch nach mehr Sicherheit wird entsprechend größer. In Dortmund werden beispielsweise Bodycams für Pflegekräfte getestet. Ein anderer Ansatz sind Deeskalationstrainings, die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung seit 2023 beworben werden. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen und schaut sich ein solches Training am Montag (13.07.) in Duisburg an. „Uns ist wichtig, dass wir nicht nur das Gebäude und Räume so umgestalten, dass es mehr Sicherheit für die Beschäftigten gibt, sondern es hat etwas mit Arbeitsschutz zu tun, dass eben auch die Beschäftigten selber nicht den Beruf verlassen, sondern lernen damit umzugehen, dass sie Trainings bekommen“, so die Ministerin. In den Trainings geht es unter anderem um Selbstverteidigung. Die Teilnehmer lernen beispielsweise sich aus Umklammerungen zu lösen und Angreifer auf Abstand zu halten. Das Deeskalationstraining setzt aber schon früher an, so Krankenschwester Claudia Plohmann aus Duisburg: „Die Leute möchten irgendwo auch ein Stück emotional gesehen werden. Natürlich auch in ihrer Aggression. Und auch das reicht eigentlich. Damit hat man schon ein ganz großes Stück auch deeskaliert, weil man dann einfach mal sagt: Wir sind jetzt hier wirklich sehr wütend. Sie sind hier wirklich aufgebracht. Das reicht eigentlich. Eher, als wenn ich jetzt sage: Jetzt beruhigen Sie sich mal! Das funktioniert meistens nicht.” Deeskalationstrainings werden individuell vom Krankenhausträger organisiert und finanziert. Dazu, wie viele Kliniken sie in NRW anbieten, gibt es keine Zahlen.